Kommentare

zum 

ZEITGESCHEHEN


Dem Vergangenen: Dank!
Dem Kommenden: Ja!

Dag Hammarskjöld
 




Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,
den Tierkreis der Dämonengötter
wie einen schauerlichen Blumenkranz ums Haupt gewunden -
die Geheimnisse der stürzenden und sich hebenden
Himmel mit den Schultern wiegend -

für die längst vom Schauer Fortgezogenen -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,
die Sternenstraßen gezogen in ihren Handflächen
golden aufleuchten lassend -

für die längst im Schlaf Versunkenen -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht
mit ihren Worten Wunden reißend
in die Felder der Gewohnheit,
ein weit Entlegenes hereinholend
für den Tagelöhner

der längst nicht mehr wartet am Abend -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht
und ein Ohr wie eine Heimat suchten -

Ohr der Menschheit
du nesselverwachsenes,
würdest du hören?
Wenn die Stimme der Propheten
auf dem Flötengebein der ermordeten Kinder blasen würde,
die vom Märtyrerschrei verbrannten Lüfte ausatmete -
wenn sie eine Brücke aus verendeten Greisenseufzern baute -

Ohr der Menschheit
du mit dem kleinen Lauschen beschäftigtes,
würdest du hören?

Wenn die Propheten
mit den Sturmschwingen der Ewigkeit hineinführen
wenn sie aufbrächen deinen Gehörgang mit den Worten:
Wer von euch will Krieg führen gegen ein Geheimnis
wer will den Sterntod erfinden?

Wenn die Propheten aufständen
in der Nacht der Menschheit
wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen,
Nacht der Menschheit
würdest du ein Herz zu vergeben haben?

Nelly Sachs




Es siehet der Mensch
Mit dem welt-erzeugten Auge,
Ihn bindet, was er siehet
An Weltenfreude und Weltenschmerz,
Es bindet ihn an alles
Was da wird, aber minder nicht
An alles, was da stürzet
In Abgrundes finstre Reiche.
Es schauet der Mensch
Mit dem geistverliehnen Auge,
Ihn bindet, was er schauet
An Geisteshoffen und Geistes-Halte-Kraft,
Es bindet ihn an alles
Was in Ewigkeiten wurzelt
Und in Ewigkeiten Früchte trägt.
 
Aber schauen kann der Mensch
Nur wenn er des Innern Auge
Selber fühlet als Geistes-Gottes-Glied,
Das auf der Seele Schauplatz
Im Menschen-Leibes-Tempel
Der Götter Taten wirket.
Es ist die Menschheit im Vergessen
An das Gottes-Innere.
Wir aber wollen es nehmen
In des Bewußtseins helles Licht
Und dann tragen über Schutt und Asche
Der Götter Flamme im Menschenherzen.
 
So mögen Blitze unsre Sinneshäuser
In Schutt zerschmettern:
Wir errichten Seelenhäuser
Auf der Erkenntnis
Eisenfestem Lichtesweben,
Und Untergang des Außern
Soll werden Aufgang
Des Seelen-Innersten.
 
Das Leid dringet heran
Aus Stoffes-Kraft Gewalten,
Die Hoffnung leuchtet
Auch wenn Finsternis uns umwallt,
Und sie wird dereinst
In unsre Erinnerung dringen
Wenn wir nach der Finsternis
Im Lichte wieder leben dürfen.
 
Wir wollen nicht, daß diese Leuchte
Dereinst in künft'gen Helligkeiten uns fehle
Weil wir sie jetzt im Leide
Nicht in unsre Seelen eingepflanzet haben.
 
 
Rudolf Steiner
Den Berliner Freunden, 1923



Jeder kann etwas tun ..



( an Viele )
Ihr kennt sie, die Leidenschaft,
die uns verbindet:
Helfen, helfen, mit einer Kraft,
die alles überwindet.

( an Manche )
Ihr kennt es, das harte Leid,
heißt es entsagen,
mitzuwirken im Sturm der Zeit
zu neuem Gottestagen.

( an Einige )
Ihr kennt den Trost, der enttrübt,
die fern den Schranken : -
Werden draußen Taten geübt,
entsenden sie  -  Gedanken.

Christian Morgenstern

Die geistliche Waffenrüstung


Zuletzt:
Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.
Zieht an die Waffenrüstung Gottes,
damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels.
Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen,
sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt,
die über diese Finsternis herrschen,
mit den bösen Geistern unter dem Himmel.
Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes,
damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten
und alles überwinden und das Feld behalten könnt.
So steht nun fest,
umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit
und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit
und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens.
Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens,
mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen,
und nehmt den Helm des Heils
und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.
Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist
und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen
für alle Heiligen und für mich, dass mir das Wort gegeben werde,
wenn ich meinen Mund auftue,
freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen,
dessen Bote ich bin in Ketten,
dass ich mit Freimut davon rede,
wie ich es muss.


Paulus, an die Epheser, 6.10-10




FORUM FREIER CHRISTEN

Zur Freiheit des Christen-Menschen

Aus dem Ernst der Zeit
muss geboren werden,
der Mut zur Tat.

Rudolf Steiner

frei + christlich