REGISTER


->   Angaben zu den Sakramenten
->   Personenregister wesentlicher Gründer

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Angaben zu den

Sakramenten

 


TAUFE

Wilhelm Ruhtenberg erhielt 1921 von Rudolf Steiner das Sakrament der Taufe. 

Siehe GA 265 (1987), S.36. Danach bekam auch die Kirche 
«Die Christengemeinschaft» diesen Text.

TEXT s.a.:  GA 343 (1993), 5.10.1921, vormittags, S. 373-377.

Siehe auch Bearbeitung für eine Erwachsenen-Taufe,

IFCAG, 2008, Kultushandbuch.

 

Sonntagshandlung für die Kinder  

Die erste Sonntagshandlung für die Kinder des freien christlichen Religionsunterrichtes
wurde am 1.2.1920 in der Stuttgarter Waldorfschule gefeiert. 
Danach bekam auch die Kirche «Die Christengemeinschaft» diesen Text.

TEXT s.a.: GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.315-319  und GA 269 (1997), S.42-44.

 

Weihnachtshandlung 

TEXT s.a.:  GA 269 (1997), S. 47-51,  & 4.10.1921, GA 343 (1993), S.320-323.

Einschub für die Sonntagshandlung zu Pfingsten

TEXT s.a.:  GA 269 (1997), S. 45-46.

 

JUGENDFEIER  (Konfirmation)

wurde erstmalig Palmsonntag 1921 in der Stuttgarter Waldorfschule gehalten.  

Danach bekam auch «Die Christengemeinschaft» diesen Text.

TEXT s.a. (handschriftliches Original - Faksimile):  GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.324-327,  siehe auch GA 269 (1997), S.53-61.

Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 5385-5389.


OPFERFEIER    

Die Opferfeier fand erstmalig am 25.3.1923 in der Stuttgarter Waldorfschule 
für die Schüler ab Klasse 9/10 statt.  

Überkonfesssionell "vollziehbar für Menschen, die sie wünschen." 

TEXT s.a.: (handschriftliches Original - Faksimile):  GA 269 (1997), S.63-79.

Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 3553-3541.

Siehe auch Bearbeitung für einen Einschub zu Gründonnerstag, 
IFCAG, 2008, Kultushandbuch.

 

LEBENSSCHAU  (Beichte)

Dieses Sakrament findet sich in den «Kursen über christlich-religiöses Wirken», 1922.   

TEXT s.a.:  GA 344 (1994), 20.9.1922, vormittags, S.188.

 

Sterberitualien :    

LETZTE ÖLUNG 

Auch dieses Sakrament findet sich erst 1922 in :     

TEXT s.a.:  GA 344 (1994), 21.9.1922, S.214-217. 


AUSSEGNUNG  /  BESTATTUNG

Dieses Ritual vollzog Hugo Schuster erstmals am 14.1.1919 am Grabe von Marie Leyh 
auf dem Arlesheimer Friedhof.  Steiner sprach dabei die Gedächtnisworte  
(GA 261 [1984], S.225), GA 342 (1993), S.250.      

Danach bekam auch «Die Christengemeinschaft» diesen Text.
TEXT s.a.: GA 343 (1993), 8.10.1921, vormittags, S.520-523.

 

Kinderbegräbnis

Erst später im März 1923 in den «Vorträgen und Kursen über christlich-religiöses Wirken» vermittelt.

TEXT s.a. (handschriftliches Original - Faksimile):  GA 345 (1994), S.128-141.

Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 3578-3584.

 

Totenhandlung

Im März 1923 in den «Vorträgen und Kurse über christlich-religiöses Wirken» 
in Stuttgart vermittelt.

TEXT s.a. (handschriftliches Original - Faksimile):  GA 345 (1994), S.142-145.

Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 3523-3524.

 

WEIHE  (Priesterweihe)

Eine institutionalisierte "Priester-Weihe"-Liturgie sah Rudolf Steiner nur noch für 
die "Kirchen"-Form der «Christengemeinschaft» vor;  
diese findet sich in den «Vorträgen und Kurse über christlich-religiöses Wirken», 1922.  

TEXT s.a. (handschriftliches Original - Faksimile):  GA 344 (1994), 13.9.1922, nachmittags,
S. 97-102.
 

Siehe auch Bearbeitung IFCAG, 2003, Kultushandbuch. 

Siehe dort auch zur Frage der Priester-Weihe als «Erwachsenen-Taufe».  


TRAUUNG 

Wilhelm Ruhtenberg erhielt im Frühjahr 1922 von Rudolf Steiner das Sakrament der Trauung.  Siehe GA 345, S.73 und auch GA 265, S.36.  

Danach bekam auch «Die Christengemeinschaft» diesen Text.

TEXT s.a. (handschriftliches Original - Faksimile):  GA 345 (1994), S.146-157.

Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 4964-4969.

Siehe auch Aktualisierungsvorschläge IFCAG, 2003, Kultushandbuch. 

 



 

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An den «Vorträgen und Kursen über christlich-religiöses Wirken» ("Priester-Kurse") 
nahmen die Interessenten an der Begründung der «Christengemeinschaft», 
die Religionslehrer des freien christlichen Religionsunterrichtes in der Freien Waldorfschule, 
der Vorstand der AG, sowie verschiedentlich weitere Anthroposophen teil; 
nur wenige wurden auch Priester der «Christen­gemeinschaft»   (Siehe GA 343, S.647-648)
Abk. :

IFCAG = Initiative, freie christliche Arbeits-Gemeinschaft   

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Personenregister

wesentlicher Gründerpersönlichkeiten




->   Ruhtenberg
->   Schuster
->   Geyer
->   Röschl-Lehrs
->   Maikowski
->   Hahn
->   König
->   Steiner





Wilhelm Ruhtenberg

geb. 17.1.1888 in Riga, studierte von 1907 bis 1913 Geschichte, Philosophie und dann Theologie. Die geistlose Textkritik der Professoren enttäuschte ihn sehr. Nach dem Studium unterrichtete er alte Sprachen und wurde dann doch noch als evangelischer Pastor tätig.
Er schied aber 1917 aus seinem Amt wieder aus, weil ihm wesentliche Fragen un­beantwortet blieben. Mit 30 Jahren kamen ihm Bücher von Rudolf Steiner in die Hand, hier fand er die Antworten. Als "Pastor" kam er dann in russische Kriegsgefangenschaft, konnte dort, dem Hungertod nahe, fliehen und in Stuttgart mit Frau Nora und Kindern wieder zusammen-treffen. Hier schloss er sich der Anthroposophischen Gesellschaft an.
Ab 1920 unterrichtete er als Klassen- und Religionslehrer des «freien christlichen» Religionsunter­richtes an der ersten FWS.  Eine kultushistorisch bedeutsame Tat des Durchbruchs zu einem spirituell tiefst greifenden, freien Christ-Sein war die entscheidende Frage Ruhtenbergs an Rudolf Steiner. Nachdem er immer wieder von anthroposophischen Freunden um TAUFE und TRAUUNG gebeten wurde, wandte er sich an ihn und erhielt die neuen, allgemein-priesterlichen Kultustexte 1921 [1].  Später nahm er zwar auch an den "Priesterkursen" zur Begründung der «Christengemeinschaft» teil, konvertierte und ließ sich am 16.9. 1922 [2] zu deren Priester weihen; doch Rudolf Steiner dazu:
«Der Pastor Ruhtenberg muss, wenn er hier (als freier christlicher Handelnder) ist,
vollständig vergessen, dass er Priester ist.» [3]  
Mit 42 Jahren, 1930, verließ er Stuttgart und war u.a. als Lehrer in der FWS Hannover tätig. Von 1933 bis 1941 entschloss er sich dann das Priesteramt in der CG auszuüben.  
Nach dem Krieg wirkte er bis zu seinem Tod am 1.9.1954 als Privatlehrer und in heilpädago-gischen Heimen an verschiedenen Orten und zuletzt in Bensberg bei Köln. 
Unerwartet starb er in der Nacht vom 31.8. zum 1.9.1954. 

Siehe auch: «Wilhelm Ruhtenberg», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule», Stuttgart (1977), S.209 f, sowie GA 265, S.36.

 



Hugo Schuster 

geb. 7.2.1876 in St. Gallen, lernte 1903/04 die Theosophie kennen, wurde am 9.9.1905 Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und war initiativ und intensiv als persönlicher Schüler Rudolf Steiners am Aufbau der anthroposophischen Arbeit in der Schweiz beteiligt, insbesondere in St.Gallen und dann in Basel.  Durch die Christus-Darstellungen Rudolf Steiners fühlte er sich zum Priesterberuf gedrängt und begann 1913 das Theologiestudium und empfing am 23.7.1918 die Priesterweihe der christ-(«alt»-)katholischen Kirche in der Schweiz (dort Pfarrer 1919-22 in CH-Magden/Aargau). Aufgrund der Nachfragen von Anthroposophen wandte er sich an Rudolf Steiner und erhielt 1918/19 Aussegnung und Beerdigung des STERBERITUALS und beerdigte damit eine Anzahl von Anthroposophen 
(der erste war Robert Hahn). Schuster nahm an den Begründungskursen für die neue Kirche «Die Christengemeinschaft» teil, wurde auch aufgefordert dort Priester zu werden, lehnte aber ab. Er ahnte als «christ-katholischer» Priester, einer Kirche die sich dem Zentralismus, dem Dogmatismus und Konservatismus der «römisch-katholischen» Kirche entrungen hatte, die Gefahren der aufkommenden, problematisch "katholischen" Entwicklung der «Christen-gemein­schaft» voraus. Schusters Geist suchte die allgemeine, reform-engagierte, zeit-gemäße Kirche; die «Christengemeinschaft» war nicht sein - und auf diesem - Weg.  
Umso mehr brach es ihm das Herz, dass er von seiner Gemeinde - nach schwerer Krankheit - als christkatholischer Pfarrer nicht mehr wieder gewählt wurde. 
Kurz darauf starb er am 4.1.1925 in Davos.

Siehe auch GA 342 (1993), S.249, Fußnote 105, sowie GA 265, S.491

 

P.S.:  Die christ-katholische Priester-Weihe und damit die Berechtigung Christ-Katholiken christ-katholische Sakramente zu spenden und die damit verbundene apostolische Sukzession Schusters und erst recht das aufgegebene evangelische Pastorenamt Ruhtenbergs (deren «Privatsache») spielten für den Erhalt und die Benutzung der "laien"-priesterlichen, freien christlichen Sakramente keine Rolle. 

Das Argument der CG, dass Ruhtenberg und Schuster diese Rituale nur erhielten «weil sie geweiht waren», ist falsch:  Ruhtenberg besaß gar keine «Weihe» (in der evangelischen Kirche gibt es das Sakra­ment der Weihe nicht!) und Schuster benötigte für die Aussegnung und Bestattung keine «Weihe»  ( sogar in der röm.-katholischen Kirche werden diese bei Bedarf von "Laien" [Pastoralassistenten] vollzogen), da lediglich die «Letzte Ölung» sakramentaler Akt ist. 

Dass dieses Argument unlauter ist, zeigt die Praxis der CG, die andererseits die katholische Weihe (als angeblich Schusters Berechtigung für diese Handlungen) dann doch nicht anerkennt: sie weiht katholisch geweihte Priester noch einmal... 
Auch für Steiner war die "alte" kirchliche Weihe kein Anknüpfungspunkt mehr, erst recht nicht für einen dezidiert "laien"-piesterlich proklamierten Weg. 

Beide erhielten die «freien christlichen» Sakramente "als Anthroposophen für Anthropo-sophen" .  SEIN Ja ist dabei Berufung, Berechtigung, Weihe, und das ist ein intimes, individuelles Geschehen, das nicht dogmatisch definiert werden kann.

Man fragte gerade sie, weil man von ihnen als Theologen/Religionslehrer eine kompetente Beschäftigung mit der Thematik und praktische Erfahrung, Möglichkeiten und Hilfe erwarten konnte. Relevant war ihre spirituelle Eignung, ihr anthroposophisches Streben und ihre Bereitschaft zu handeln, und nicht die Weihe bzw. Zertifizierung durch irgendeine Kirche. Steiner ging es hier um eine Fortführung des Kultus, vom amts-priesterlichen, konfessionellen zum allgemein ("laien")-priester­lichen, freiheitlich brüderlichen Kultus-Handeln.  Das ist der «spezifisch anthroposophische» Weg: überkonfessionell 
(ja interreligiös) aus der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus», 
in der direkten Beziehung zur geistigen Welt, zu Christus ... Und so sind die sakramental Handelnden innerhalb des «freien christlichen» Impulses (in den Freien Waldorfschulen, 
den Heimen und wo sonst) alle zwar Anthroposophen, aber nicht mehr kirchlich, institutionell "Geweihte".  Derjenige, der sich in die Einweihungs-Wissenschaft Anthroposophie vertieft, kann und darf hier zukunftsgemäße Wege und Berechtigungen finden.   


 


Johannes Geyer

geb. am 26.1.1882 in Hamburg, wurde als Sohn eines Berliner Kaufmanns streng religiös erzogen. Schon sein Großvater war Mitbegründer der Altapostolischen Kirche. So erwählte Johannes Geyer schon früh das Theologiestudium. Mit 22 Jahren hatte er seine erst Begegnung mit Rudolf Steiner, der ihn dann auch in die «Esoterische Schule» aufnahm. Dennoch übernahm er 1912 - durch den Beistand Rudolf Steiners ermutigt - das Amt des Pastors der evangelischen Kirche am Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf, das er sieben Jahre ausübte. Als er nach dem 1.Weltkrieg von Rudolf Steiner zum Lehrerkreis der ersten Waldorfschule berufen wurde, folgte er ohne Zögern. Zwei Klassenzüge hat er durch die Grundschuljahre geführt. Im August 1920 erhielt Johannes Geyer von Rudolf Steiner das Sakrament der Taufe für die allgemein-priesterliche Handhabung als Anthroposoph, die allerdings eine freimaurerische Perspektive einnahm. Denn auch zu Freimaurerkreisen fand er - mit Zustimmung und im Auftrag Rudolf Steiners - Zugang und verwies dort immer wieder und erfolgreich in zahlreichen Vorträgen auf die Erkenntnismöglichkeiten der Anthropo-sophie. Seinem Geist war eine spezielle konfessionelle Ausrichtung zu eng, sein Herz stand jedem offen; der Christus selbst war sein Führer. In diesem Sinne wurde er während der Verbotszeit wieder im evangelischen Kirchendienst tätig.  Murr bei Marbach (Neckar) und Schwäbisch-Hall-Steinbach waren bis 1945 seine Hauptwirkensstätten. Seine letzten Jahre verbrachte er in Stuttgart. Am 21.7. 1964 ging er in seine geistige Heimat zurück.

Siehe auch: «Johannes Geyer», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner 
in der ersten Waldorfschule», Stuttgart (1977), S.16-18.


 


Maria Röschl-Lehrs

geb. am 8.12.1890 in Lancut, in Galizien (Österreich-Ungarn) war sie zeit ihres Lebens jungen Menschen nah verbunden. Sie war ein künstlerisch begabter Mensch, entschloss sich dann aber zum Studium der Germanistik, Philologie, Kunstgeschichte und der Philosophie an der Universität Wien, absolvierte die Staatsprüfung für das Lehramt und promovierte 1914 über den Traum bei Goethe und war danach als Lehrerin an einem Wiener Mädchengymnasium tätig. Durch Karl Schubert wurde sie 1918 in die Anthroposophische Gesellschaft eingeführt und 1920 Mitglied. Durch seine Vermittlung lernte sie die Freie Waldorfschule kennen und wurde dort 1922 als Lehrerin berufen. Mit Herbert Hahn und Karl Schubert erhielt sie als Religionslehrerin 1923 von Rudolf Steiner die freie christliche «Opferfeier». 
Am 8.6.1924 berief Rudolf Steiner sie als Leiterin der Sektion für das Geistesstreben der Jugend der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft nach Dornach, bis sie 1930 aufgrund der tragischen Entwicklungen in der AG ihr Amt zurückgab und wieder Waldorflehrerin in Stuttgart und Leiterin des dortigen Lehrer­seminars wurde. Nach der Machtergreifung der Nazis emigrierte sie nach Clent in England, zwischendurch nach Costa Rica und begann 1940 mit Ernst Lehrs eine anthroposophische Arbeit mit Karl König in Aberdeen. 1947 bis 1952 war sie als Dozentin für die Lehrer­ausbildung in Michael Hall, Forest Row und im Hawkwood College in Gloucester tätig. 1952 kehrte sie mit Ernst Lehrs nach Deutschland zurück und war bis zu ihrem Tode 1969 Dozentin am heilpädagogischen Seminar in Eckwälden. Die freie christliche Gesinnung war dieser «Ketzerin für Christus» Quelle für ihre lebenslange Arbeit mit und für junge Menschen.

Siehe auch: «Maria Röschl-Lehr», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule», Stuttgart (1977), S.16-18  und «Zur religiösen Erziehung», 
II.Kap. «Zur Opferfeier», S.56.

 



René Maikowski

geb. am 11.3.1900 in Berlin, setzte sich schon in jungen Jahren aus sozialpolitischem Interesse für die anthroposophische Bewegung ein, war seit 1923 Sekretär des Bundes für anthroposophische Hochschularbeit, gehörte zu den Mitinitianten des Pädagogischen Jugendkurses und war Komiteemitglied der Freien Anthroposophischen Gesellschaft. 
Nach dem Abitur wurde er noch als Soldat eingezogen und erlebte den Spartakusaufstand, der in ihm die Sehnsucht nach einer sinnerfüllten und menschenwürdigen Lebensgestaltung aufrief. Auf dieser Suche wurde er von Rudolf Steiner beauftragt, am Aufbau der Waldorf-schule in Essen mitzuwirken. Er wurde Lehrer, wechselte zur Waldorfschulinitiative nach Lissabon und dann nach Hannover. 1934 versuchte er als Leiter des «Bundes der Waldorf-schulen» deren drohendes Verbot zu verhindern. Nach dem Krieg unterrichtete er bis 1960 weiter in Hannover. Wie Schüler berichteten muss sein Unterricht etwas Mit­reißendes und Begeisterndes gehabt haben, man nannte ihn «die Flamme».  Den "Ruhe­stand" ver­brachte er als Autor für die Zeitschrift «Die Kommenden» und mit vielen Vor­trägen und Seminaren in Europa, Russland und Israel.  
Sein religiöser Weg war für den freien christlichen Impuls entflammt, dem er als Waldorf-lehrer verbunden war, doch unerlöst blieb die Antwort Rudolf Steiners an ihn, 
die «Opferfeier» in Inhalt und Form fortzusetzen, um einen spezifischen anthroposophischen Kultus zu erbilden,  ein Auftrag der heute noch wartet... 
Hochbetagt starb er fast 92-jährig in Oyten bei Bremen.

Siehe auch: «Maikowski, René» in «Anthroposophie im 20. Jahrhundert - Ein Kulturimpuls in biographischen Porträts», Verlag am Goetheanum, 2003.

 



Herbert Hahn

geb. am 5.5.1890 in Pernau (damals Russland), wuchs somit in verschiedene Sprachen herein, studierte Sprachen und wurde im 1.Weltkrieg als Dolmetscher eingesetzt. 
Schon 1909 hörte er einen Vortrag von Rudolf Steiner, der ihn als Mensch beeindruckte. 
Er gehörte 1919 dem Gründungskollegium der ersten Waldorfschule in Stuttgart an, zunächst als Französischlehrer, dann auch als Klassenlehrer. Von kultushistorischer Bedeutung ist, dass er von Rudolf Steiner mit dem Aufbau und dem Halten des über-konfessionellen, freien christlichen Religionsunterrichtes betraut wurde. 
Am 1.2.1920 fiel ihm dann die Aufgabe zu, die erste allgemein-("laien")priesterliche, 
«freie christliche» Sonntagshandlung zu vollziehen.  

Neben der Schule war Hahn von Anfang an auch verantwortlich in der Anthroposophischen Gesellschaft tätig. Er verstarb am 20.6.1970 in Stuttgart.

Siehe auch: «Hahn, Herbert» in «Anthroposophie im 20. Jahrhundert», Verlag am Goetheanum  und «Herbert Hahn», in «Der Lehrerkreis um Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule».

 



Karl König

geb. am 25.9.1902 in Wien, als einziges Kind einer jüdischen Familie. Dass König ein genialer Geist war, zeigte sich bereits in seiner Kindheit und Jugend. Er entwuchs schnell dem kleinbürgerlichen, jüdischen-wienerischen Familienleben durch Fragen und Probleme, die seine Eltern nicht beantworten konnten. Der Gymnasiast war lästig und in Opposition, weil ihn der Stoff nicht befriedigen konnte. Das anschließende medizinische Studium enttäuschte ihn, weil es die Kernfragen ausklammerte, so sehr, dass er erwog, es abzu­brechen und Sozial-wissenschaft zu studieren. Damit trat sein zweiter Impuls hervor, der ihn schon als Kind dazu brachte, nur ärmliche Kleider anzuziehen, weil er es nicht besser haben wollte als Arbeiter-kinder. Noch bevor König, knapp neunzehnjährig, dem Namen «Rudolf Steiner» und «Anthroposophie» begegnete, findet er aus eigener Selbstbeobach­tung des Denkens das Grundprinzip der «Philosophie der Freiheit». Nach dem Medizin­studium und Dissertation bricht er die Karriere, in der ein Professorat in der Embryologie winkte, ab, um dem Ruf
Ita Wegmans nach Arlesheim zu folgen. Doch bald sucht er sich ein eigenes Wirkensfeld.
Es wird das heilpädagogische Institut Pilgramshain in Schlesien, wo er auch heiraten wird und durch seine Frau die Verbindung zur Herrnhuter Brüdergemeinde findet. Deren großer Leiter Zinzendorf wird ihm später aus der geistigen Welt zentrale An­weisungen für Camphill geben. 1936 muss er vor den Nazis nach Wien und dort 1938 mit weiteren jüdischen Freunden nach Schottland fliehen. Hier entsteht nun die heilpäda­gogische Gemeinschaft «Camphill». Wir begegnen hier einem christozentrischen Impuls, in dem viele Neu-schöpfungen auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiet sich ent­wickeln können.
Doch nicht der Erkenntnisweg, sondern die Übung des christlich-sozialen und meditativen, religiösen Weges standen im Mittelpunkt. Unter den Leitsternen «lernen» (Comenius) + «beten» (Zinzendorf) + «arbeiten» (Owen) baute der Kreis um Karl König eine kommunitäre, anthroposophische Gemeinschaft auf. In einer Zeit der Dunkelheit fand dieses Vorbild in der anthroposophischen Gesellschaft nicht nur Freunde, in der die soziale Tat, die liebende Mitte des Christus-Wirkens nie stark aufgegriffen wurde und gerade damals in tiefer Verdunkelung lag. Karl König musste ganz autonome Wege gehen. Auch das Verhältnis zur Kirche «Die Christengemeinschaft» musste gelöst werden
und Karl König griff den «freien christlichen» Strom mit der «Opferfeier» auf.
Konnte solch einem freien Geist nur ein freier Impuls Gefäß sein?  «Dass (in der weiteren Entwicklung Camphills - bis heute -VDL) die geschichtliche Entwicklung andere Wege gegangen ist (der heilpädagogische Impuls überlagerte im-mer mehr den sozial-religiösen,
es kam nicht zu einem neuen, und zwar "anthroposophisch" gegründeten «Orden der Güte» -VDL
), ... ändert nichts an der Bedeutung dieses frühen, von König initiierten Schrittes, insofern in ihm Keime zukünftiger sozialer Kulturgestaltung für einen historischen Augenblick - vielleicht zu früh - zutage getreten sind.»  (Müller-Wiedemann, in «Karl König»)

Er stand mitten in der Vortragsreihe «Das Tor des Mondes und das Tor der Sonne», 
als am 27.3.1966 in Überlingen sein großes Herz den erschöpfenden Anforderungen erlag, sein Geist aber schritt weiter: durch das Tor der Sonne.  
Mit seinen «Leitsternen» glänzt die Sonne freier christlicher, anthroposophisch-kommunitärer Gemeinschaftsideale immer weiter... 

Siehe «Karl König», Hans Müller-Wiedemann, Verlag Freies Geistesleben,

siehe Karl König zu den Leitsternen: «Gemeinschaft bauen»,
privater Sonderdruck, erhältlich beim Förderkreis;

siehe auch hier  Kap. «Gemeinschaft bauen» !

 




Rudolf Steiner

«Aus der Polarität von dem, was als ureigene Aufgabe erfahren wird, und dem,
was fortwährend als Anforderung von außen herantritt, gewinnt der Lebensweg
Rudolf Steiners seine Dynamik und bezeugt seine innere Einheit durch jenes Dritte,
das sich in den Gegensätzen erkennt und diese fruchtbar zu machen versteht –
eben das ‹Ich bin›. Auch Erkanntes gewinnt für ihn erst Wirklichkeit und damit Wirksamkeit, wenn er es durch und durch erlitten und erlebt hat. Während er sich auf diese Weise praktische Menschen­kenntnisse erwirbt, arbeitet er durch die strenge naturwissenschaftliche und philo­sophische Schulung ‹exoterisch› auf jenen Moment hin, aus dem heraus sich dasjenige, was er gleichzeitig ‹esoterisch› erkundet, in klarer Methodik und Begrifflichkeit zur Dar­stellung bringen lässt.» Taja Gut, Mitarbeiter des Rudolf Steiner Archivs, Dornach 
«Steiner ist ein Meister des Willens. Wille ist nicht nur Tun, sondern der Moment, wo ich meine Richtung ändere, dieser Punkt der Umkehr, das Erwachen im Willen, das mich vor der Routine bewahrt.» Walter Kugler, Leiter des Rudolf Steiner Archivs, Dornach

 

Als 27-jähriger, 1888, stellt Rudolf Steiner eine jugendliche Programmatik auf, 
die, erfrischend wie sie ist, für alles weitere stehen kann: 
«Nur das für wahr halten, wozu uns unser eigenes Denken zwingt. 
Und nur in solchen staatlichen und sozialen Gemeinschaften leben, 
die wir uns selbst schaffen.» 

Und wie sieht es heute aus? 

Rudolf Steiner eröffnet ein Kontinuum innovativer Gegenwart. 

Sein Lebensweg beginnt am 27. Februar 1861 im damals ungarischen Kraljevec. 
Nach einer Kindheit an den Bahngleisen – sein Vater war Stationsvorsteher der Österreichisch-Ungarischen Bahn – studiert er an der Technischen Hochschule in Wien natur­wissenschaftliche Fächer, besucht Vorlesungen in Literatur und Geschichte und vertieft sich in die Philosophie. Er ist Hauslehrer und Redakteur der «Deutschen Wochenschrift» in Wien und gibt neben seiner philosophischen Promotion Goethes Naturwissenschaftliche Schriften in Weimar heraus. 1897 zieht er nach Berlin zur Herausgabe des «Magazins für Literatur», ist Redakteur der «Dramaturgischen Blätter des Deutschen Bühnenvereins», übernimmt die Moderation des Künstlerforums «Die Kommenden» und unterrichtet an der «Arbeiterbildungsschule». Er ist Teil des Bohème-Lebens im Berlin der Jahrhundertwende, immer in wirtschaftlich bedrängten Verhältnissen. Daneben publiziert er eigene Abhand-lungen, insbesondere zur Philosophie und Geistesgeschichte. 1893 erscheint sein anthropo-logisches Hauptwerk: «Die Philosophie der Freiheit». In Freundschaften und Be­kanntschaften – von der Frauenbewegung über die Literatur, von Kunst und Philosophie bis zur Theosophie – erweitert er beständig seinen Horizont im zeitgenössischen Kontext. 1901 schreibt er Artikel gegen den Antisemitismus und hält den Vortragszyklus «Das Christentum als Mystische Tatsache».  Mit Marie von Sivers, seiner späteren Frau, über­nimmt er den Aufbau der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Über 6.000 Vorträge wird er bis zu seinem Tode halten. 1904 erscheint das Buch «Theosophie» und in einer fortgesetzten Schriftenreihe «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten». 1909 veröffentlicht er «Die Geheimwissenschaft im Umriss». Diese anthroposophischen Grundschriften bauen kompromisslos auf die Geistesgeschichte des christlichen Abendlandes. Der endgültige Bruch mit der Theosophischen Gesellschaft ist unausweichlich, zumal als er 1907 auf dem Münchner Kongress seine Ideale einer «Kulturmission» darlegt. In der Folge werden von 1910 –13 seine Mysteriendramen in München aufgeführt. 1912 gibt er den ersten Kurs zu einer neuen Bewegungskunst: die Eurythmie entsteht. Im selben Jahr wird der Bau eines zentralen und repräsentativen Gebäudes für die Anthroposophie in Dornach begonnen, und spätestens von diesem Moment an ist die Kunst in allen Disziplinen untrennbar von anthroposophischer Arbeit. 

Gedrängt durch das Grauen des Ersten Weltkrieges und das geistige Vakuum Mitteleuropas beginnt Rudolf Steiner 1917 seine Idee der «Dreigliederung des Sozialen Organismus» auszuarbeiten. Sie wurde zur Bewegung – in der Arbeiterschaft, auf der Ebene hochrangiger Politiker und unter prominenten Künstlern und Wissenschaftlern. Im Zuge dieser Bewegung wurde 1919 in Stuttgart die erste Waldorfschule gegründet. Mit der Ärztin Ita Wegman entwickelt Rudolf Steiner die Grundlagen einer anthroposophischen Medizin sowie Heilmittel und ihre Herstellungsverfahren. 

Weihnachten 1923/24 gründet Rudolf Steiner die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als Zusammenfluss der bereits damals internationalen Bewegung und beginnt den Aufbau der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft als ihren spirituell aktiven Mittelpunkt. In fachlich orientierten Vortragszyklen, seinen «Anthroposophischen Leitsätzen» und den «Briefen über das Michaelmysterium» kann der Beginn einer funda­mentalen Neuformulierung der Anthroposophie gesehen werden. In seinem letzten Lebensjahr begründet er die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise; Kurse für Heil­pädagogen, Ärzte, Künstler, Lehrer und Priester erweitern die Grundlagen für die Vielfalt und spirituelle Konsequenz der bis heute zunehmenden Kultur-initiativen. – 

Am 30. März 1925 stirbt Rudolf Steiner in Dornach. 

 

25.2.1861               geboren in Kraljevec (damals Ungarn)

1879    Studium an der Technischen Hochschule Wien

1890    Ständiger Mitarbeiter am Goethe-und-Schiller-Archiv in Weimar

1891    Promotion als Doktor der Philosophie in Rostock

1894    «Die Philosophie der Freiheit» erscheint.

Ein Schaffenswerk - in der Gesamtausgabe von über 400 Bänden - beginnt und die Schaffung einer alle Lebensbereiche vertiefende Anthropo-Sophie

1902    Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft 

1913    Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft

ab 1913   Bau des ersten Goetheanums in Dornach (Basel/Schweiz)

Sylvester 1922/23   Durch Brandstiftung Vernichtung des 1. Goetheanums

1923/24   Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wird neu begründet, 
mit der esoterischen Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

30.3.1925   stirbt Rudolf Steiner in Dornach.

 

Literatur:
«Mein Lebensgang»,  Rudolf Steiner, GA 28
«Rudolf Steiner, eine Biographie»,  Christoph Lindenberg

«Meine Lebensbegegnung mit Rudolf Steiner»,  Friedrich Rittelmeyer

«Rudolf Steiners Leidensweg»,  Gerhard von Beckerath

«Rudolf Steiner und die Grundlegung der neuen Mysterien»,  Sergej Prokofieff

«Rudolf Steiners Aufgabe unter den großen Eingeweihten»,  Heinz Eckhoff

«Die Entstehung der anthroposophischen Gesellschaft»,  Frank Teichmann

«Anthroposophie - was ist das?»,  Maurice Martin

Aktuell :  

«Rudolf Steiner - Meister der weissen Loge - Zur okkulten Biographie»,  
Judith von Halle,  Verlag für Anthroposophie, Dornach




 

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1)    Siehe GA 265, (1987) S.361.
2)    Siehe GA 344, (1994) S.15, Inhaltsangabe.   
3)    «Besprechung Rudolf Steiners mit den Lehrern des Freien Religionsunterrichtes»,   
        9.12.1922.


Jeder Mensch ..werde.. ein Priester!

Bloß ist mein Christentum
absolut nicht kirchlich gebunden.
Ich bin ein richtiger Ketzer
für Christus ! ...
Das Priestertum des Menschen
ist das einzige,
das mir einleuchtet,
und darum bin ich so dankbar,
dass ich Rudolf Steiner begegnete.
Maria Röschl-Lehrs  

frei + christlich