FREI + CHRISTLICH
Zur Freiheit
des Christenmenschen
Dass es kein anderes Wort Gottes gibt als das,
was allen Christen zu verkündigen aufgetragen ist;
dass es keine andere Taufe gibt als die,
die jedweder Christ vollziehen kann;
dass es kein anderes Gedächtnis des Herrenmahls gibt als das,
bei dem jedweder Christ tun kann, was Christus zu tun befohlen hat;
dass es keine andere Sünde gibt als die,
die jedweder Christ lösen kann;
dass es kein anderes Opfer gibt,
als den Leib eines jedweden Christen;
dass niemand vorbeten kann,
allein der Christ für sich selbst;
dass niemand über die Lehre urteilen darf,
außer allein der Christ selbst.
Alle Christen
sind wahrhaftig geistlichen Stands,
und ist unter ihnen kein Unterschied,
denn des Amts halben allein. ...
Was aus der Taufe krochen ist,
das mag sich rühmen, dass es schon
Priester, Bischof und Papst geweihet sei,
obwohl es nicht jedem ziemt,
dieses Amt auch auszuüben.
Martin Luther
(Übersetzung - VDL)
FORUM FREIER CHRISTEN
Zur Freiheit des Christen-Menschen
Was in der Entwicklung
der Christenheit
als Sehnsucht und Streben nach
Laienpriestertum
immer wieder erstand
- allerdings auch immer wieder verfolgt
und schließlich zum Verschwinden
gebracht wurde -,
das hat hier
durch Rudolf Steiner
eine neue Keimlegung erfahren.
Maria Lehrs-Röschl, GA 265, S.42
frei + christlich
Eine ausführliche Behandlung der Thematik :
Zur Freiheit
des Christenmenschen
Der »freie christliche« Impuls heute
Eine Inhalts- ÜBERSICHT:
+ Jeder Mensch ..werde.. ein Priester !
Zeitgemäßes Christ-Seins
+ Anthroposophie als freilassendes Werkzeug
Ohne Erkenntnis geht es nicht
+ Mit welchen Handlungen
wenn "Kirche" nicht in Frage kommt
+ Sieben Sakramente
als Stationen der Hoch- + Not-Zeiten des Lebens
+ Ein allgemein-priesterlicher Weg
Rudolf Steiners zeitgemäßer, »freier christlicher« Impuls
+ Lebendiger Kultus
nicht aus einer Dogmatik, sondern aus der sich lebendig
wandelnden, individuellen Beziehung zur Geistigen Welt
+ Berechtigung Weihe ?
Nicht durch die Hierarchie eines »Zwei-Stände-Systems«,
sondern durch IHN, im geschwisterlichen Füreinander
+ Zwei Strömungen
Das geschwisterlich allgemein-priesterliche,
und diametral: das hierarchisch amts-priesterliche Prinzip
+ Probleme mit der »Christengemeinschaft«
Amts-"Kirche" will nichts "Freies" und legt sich quer
+ Monopolanspruch
der Kirche »Die Christengemeinschaft«
+ Freie christliche Initiative
Die Initiativen für einen »spezifisch anthroposophischen«,
überkonfessionellen und freien Kultus-Weg
+ Christen-Gemeinschaft
Gemeinschaft freier Christen?
+ Veröffentlichung
Tragik der Uninformiertheit, deshalb an's "Licht der Welt"
+ Weiter ?
» Aus dem Ernst der Zeit
muss geboren werden der Mut zur Tat! « R.St
Vorab:
Dieser Beitrag möchte die Thematik zusammenfassen.
Wenn Sie jedoch nicht nach noch mehr Details oder Wiederholungen suchen,
genügen die im Buch aufgeführten Beiträge und Perspektiven (insbesondere das Vorwort),
in denen Sie das grundsätzlich Relevante finden.
Diese erweiterte Zusammenfassung entstand auf Nachfragen von Freunden,
die nicht das gesamte Buch lesen wollten oder konnten und sich wünschten,
"alles kurz" dargelegt zu bekommen.
Bitte bedenken Sie, dass verschiedene Autoren unabhängig voneinander immer wieder
und zwangsläufig auch dieselben Argumente und Belegstellen anführen, weil sie sich alle
auf Rudolf Steiner bzw. dessen Kontext beziehen. Daher werden Ihnen hier manche Gedanken mehrfach begegnen – aber deshalb sind sie ja nicht falsch, sondern werden
durch die unterschiedlichen Perspektiven nicht nur wiederholt, sondern auch bereichert, erweitert und bestätigt.
Es war zudem Leserwunsch, gewisse Aussagen und wichtige Hintergründe ausführlicher
als im Fließtext zusätzlich zu erläutern, und zwar direkt beim betreffenden Text,
jedoch ans Seitenende ausgelagert in die Fußnoten (hier mit eigener Zählung),
nicht “unauffindbar” am Ende des Buches in Endnoten! Ungünstig daran ist: Sie werden versucht sein, hin- und herzuspringen, was gegebenenfalls den Lesefluss unterbricht;
… doch: wie gewünscht.
Ein orthografisch bewusst gewähltes Spezifikum betrifft die Handhabung
der Anführungszeichen:
Zitate und Eigennamen erscheinen in » … «,
während pointierte oder problematisierte Begriffe in " … " stehen.
Im Folgenden wird für die Denomination der Kirche »Die Christengemeinschaft«
(als Institution und Körperschaft des öffentlichen Rechts) die Bezeichnung
»Die Christengemeinschaft« verwendet; nicht zu verwechseln mit der weltweiten Gemeinschaft der Christen als einer allgemeinen Christengemeinschaft.
Ansonsten wird im gesamten Buch die Institution »Die Christengemeinschaft«,
vor allem in den Fußnoten, mit »CG« abgekürzt und die »Anthroposophische Gesellschaft«
mit »AG«.
Die Begriffe »frei christlich« bzw. »allgemein-christlich« werden hier (entsprechend dem
allgemeinen theologischen Verständnis) mit »laien-priesterlich«, d. h. »allgemein-priesterlich«,
gleichgesetzt, also mit einem berechtigten und wirkungsvollen sakramentalen Handeln
durch kirchlich Nicht-Geweihte, durch Christen ohne eine institutionalisierte, kirchlich zertifizierte Amts-Priester-Weihe – so wie das im Urchristentum üblich war
und wie es dann Martin Luther – für die evangelische Kirche, prinzipiell aber für jeden
Christenmenschen – und dann auch Rudolf Steiner als »frei christlich« erneut postulierten.
Der Begriff »Amts-Priester« wird für den hauptamtlichen, kirchlich geweihten Berufs-
(Amts-)Priester innerhalb eines traditionellen kirchlichen »Zwei-Stände-Systems« –
meist einer »Kirche« als KdöR – verwendet.
Werden von Zitaten (meist der CG) keine Quellen benannt,
liegt dem oftmals zugrunde, dass diese an verschiedensten Stellen zu finden
bzw. allgemein-populär sind oder persönlich übermittelt wurden –
und nicht, dass diese letztlich nicht nachweisbar wären.
Die Verifizierung wird auch dadurch erschwert, dass für die CG problematische Situationen
oder Thesen öffentlich selten offiziell thematisiert werden, sondern oft einzelne Priester (meist unklar, ob als Privat- oder offizielle Amtsperson) agieren – sodass ggf. zweifelhafte
Bekundungen dann als "private Meinungen" relativiert werden können (und die Institution "Hüterin der Wahrheit" bleibt?) …
Die Verantwortung für die einzelnen Beiträge hier liegt selbstverständlich
bei den jeweiligen Autoren.
Die Thematik ist diffizil und berührt auch persönliche Erfahrungen.
Falls einzelne Passagen zu subjektiv wirken, bitte ich um Nachsicht.
Die »Kultus-Frage« unterliegt einem zeitbedingten Wandel:
Alles Kultische – und nicht nur das – solle sich immer in einer lebendigen Weiterentwicklung
befinden, so Rudolf Steiner.
Sie finden hier in dieser »Gesamtausgabe« Beiträge aus verschiedenen Epochen
des Werdeprozesses frei christlichen, kultischen Engagements
innerhalb der anthroposophischen Bewegung; viel davon ist immer noch relevant,
manches hat nur noch historische Bedeutung.
Bitte überprüfen Sie, inwiefern das und was davon für Sie wichtig ist.
Diese Zusammenfassung wurde kurzfristig, mit heißer Feder, erstellt
und ist eine Überarbeitung meines (VDL) Beitrags aus dem alten »Info-Buch«.
Sie ist weiterhin als eine Arbeitshypothese zu verstehen, die zur Prüfung einlädt.
Bedenken Sie dabei, dass auch mein (VDL) Suchen und unsere Praxis im Forum Kultus
nicht zu verallgemeinern sind und ebenso einer fortwährenden Klärung bedürfen.
Und damit sind wir wieder bei Ihrer »Freiheit« …!
V. D. Lambertz – Pfingsten 2026
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Zur Freiheit
des Christenmenschen
Eine Zusammenfassung [1] V. D. Lambertz
Der » freie christliche « Impuls heute
Initiatve für ein freies, anthroposophisch + sakramental
vertieftes Christ-Sein heute
Jeder Mensch ..werde.. ein Priester !
»Alle Christen
sind wahrhaft geistlichen Standes,
und ist unter ihnen kein Unterschied
denn des Amts halben allein. …
Demnach werden wir allesamt
durch die Taufe zu Priestern geweiht. …
Was aus der Taufe gekrochen ist,
das mag sich rühmen,
dass es schon Priester, Bischof und Papst
geweiht sei,
obwohl es nicht jedem ziemt,
dies Amt auch auszuüben.«
Martin Luther [2]
»Unübersehbar ergibt sich als notwendig,
dass das christliche Freiheitselement
auch dem Wesen des Kultus,
dem Sakramentalismus, einverleibt werden muss.
Das heißt, dass zunehmend nach der Zukunft hin
nicht mehr der eine (Priester) für die anderen alle
das Opfer zu vollbringen haben wird,
sondern dass der eine mit dem anderen
gemeinschaftlich das Gleichwerden der Menschen
gegenüber dem Christus,
der als Sonnenwesen auf die Erde heruntergestiegen ist,
erleben soll.«
Hella Wiesberger [3]
»Die Kirche kann,
wenn sie sich richtig versteht, nur die eine Absicht haben,
sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane,
indem das ganze Leben
zum Ausdruck des Übersinnlichen gemacht wird.«
Rudolf Steiner [4]
»Voraussetzung zu all dem
ist die Spiritualisierung des Denkens.
Erst davon ausgehend wird man dazu kommen können,
nach und nach alle Lebensbetätigungen
zu sakramentalisieren.
Dann werden sich aus der Erkenntnis
der geistigen Wirklichkeiten heraus
auch die alten Zeremonien ändern,
weil es da, wo man Wirklichkeiten hat,
keiner Symbole mehr bedarf.«
Rudolf Steiner [5]
»Alle freie Religiosität,
die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit
entwickeln wird, wird darauf beruhen,
dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit
wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis,
nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde.
Dann wird es keinen Religionszwang geben können,
dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen,
denn dann wird die Begegnung
jedes Menschen mit jedem Menschen
von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein,
und niemand wird eine besondere Kirche,
die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat,
nötig haben, das religiöse Leben aufrechtzuerhalten.«
Rudolf Steiner [6]
Anthroposophie
als freilassendes Werkzeug
Weg dahin und Quelle dazu kann die Anthroposophie
– als eine Philosophie der Freiheit – sein.
»Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg,
der das Geistige im Menschenwesen
zum Geistigen im Weltenall führen möchte.«
Rudolf Steiner [8]
Als ein freilassender, interreligiöser Schulungs-
und Erkenntnisweg führt sie zum Erwachen
am (Christus im) Anderen.
Hier wird ein unmittelbares Anknüpfen
der Bewusstseinsseele an das Mysterium von Golgatha
und an die Gegenwart der geistigen Welt möglich:
individuell und frei,
aus der »moralischen Intuition«
eines »ethischen Individualismus«.
Rudolf Steiner [9]
So kann »Anthroposophie selbst Gottesdienst« (R. St.) werden,
als eine »geistige Kommunion« (R. St.),
und den würdig und ernsthaft Strebenden
zur Verbindung mit Ihm führen
und letztendlich in die Verchristlichung und Sakramentalisierung
des ganzen Lebens münden.
Anthroposophie ermöglicht Mitgliedern aller Religionen
und Konfessionen einen freien, individuellen, unabhängigen,
interreligiösen, unmittelbaren Weg
zur geistigen Welt und zum Christus. [10]
Als ein interreligiöses Erkenntniswerkzeug
ist sie auf die Freiheit und individuelle Erkenntnis
des Strebenden aufgebaut [11]
und lässt somit prinzipiell jedem seine Religion, seine Konfession
und damit auch eine unabhängige (sogar interreligiöse)
und dementsprechend kultische Gestaltung
des eigenen Lebens:
Jedem seinen Weg!
Hier – in diesem »Arbeitsmaterial zur Kultus-Frage«
in dieser Website –
dürfen wir Ihnen unsere Perspektive, unsere Hypothesen,
aber auch unsere Praxis vorstellen!
Mit welchen Handlungen
Wie sieht das für ein überkonfessionelles, freies christliches Wirken konkret aus?
Mit welchen Kultustexten
könnten die Konzentrationspunkte
des religiösen, kultischen und vor allem sakramentalen Lebens
er- und gefasst werden,
wenn eine spezielle Kirche nicht infrage kommt?
Meist wird versucht, eigene Formen und Worte zu finden.
Woran aber orientieren wir uns,
wenn wir uns – aus welchen Gründen auch immer –
noch nicht in der Lage sehen, eigene Sakramentstexte
und -formen zu fassen, zu formulieren?
Dann sind wir auf glaubwürdige, spirituell wirksame,
gegenwärtig verfügbare Texte angewiesen.
Auf der Suche nach spirituell zeitgemäßen
und vor allem überkonfessionellen sakramentalen Handlungen
sind diese Fragen auch Rudolf Steiner gestellt worden.
Ihm traute man ein solches Erfassen zu.
Und die Geistige Welt antwortete – durch ihn – auch hier.
So konnte Steiner konkret kultische Texte fassen
und einzelnen Personen beziehungsweise Gruppen übergeben,
und zwar prinzipiell überkonfessionell,
und deshalb einerseits laien-priesterlich
und andererseits amts-priesterlich nutzbar.
Auf dem Weg
zur spirituellen Emanzipation des Christenmenschen
liegt die kultushistorisch bedeutsame Tat Rudolf Steiners
nicht nur in der Geburtshilfe für eine »erneuerte Kirche«
(Die Christengemeinschaft) [12, 13],
sondern vor allem in der Zukunftssaat eines »freien christlichen«,
allgemein-priesterlichen, überkonfessionellen, sakramentalen Kultusimpulses:
in der Befreiung des Christen
von konfessionellen, doktrinären und obrigkeitlichen Fesseln,
hin zur individuellen Selbstverantwortung
aus der eigenen »moralischen Intuition« eines »ethischen Individualismus«,
bis ins kultische Handeln …
und damit in der not-wendenden Vollendung der
»Freiheit des Christenmenschen«!
Sieben Sakramente
In Anbetracht der vorgetragenen Anliegen und Fragen,
aber natürlich auch immer mit dem Blick auf die Notwendigkeiten der Zukunft,
vermittelte Rudolf Steiner
einen – teils fragmentarischen (er starb zu früh),
bis heute offiziell nicht aufgegriffenen [14] –
Kreis von kirchenunabhängigen und allgemein-(laien-)priesterlichen,
spezifisch anthroposophisch vertieften Sakramenten [15, 16]
als einen kultisch spezifisch anthroposophischen Weg [17]
den wir hier als »frei christlichen« einordnen :
das in der kultushistorischen Entwicklung
zukunftsgemäß weitergeführte Zentralsakrament [18]
• die »OPFERFEIER« (1923) [19, 20, 21],
zunächst den Religionslehrern der Freien Waldorfschulen,
letztlich aber auch außerhalb der Schulen – für jeden,
der diese wünscht (!) – (siehe Maria Lehrs-Röschl, GA 269, S.125),
und zudem speziell der Waldorfschule:
• die »Sonntags-Handlungen« für die Schulkinder (1920) [22]
• mit dem Sakrament der »JUGENDFEIER« (1921) [23].
Der Anthroposoph und Waldorflehrer Wilhelm Ruhtenberg erhielt:
• die Sakramente »TAUFE« (1921) [24]
• und »TRAUUNG« (1922) [25]
Der Anthroposoph und Pfarrer Hugo Schuster erhielt:
• die »BESTATTUNG« mit der »AUSSEGNUNG« (1919) [27, 28]
Beide wirkten damit einzeln und autonom als Anthroposophen,
unabhängig von – teils ehemaliger – kirchlicher Tätigkeit
oder Weihe! [29]
Letztlich ist der GANZE ORGANISMUS
des siebenfältigen Sakramentenkreises
überkonfessionell, frei christlich möglich und gegeben! [30]
Ein allgemein-priesterlicher Weg
Rudolf Steiner zeigte mit diesem freien christlichen Impuls
einen freiheitlichen und damit zukunftsgemäßen
und eben auch kultushistorisch weiterschreitenden,
weil kirchenunabhängigen, allgemein-christlichen,
und damit allgemein-(laien-)priesterlichen Weg auf.
Diese Handlungen ermöglichen uns [31]
als (Laien-)Christen und Anthroposophen,
Seinen Auftrag »Gehet hin und taufet …« [32]
zeitgemäß und mündig aufzugreifen:
indem wir unseren danach bittenden Mitmenschen
eben auch sakramental beistehen,
ohne einer spezifischen Konfession anzugehören –
als freie Christen, allein in Seinem Namen,
in Seiner Nachfolge, jedem Geschwister. [33]
Sein und unser Ja dazu kann dann zu einem
intimen Weihe-Sakrament, einer priesterlichen Tat
für den jeweils aktuellen Actus werden,
die der Christus selbst [34]
im Innersten des demütig Strebenden,
unabhängig aller Institution, vollzieht. [35]
Die Frage der Befähigung und Berechtigung
zum sakramentalen Handeln ist hier nun keine mehr,
die andere Menschen oder gar Institutionen
beantworten können und sollen. [36]
Für diesen Impuls ist charakteristisch seine direkte,
allgemein-(laien-)priesterliche, damit urchristlich-universale
und so auch überkonfessionelle Position und Wirksamkeit,
seine Unabhängigkeit von irgendeiner Konfession.
Er bindet allein an IHN
und gehört damit nicht der irdischen Macht-, Besitz-
und Rechtssphäre irgendeiner Institution an.
ER kann Sein Wirken-Wollen in jedem Menschenschicksal
individuell fassen, aus Seiner Höhe –
einer Ebene, auf der der Mensch nicht mehr
in Konfessionen einsortiert sein muss.
Und das ist eine Forderung aus der Zukunft!
Lebendiger Kultus
»Nehmen Sie auch so etwas als einen Anfang hin
und wissen Sie, dass da, wo man in ehrlicher Weise
einen solchen Anfang will,
sich schon auch die Kräfte finden werden
zur Verbesserung desjenigen,
was in einem solchen Anfange gegeben werden kann. (…)
Es wird Ihnen aber gerade an diesem Beispiel klar sein können,
wie überall eben
aus dem Lebendigen heraus
das Kultusartige gesucht werden muss. (…)
Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt
überhaupt nicht geben, sondern es kann nur
das sich im Leben Wandelnde geben.
Das darf man nicht als eine Inkonsequenz betrachten,
sondern als eine Forderung des Lebens selbst.«
Rudolf Steiner [37]
Der lebendige Gott, die Geistige Welt, ist im ständigen Wandel –
gerade in einer durch das unheilvolle Auftauchen
des Antichristen unsicheren Zeit
mit unvorstellbaren Herausforderungen,
einer dramatischen Zäsur
der neuen, wohl alles umwälzenden Jahrtausendwende.
Selbstverständlich wird die Geistige Welt darauf antworten!
Uns entsteht dabei die Frage:
Wollen wir sie weiterhin verstehen und wirksam werden lassen,
wird und muss dann nicht auch die kultische Kommunikation
mit der Geistigen Welt dementsprechend aktuell und als real wahrnehmbar
erfasst werden können?
Wird sich damit logischerweise nicht auch die vor 100 Jahren
(kulturgeschichtlich: 1000 Jahre!?) von Rudolf Steiner
in Worte gefasste Kultusform –
die den damaligen Bedürfnissen, Notwendigkeiten und Möglichkeiten
entsprechend geformt und festgehalten wurde –
wandeln müssen und wollen?! [38]
Ja – es scheint handgreiflich spürbar.
Es müsste dann eine gegenwärtig aktuelle Gestalt
der »Form und des Inhaltes«
der bisherigen, traditionellen Handhabung des Kultus gefunden werden [39] –
gerade wenn es um einen »Kultus der Zukunft« geht.
( Siehe hier S. 23, Rudolf Steiner an René Maikowski. )
Leider stehen wir vor dem Problem,
dass angemessene eigene Einsichten, Erfassungen
und Formulierungen oft noch unzureichend sind.
Bis wir so weit sind, das reale übersinnliche Geschehen
des sakramentalen Aktes selbst zu erblicken
und in Erdenworte fassen zu können,
müssen und dürfen wir dankbar auf die Gabe
konkret formulierter Kultus-Texte eines Eingeweihten,
auf die von Rudolf Steiner vermittelten Fassungen blicken.
Und dabei wird erstaunlicherweise dem kultisch Sensiblen
bald spürbar, dass diesen Texten
auch eine überzeitliche Wesenswirklichkeit,
eine zeitlose Wahrheit,
eine objektive und aktuelle Realität innewohnt.
»Es ist jedes Wort abgewogen, nicht nur so weit,
dass es als Wort da steht, sondern es steht auch jedes Wort
an seinem richtigen Orte und im richtigen Verhältnis
zum anderen Worte.«
Rudolf Steiner [40]
Denn dasjenige, was der Kultushandelnde »hier tut, …
seinen Kultus verrichtet, das hat sein Ursprungsbild
in der anstoßenden übersinnlichen Welt,
wo, während wir hier … den irdischen Kultus verrichten,
der himmlische Kultus verrichtet wird von der anderen Seite,
von den Wesenheiten der anderen Seite des Daseins …
Nur dann ist ein Kultus eine Wahrheit, wenn er diesen realen Ursprung hat.«
Rudolf Steiner [41]
Trotz »geänderter Zeitlage« (R. St.) können wir spüren,
wie in der steinerschen Fassung der Sakramente
immer noch Wirksamkeit und Aktualität stecken.
Und so wirkt diese zeitlose Seite und Wirksamkeit –
die mit einem viel längeren Atem wirkt als unsere kurzatmige Zeit –
dadurch, dass in diesen Fassungen auch heute noch
nur an ganz wenigen Stellen etwas zeitgemäß anzupassen wäre. [42]
Und dennoch stehen wir nicht mehr am Beginn
des 20. Jahrhunderts,
sondern immer wieder neu vor der Notwendigkeit,
den Kultus Seiner konkreten Gegenwärtigkeit und Lebendigkeit
wie auch den Bedürfnissen und Möglichkeiten
der Nachfragenden entsprechend
ein jedes Mal nach seiner Aktualität abzutasten
und in Inhalt und Form demgemäß zu gestalten.
Deshalb kann es für uns keine dogmatisch vorgeschriebenen,
angeblich ewig und für jedermann gültigen
und deshalb unveränderbaren Texte geben,
wie sie in manchen religiösen Gemeinschaften –
so auch in der Kirche Die Christengemeinschaft –
vertreten und gehandhabt werden.
Real und relevant ist für uns
die soziale und spirituelle Konstitution und Orientierung
der heute am kultischen Geschehen konkret beteiligten Menschen:
deren authentische Beziehung mit der Geistigen Welt,
deren tatsächlich vorhandene Impulse, Fragen, Bedürfnisse,
Möglichkeiten und Notwendigkeiten.
Das hatte selbstverständlich auch Rudolf Steiner im Auge
und gab deshalb – für die konkrete Situation damals(!) –
aktuelle Antworten. [43]
Somit sind seine Fassungen immer auch Momentaufnahmen,
Zwischenstationen in der fortschreitenden,
der Gegenwart entsprechenden kultischen Kommunikation
mit IHM, dem sich immer und weiter lebendig Wandelnden.
Ihre grundsätzliche Überzeitlichkeit macht sie
zum Ausgangspunkt für den notwendigen und unvermeidbaren Schritt:
unser fortwährendes Nachtasten der Evolution
des Sakramentalen,
das Erlauschen und Finden der gegenwärtig adäquaten Wortgestalt
des jeweiligen Sakramentes –
auch wenn die dann für notwendig erachteten Anpassungen
nur marginale oder sogar gar keine sind.
Der Christus will – und muss – immer zeitgemäß,
individuell fruchtbar, wirkungsvoll
und vor allem in Liebe wirken – im Jetzt.
Ein entsprechendes Streben wird Er wollen
und inspirieren, begleiten, unterstützen
und selbst lebendig durchdringen:
»… zu der ganzen Menschheit Heil und Glücke.«
(aus der Trauung)
Berechtigung – Weihe?
Was “berechtigt” mich,
innerhalb des »allgemein-("laien"-) priesterlichen« Stromes
grundsätzlich auch sakramental zu handeln?
Generell:
Es ist die TAUFE!
Jedoch nicht die unbewusste »Kinder-Taufe«,
die - lediglich - die Aufgabe eines »Empfangskultus«,
einer Inkarnationshilfe (!), hat,
sondern die mündige, frei ergriffene »Bekenntnis-Taufe«,
d. h. die »Erwachsenen-Taufe«.
Denn selbstverständlich kann ein Kind
keine "priesterlichen" Aufgaben, kein sakramentales Handeln
ergreifen.
Dies kann nur die bewusst aus Freiheit ergriffene Erwachsenentaufe überantworten.
Ich komme als Erwachter IHM entgegen,
und so kann ich mich frei, bewusst und willentlich
zu Ihm bekennen und versuchen,
Ihm eben auch in Seinem (sakramentalen) Handeln
im Alltag Werkzeug zu sein,
mit Seinem Beistand, in Seiner Obhut … aus Seiner Gnade.
Diese eigentliche, "wirkliche" Taufe berechtigt nicht nur
zum sakramentalen Handeln,
ja, sie fordert geradezu dazu auf:
»Gehet hin und taufet …!« (Matth. 28,19).
Und das hat Er nicht zu Kindern gesprochen!
Damit erfüllt sie zugleich jene Funktion,
die im kirchlichen Amtsverständnis der Priesterweihe zugeschrieben wurde.
Eine gesonderte, berechtigende "Priester-Weihe" ist daher
nicht mehr erforderlich.
Die »Neue Taufe« – ja, diese urchristlich gegründete Taufe –
lässt die "alte", exklusiv und hierarchisch vereinnahmte Amts-Priester-Weihe
als klerikales Machtinstrument bei den alten Kirchen,
denen diese konstitutiv einverleibt ist
(mit der Hoffnung, dass "neue Kirchen" damit neu umgehen).
»Frei + christlich« will und braucht
eine geschwisterliche, allgemein-christliche, allgemein-priesterliche,
individuelle Berufung und Verantwortungsübernahme,
die nun endlich wieder und neu auferstehen kann und muss.
»Wer aus der Taufe krochen ist,
der ist schon Priester, Bischof und Papst geweihet!«
Martin Luther
In diesem Sinne wurde mit der Reformation auf breiter Basis
das allgemeine Priestertum eines jeden Christen
wieder prinzipiell postuliert und praktiziert [44]
… auch wenn die das allgemeine Priestertum besonders proklamierenden
evangelischen Kirchen widersprüchlicherweise weiterhin (in der Regel)
die Kinder-Taufe anwenden [45] und damit ihr eigenes Prinzip
konterkarieren [46],
und das mündige, kultische Handeln – vernünftigerweise –
erst im Erwachsenenalter erwachen und wirksam werden kann.
Das Prinzip bleibt aber:
Die Taufe inkludiert die Weihe!
Rudolf Steiner hat für unsere Zeit der auszubildenden »Bewusstseinsseele«
den »freien christlichen« Impuls dementsprechend und zeitgemäß
allgemein- = laien-priesterlich angelegt:
»Jeder Mensch ..werde.. ein Priester!«
(Motto Forum Kultus)
Wenn sich dennoch die Frage
nach einem Wurzelgrund und einem – öffentlich zelebrierten – Manifestationsakt
für ein allgemein-christliches, sakramentales Engagement stellt
oder wenn dieser auch zur Aufnahme in eine bestimmte,
aktive Kultus-Trage-Gemeinschaft führen soll,
ergäbe sich ggf. die Herausforderung,
einen spirituell gegründeten, dies real schildernden,
manifestierenden Text und eine entsprechende Liturgie
zu finden. [47]
Dann verweist uns der Organismus der sieben Sakramente
auf das Sakrament der Weihe
als ein – allerdings – ins Heute zu wandelndes
»Sakrament der Verbindung« [48].
Ist dabei eine Bekenntnistaufe schon erteilt worden,
wird der Tauf-Teil nicht wiederholt, und man braucht nur einen ("Weihe"-)Text,
der auf den sakramentalen Dienst aufmerksam macht,
dazu aufruft und ggf. die mittragende Gemeinschaft mit-
und zustimmen lässt, die den Anfragenden in ihre Runde aufnehmen will.
Dies wäre aber kein Akt der "Berechtigung" (die grundsätzlich durch die Taufe besteht),
sondern der gemeinsamen Zustimmung zur Aufnahme eines neuen Mitgliedes,
einer bestimmten (Kultus-Trage-)Gemeinschaft.
Natürlich kann dies mit bestimmten Prinzipien und Verbindlichkeiten verbunden sein,
die zusätzlich – auch kultisch und liturgisch – zum Ausdruck gebracht werden können,
ob öffentlich oder intern.
Prinzipiell müssen ein jeder Mensch und jede Gemeinschaft
authentisch und autonom die ihnen typischen Wege
suchen, finden, formulieren und gehen.
In einem freien Kultuswesen kann es keine doktrinären Vorschriften
von einer Zentrale "von oben" geben …
Unsere Aufgaben und Möglichkeiten reichen heute tiefer und weiter. [49]
Somit wird sich auch das ändern, was aus dem Alten heraus
dazu befähigte und berechtigte.
Die alte, kirchliche, institutionalisierte Amts-Priesterweihe
als gleichzeitiger Anknüpfungspunkt der Einbindung
in ein hierarchisches »Zwei-Stände-Prinzip« und in eine spezielle Konfession
kann für einen Weg, der einen »ethischen Individualismus« fordert,
der aus der individuellen, authentischen »moralischen Intuition«
(Rudolf Steiner, »Philosophie der Freiheit«) quellt,
heute keine Grundlage mehr sein.
Diametral und unvereinbar mit einem freiheitlichen Prinzip
ist im alten System – wie auch in der Kirche Die Christengemeinschaft –
zudem das »Zwei-Stände-Prinzip«, [50 ] also die Vorstellung
eines angeblich spirituellen Mehrs, eines dem Amtspriester zugeschriebenen
»Character indelebilis« [51], aus dem eine intern-organisatorische
und geistlich-spirituelle Höherstellung des Klerikers gegenüber den Laien
sowie ein inhaltlicher und praktischer Führungsanspruch abgeleitet werden.
Demgegenüber kann und darf die »freie christliche« Bekenntnistaufe = Weihe
niemals von außen dekretiert oder fremdbestimmt werden
oder mit Macht verbunden sein, ... weil es Sein Ja ist.
Sie gründet in der geschwisterlichen LIEBE und der FREIHEIT,
in Seinem Ruf und Seinem Auftrag und Seinem Wirken
in der Tat des Handelnden.
Deshalb wird dieser freie christliche Impuls
schwerlich institutionalisiert werden können,
weil er immer ein individuelles und autonomes Ergreifen bleibt.
Die neue, zukunftsweisende "Weihe"
im Zeitalter der Bewusstseinsseele wird ein individuelles Werden,
ein intimer Prozess der Kommunikation mit IHM sein.
Sie ist ein fortwährendes Weiterschreiten
hin zu meinem Bekenntnis, zu meiner Bekenntnistaufe,
zu meinem Jünger-Werden.
Dieser Weg wird dann ggf. in der angeforderten sakramentalen Tat
eine jeweils aktuell wirkende, geschwisterliche, pfingstliche Weihe [52],
ein immer wieder herunterflammendes Tat-Sakrament,
ein Sakrament der direkten »Verbindung« sein.
Er verbindet sich dann jeweils mit meiner aktuellen Kultus-Tat,
weil ich Seinen Willen »Gehet hin und taufet …«
in Liebe und für Ihn ausführe.
So kann Er Werkzeuge finden, die Ihm selbstlos und verbindlich zur Verfügung stehen
und somit Antwort geben auf die Fragen und die Not der Geschwister …
in den Hoch- und Notzeiten des Lebens.
Diese "Weihe" ist keine zertifizierte, keine einmal verliehene
und dann lebenslang wirksame, die jederzeit automatisch
(unabhängig von der Würdigkeit des Spenders) durch sich selbst
das gespendete Sakrament wirksam werden lässt –
»ex opere operato« (»aus der vollzogenen Handlung«) –,
sondern ein »ex opere operantis«-Geschehen (»aus dem Werk des Wirkenden«).
Verschiedentlich kommt der Einwand:
Woher weiß ich denn, ob der Handelnde in Seinem Namen handelt,
ob Christus in und durch ihn wirkt?:
»An ihren Taten / an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!«
Ob ich dieses Handeln dann alleine oder mit anderen
in und aus einer Gemeinschaft aufgreife,
ob ich dies einmalig oder mehrfach oder immer tue,
ob ich nur ein bestimmtes Sakrament ergreife
oder mehrere oder alle … [53]
das liegt ganz in meiner Freiheit.
ER frägt mich – durch die Geschwister – und ich antworte, [54]
ehrlich, authentisch und wahrhaftig,
nach meinen Möglichkeiten.
Denn wie sich Christ-Sein und insbesondere ein freies christliches,
sakramentales Handeln jeweils subjektspezifisch und konkret gestaltet,
wie es erarbeitet und angeboten wird, kann nicht herbeispekuliert
oder vorgeschrieben werden;
das können und müssen allein die Betroffenen individuell
in aller Freiheit selbst erlauschen, erbitten, bestimmen,
in innerer Zwiesprache mit IHM.
Aber auch die konkrete Nachfrage wird das Angebot realistisch regeln [55],
und dabei geht es natürlich nicht um Quantität! [56]
Gott offenbart sich in einer Vielfalt, die er sich nicht
durch die Dogmatik irgendeiner speziellen Gemeinschaft
oder Weltanschauung einschränken lassen wird.
Wir können Ihm überall begegnen [57],
weil JCh es will,
ob individuell allein oder im gemeinsamen Wollen
in einer Gemeinschaft.
Des Weiteren stellt sich die Frage,
wo neben dem liturgischen, kultischen Dienst
der seelsorgerische und soziale Einsatz bleibt,
die Liebe und Fürsorge füreinander;
denn auch diese Aufgaben gibt ER uns. [58]
Aber das ist noch nicht alles.
Neben der Sorge für und um den Mitmenschen
kommt diejenige, die der ganzen Schöpfung entgegengebracht wird;
und so wird Christ-Sein letztlich sogar auch politisch.
Christ-Sein umfasst eben alle Lebensbereiche …
Jedem seinen Weg,
an seinem Platz, auf seinem Kreuzweg,
in der Liebe und somit auch der Toleranz
zum – vielleicht auch ganz anderen – Weg des DU.
Und es gibt viele Wege zu und mit Ihm …
Denn selbstverständlich ist die Menschheit
auch religiös vielseitig und benötigt entsprechend
viele und unterschiedliche Wege!
Es geht also nicht um DEN "allein selig machenden" Weg!
Es geht um IHREN Weg mit IHM!
Rechenschaftspflichtig sind Sie nur IHM …!
Doch was sollen letztlich diese spirituellen Verrenkungen,
die noch den Nachwehen einer amts-katholischen Dogmatik entspringen?
Müssen wir uns denn gegenüber irgendeiner Kirche rechtfertigen
oder um deren Zustimmung heischen?
Zwei Strömungen
So können diese universalen steinerschen Fassungen
auch unterschiedlichsten Perspektiven und Menschengruppen,
d. h. »verschiedenen Lebenszusammenhängen« (R. St.), dienen.
So sah das auch Rudolf Steiner,
und deshalb konnte er, als und weil er gefragt wurde, "erneuerte" Sakramentstexte
– überwiegend sogar wortgleich(!) [59] – problemlos auch zwei ganz wesens-
und aufgabenverschiedenen Strömungen geben:
• allgemein- / (nicht-)priesterlich [60]:
kultushistorisch weiterschreitend
zum allgemeinen Priestertum des Christenmenschen,
als überkonfessionell, »allgemein in die Menschheit hineingestellt« [61]:
1. individuell: kultisch engagierten Anthroposophen,
2. institutionell: in Verantwortung der interreligiösen Anthroposophischen Gesellschaft
für die Waldorfschulen und heilpädagogischen Heime.
Dann aber auch – diametral dazu,
weil es »Bevölkerungskreise gibt, die nicht innerhalb
der anthroposophischen Bewegung stehen« [62, 63]
bzw. speziell kirchliche Wege suchten – :
• kirchlich / amts-priesterlich:
in traditioneller Weise, konfessionell durch die –
von insbesondere evangelischen Theologen und Anthroposophen
mit Steiners "privater" [64] Hilfe begründete – Kirche Die Christengemeinschaft.
Trotz entgegengesetzter Aufgaben
forderte Rudolf Steiner dazu auf, es als »lehrreich« [65]
zu betrachten, dass dennoch und prinzipiell
die gleichen Kultustexte als »Ausdruck verschiedener Lebenszusammenhänge«
verwendet werden können! [66]
Denn der übersinnliche Hintergrund, die geistig ablaufenden Vorgänge,
die mit den Sakramenten geschehen, sind die gleichen;
auch wenn bestimmte Sakramente – wie das Zentralsakrament oder die Weihe
– die der Strömung entsprechenden spezifischen Aufgaben und Positionen aufgreifen,
deutlich machen und darstellen.
»Gott hört und versteht alle!«
Wir sind es, die nur eine bestimmte Kultussprache sprechen!
Deshalb braucht der eine zur Vermittlung nur des Bruders Stimme,
einem anderen aber muss ER durch einen geweihten Priester sprechen und handeln.
»Wer Ohren hat, der höre!« (Jesus)
Die Geistige Welt macht keinen Unterschied,
ob ein Sakrament allgemein-priesterlich oder amts-priesterlich ausgeführt wird!
Somit ist zwar jeweils der reine Primärtext der Sakramente
(fast) der gleiche – alles andere aber oft vollkommen anders! [67]
Während die »Schulhandlungen« in den Freien Waldorfschulen
und heilpädagogischen Heimen seitdem bis heute treu gehalten werden
(allerdings seit einiger Zeit immer weniger Zuspruch finden
und oft genug überhaupt nicht mehr stattfinden),
war es schon bald fast unmöglich, die außerschulischen,
freien Sakramente – insbesondere Taufe, Trauung, Bestattung –
zu wählen, zu empfangen bzw. zu spenden; [68]
denn Die Christengemeinschaft bestand auf einem Monopol
für diese von Rudolf Steiner gefassten Sakramente …
und errang damit die Meinungshoheit
innerhalb der anthroposophischen Bewegung.
Probleme mit der Kirche
»Die Christengemeinschaft«
Der freie christliche Weg wurde von Rudolf Steiner
als der »spezifisch anthroposophische« charakterisiert.
Doch er verband auch große Hoffnungen und Sympathien
mit der Kirche Die Christengemeinschaft:
nämlich als eine (für die AG notwendige) Vorschule
zur Anthroposophie für diejenigen, die durch ihre kirchliche Stimmung
(oft aus karmischer Verbundenheit und Anknüpfung) einen direkten Weg
in die Anthroposophische Gesellschaft noch nicht finden konnten oder wollten.
Umso größer war später die Enttäuschung …
Denn schon bald nach deren Begründung platzten Illusionen,
entstanden unerwartete Probleme und Konflikte:
Innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vermissten nämlich
viele Mitglieder die Ausbildung der religiös-sozialen Mitte –
bis hin zum praktischen, kultischen und damit auch konkret
sakramentalen Handeln für die Hoch- und Notzeiten des Lebens.
Dieses Handeln wurde lediglich eine kurze Zeit von Schuster und Ruhtenberg
relativ unbekannt im kleinsten Kreis gepflegt, aber nie als eine eigene
und erst recht nicht als eine gemeinschaftsbildende Aufgabe
innerhalb der anthroposophischen Bewegung erkannt, gewollt und ergriffen.
Mit der Begründung einer aus den Erkenntnissen der Anthroposophie heraus
esoterisch, kultisch, liturgisch »erneuerten Kirche« vermeinten nun
viele Anthroposophen, endlich die Antwort – und zwar sogar
"von Rudolf Steiner selbst" – bekommen zu haben:
eine zeitgemäße religiöse Heimat, eine Kirche für die Anthroposophen. [69]
Dem aber widersprach auch Rudolf Steiner –
wenngleich relativ erfolglos – in eindringlicher Weise
in einem Vortrag am 30.12.1922:
Die Christengemeinschaft sei als eine ganz eigenständige Kirche
gerade für diejenigen gedacht, die außerhalb
der anthroposophischen Bewegung stünden, [70]
als eine »Bewegung für religiöse Erneuerung«,
die zwar einen aus der spirituellen Tiefe der Anthroposophie
geschöpften Kultus zu pflegen habe,
aber in jeder Hinsicht eine autonome Kirche sein solle;
allerdings für die Menschen, die gerade nicht bereits
in der interreligiösen Anthroposophie stünden.
»Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft
gefunden haben, brauchen keine 'religiöse Erneuerung'.« [71]
Denn die Anthroposophische Gesellschaft
ist als eine »interreligiöse«, geisteswissenschaftliche Forschungsstätte,
eine Gemeinschaft nach objektiver Geisterkenntnis Strebender, zu verstehen,
völlig unabhängig von der Religion oder Konfession des Suchenden.
Eine spezielle Religion, Konfession oder eine "Kirche der Anthroposophen"
gibt es nicht und kann es nicht geben,
denn das ist »Privatsache« jedes Einzelnen! [72]
Jedem seinen Weg!
Statt sich überstürzt einer "anthroposophischen Kirche" zuzuwenden,
hätte die Frage sein sollen:
Wie müsste prinzipiell ein eigenes, »spezifisch anthroposophisches« –
also überkonfessionelles, individuell orientiertes –
Kultus-Angebot aussehen?
Wie könnten wir dieses gestalten?
Die Tragik war: Es gab den Weg.
René Maikowski stellte Rudolf Steiner die Frage
und bekam die Antwort:
Es müsse eine »Fortsetzung in Inhalt und Form« sein,
was er mit der Opferfeier gegeben habe;
also ein freier christlicher = überkonfessioneller
und damit spezifisch anthroposophischer Weg.
Doch diese Mitteilung fand keine Verbreitung,
und durch Steiners frühzeitigen Tod waren weitere Nachfragen
nicht mehr möglich …
Wieder blieb ein Impuls unaufgegriffen und ein Fragment.
Stattdessen rekrutierte Die Christengemeinschaft ihre Mitglieder
– bis heute – maßgeblich aus der Anthroposophen- und Waldorfszene.
Außerhalb dieser blieb sie relativ erfolglos und (quantitativ) »fruchtlos«, [73]
statt – wie erhofft – als dritte Kraft zwischen den Staatskirchen
spirituell offenen, suchenden Menschen eine freiheitliche und esoterisch
und kultisch vertiefte Alternative und Erneuerung zu bieten,
die dann sogar die Kirchen ablösen würde. [74]
Die Christengemeinschaft wurde dadurch faktisch
zur Anthroposophen-Kirche und für – viel zu viele – potenziell Interessierte
befremdlich, exklusiv und für Außenstehende
und für die Öffentlichkeit zur »Sekte« (Neudeutsch: »Sondergemeinschaft«).
Die Klarstellungen Steiners erreichten die Anthroposophen
nur ungenügend, weil u. a. zu spät (und teils gar nicht) [75] und verpufften. [76]
Die Folgen der u. a. nicht ausgebildeten Mitte
traten schon bald nach Steiners Tod zutage:
Die Anthroposophische Gesellschaft wurde in dramatischer Weise
verdunkelt und gespalten. [77]
Seither wurde ein freier christlicher, spezifisch anthroposophischer,
sakramentaler Weg außerhalb der »Schulhandlungen« (seitens eines Großteils
der Anthroposophenschaft, die nun zusätzlich Mitglieder der Kirche
Die Christengemeinschaft geworden waren, und verständlicherweise
seitens der Kirche Die Christengemeinschaft) tabuisiert
und bis heute relativiert, kategorisch abgelehnt und verschwiegen. [78]
So waren eine verwirrende Uninformiertheit und damit eine tragische Unmündigkeit
und Inaktivität gegeben, durch die man als durchschnittlich informierter Anthroposoph
von einem freien christlichen, anthroposophisch sakramentalen Weg [80, 81],
von Ruhtenberg, Schuster und Geyer, von einer freien Taufe, Trauung, Bestattung
nichts mehr hörte und wusste. [82]
Monopolanspruch
So konnte Die Christengemeinschaft nun auch unangefochten
den Anspruch erheben, allein für ein anthroposophisch sakramentales Handeln
mit den von Rudolf Steiner erfassten Sakramentstexten zuständig zu sein; [83, 84]
ja sogar behaupten,
dass diese universalen Texte – die zuvor der freie christliche Impuls
prinzipiell überkonfessionell erhalten hatte – nun an sie, in ihren konfesionellen »Besitz«, übergegangen seien. [85]
Ein freies christliches Handeln außerhalb der Schulhandlungen
wurde damit als eingestellt, überflüssig und dann gar als unberechtigt, destruktiv
und schließlich als Sakrileg dargestellt und die danach als "Nicht-Geweihte" Strebenden
als Häretiker und der Hybris verdächtigt.
Bis heute gibt es seitens der Kirche Die Christengemeinschaft (von höchster Ebene)
kein Zugeständnis gegenüber den »freien christlichen« Anthroposophen
für ein eigenes sakramentales Handeln. [86]
Für Außenstehende unfassbar ist, dass der Großteil
der Anthroposophen diesem monopolistischen Streben
und dem Urteil einer Interessensgruppe scheinbar ziemlich uninformiert
und (deshalb) uninteressiert zustimmt.
Problematisch wird es, wenn dadurch das Handeln anderer Christengeschwister,
anderer Strömungen bzw. Gemeinschaften nicht nur für unberechtigt erklärt wird,
sondern man sich auch für deren Kultus- bzw. Sakramentstexte nicht nur
für zuständig hält, sondern auch als deren "Eigentümer" betrachtet. [87]
So verfährt Die Christengemeinschaft gegenüber uns, d. h. dem »Forum Kultus«
(als dem momentan einzig öffentlich wirkenden Impuls für ein »freies christliches«,
sakramentales Handeln) …
Dieser Monopolanspruch, den man seit Jahren – immer wieder auch öffentlich –
vertritt [88] beinhaltet, dass allein 'von der Christengemeinschaft
geweihte Priester' (also praktisch nur sie selbst) berechtigt und befähigt seien,
die von Rudolf Steiner vermittelten Sakramente (bis auf die direkten Handlungen
der Waldorfschulen und den heilpädagogischen Heimen [89]) wirkungsvoll
anwenden zu können und zu dürfen,
weil ihr diese von Rudolf Steiner »übergeben«, »eingestiftet« etc.
worden wären und somit nun Besitztum der Kirche Die Christengemeinschaft seien. [90]
Warum dieser Monopolanspruch?
Obwohl dem von verschiedenen und gewiss auch kompetenten Seiten
widersprochen wird, scheint diese Widersprüchlichkeit
nicht nur unreflektierte Uninformiertheit, sondern vor allem Ausdruck des Anspruches
auf Deutungshoheit und eines Machtanspruches eines anscheinend
systeminhärenten, elitären Priester- bzw. Sendungsbewusstseins
und einer Realitätsverweigerung dieses »erneuerten« Priestertums zu sein?
(Ehemalige Priester / Seminaristen berichten immer wieder davon. [91])
Das dahinter liegende Tragische daran:
Nicht nur, weil frei christlich handelnde Anthroposophen unberechtigt
handelnde Nicht-Geweihte seien
(und die Geistige Welt nur geweihte Priester akzeptiere) –
die Antwort ist dramatischer (und traumatisch und systematisch verdrängt):
Geht es um die Existenz der Kirche Die Christengemeinschaft?
Denn die vorgesehene Klientel – kritische und spirituell suchende Kirchenchristen,
die ihren Weg noch nicht direkt zur Anthroposophie finden – kam nicht ...
und kommt bis heute nicht!
Und so blieb und ist Die Christengemeinschaft auch heute immer noch
eine – leider – unbedeutende »Sondergemeinschaft«,
die ohne die Anthroposophen- und Waldorfszene
(aus der fast die gesamte Mitgliedschaft stammt [92])
quantitativ nicht existieren könnte bzw. gar nicht mehr existieren würde.
Und deshalb:
»… weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen
Bekenner zu finden, nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe
der Anthroposophen macht.
Dadurch wird aber ein Unmögliches getan.«
Rudolf Steiner [93]
Das wurde verschiedentlich – intern und tragisch so ausgedrückt:
»Es kommt sonst keiner.« [94]
Somit wäre es für Die Christengemeinschaft problematisch,
wenn "die Anthroposophen" sich kultisch selbstständig machten
und abwanderten, indem sie einen speziell ihnen wesensgemäßen,
»spezifisch anthroposophischen« Kultus – zumal mit sogar
den gleichen Kultustexten (!) und dazu auch noch kultushistorisch
fortgeschritten – aufgreifen würden
und Die Christengemeinschaft "nicht mehr bräuchten".
Die Befürchtung ist, dass dies massiv Mitglieder abziehen
und die bisherige Monopolpolitik sowie das unter diesem Schutzschirm
entstandene exklusive Dasein existenziell infrage stellen würde.
Die traditionellen Kirchen sind für die anthroposophische Szene
in der Regel keine Alternative und stellen somit auch für
Die Christengemeinschaft keine Konkurrenz dar.
Das anthroposophisch gesinnte Klientel muss sie sich aber erhalten,
denn außerhalb davon finden sich auch heute real fast keine Anhänger [95];
dort ist man meist als »anthroposophische Sekte«
oder »Anthroposophen-Kirche« etikettiert, abgelehnt oder gar ignoriert.
Doch gerade die Anthroposophen wollte auch Rudolf Steiner – in der Regel –
nicht in der Kirche Die Christengemeinschaft,
und er machte klar:
»Wenn diese Voraussetzung (dass die Anthroposophen
die Ausnahme in der Kirche Die Christengemeinschaft sind)
nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge
die Bewegung für religiöse Erneuerung (Die Christengemeinschaft)
niemals entstanden.
Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen,
dass es notwendig ist, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse:
dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse,
dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb
der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen …
dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung
für religiöse Erneuerung nach allen Richtungen in Kreisen wirkt,
die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.«
Rudolf Steiner [96]
Das wurde – erschütternderweise – nicht erreicht …
Und damit sitzt man fatalerweise in einer Zwickmühle …
Beide Seiten – die Kirche Die Christengemeinschaft
und die Anthroposophische Gesellschaft –
haben ihre Aufgaben nicht erfüllen können …!
So versucht man – notgedrungen –, ein Monopol aufrechtzuerhalten,
das durch eine jahrzehntelang herrschende Tabuisierung und Uninformiertheit
der Mitglieder (der CG wie auch der AG) entstanden ist.
Um den Status quo zu erhalten, darf man sich nicht wundern,
in öffentlichen Verlautbarungen (immer wieder) dementsprechend
einseitige, zweckdienliche und leider immer wieder auch irreführende,
ja verschiedentlich auch diffamierende und unrichtige Informationen zu finden …[97]
Obwohl Anthroposophen als freie Christen in der Kirche
Die Christengemeinschaft keine Konkurrenz sehen,
sind sie es scheinbar für Die Christengemeinschaft.
Eine Tragik, die hier nicht weiter vertieft werden soll … [98, 99]
Sollten und könnten wir aber nicht heute – am Beginn eines neuen Jahrtausends
und nach der Veröffentlichung des gesamten Werkes Rudolf Steiners –
nun endlich den Mut finden, die Freiheit des Christenmenschen ernst zu nehmen,
uns über alte Vorurteile und Blockaden hinwegzusetzen,
unsere spezifisch anthroposophische und christliche Aufgabe zu erkennen
und den kultushistorisch notwendigen
und möglichen Schritt auch konkret zu ergreifen?
Wer und was hindert uns?
Angst vor Diskreditierung durch unsere Christengemeinschafts-Freunde?
»Aus dem Ernst der Zeit muss geboren werden der Mut zur Tat!«
R. St.
Freie christliche Initiative
So antworten seit Pfingsten 1996 kultisch engagierte und interessierte,
kirchenunabhängige Anthroposophen
auf die Fragen der Mitgeschwister
und arbeiten als ein IMPULS (!) [100]
– der spirituellen Authentizität, Gewissenhaftigkeit, Qualität
und dem »freien christlichen« Geist
(und ja, auch Rudolf Steiner gegenüber) verantwortet,
konzentriert im bewusst kleinen Kreis –
autonom, aber dennoch öffentlich und für jeden konstruktiv Interessierten offen,
an den Fragen der inneren und äußeren Realisierung
des Lebens mit den freien christlichen Sakramenten;
auch wenn das Interesse an Kultus-Fragen
in der Anthroposophischen Gesellschaft und -Bewegung zwar vermehrt auftritt,
insgesamt jedoch quantitativ (noch?) relativ unbedeutend ist ("man hat ja Die Christengemeinschaft") …
Die quantitative Zustimmung ist nicht Ziel dieses Impulses,
sondern das einzelne, individuell ergriffene,
geschwisterliche, konkrete Engagement:
die Bereitschaft, den Geschwistern in den Hoch- und Notzeiten des Lebens
auch sakramental zur Verfügung zu stehen
und Christ-Sein authentisch und aus der eigenen moralischen Intuition
eines gelebten ethischen Individualismus heraus zu gestalten,
aus der überkonfessionellen, freiheitlichen Quelle
der Anthroposophie Rudolf Steiners. [101, 102, 103 ]
Das ist möglich, und das wird – z. B. hier im Forum Kultus –
erarbeitet, versucht und praktiziert …
Denn die Zukunft muss heute gesät werden!
So wirken z. Z. überkonfessionell (also nicht nur für die
anthroposophische Szene, sondern für jeden Suchenden!)
und allgemein und besonders in die Ökumene hinein:
+ das »FORUM FREIER CHRISTEN«;
und speziell für die anthroposophische (!) Perspektive
+ das »FORUM KULTUS«
als eine
»Initiative für ein freies,
anthroposophisch + sakramental vertieftes Christ-Sein heute«.
Für die liturgische Praxis und vor allem als spirituelle Gemeinschafts-Trageschale
der von Rudolf Steiner vermittelten
sieben Sakramente soll die
+ »INITIATIVE FREIE CHRISTLICHE ARBEITSGEMEINSCHAFT« wirken;
die anthroposophischen und kultischen Grundlagen
wurden ehemals im
+ »ARBEITSKREIS ZU FRAGEN ANTHROPOSOPHISCH SAKRAMENTALEN HANDELNS«
(zuvor »Initiativ-Kreis Kultus«, mit Arbeitstreffen
in Unterlengenhardt, dann Salzburg) erarbeitet.
Dabei muss betont werden, dass "wir" auch nur ein Kreis
der momentan verschieden aktiven Persönlichkeiten
und Initiativen sind – und so soll und muss es sein!
Denn wir wollen keine Monopole,
sondern – als ein IMPULS! –
selbstverantwortlich, individuell aktiv werdende freie Christen;
Anthroposophen, die sich zum geschwisterlichen, allgemein-priesterlichen
und somit auch sakramentalen Dienst persönlich aufgerufen fühlen!
Es geht um einen Freiheitsimpuls, und der ist individuell;
auch wenn man sich für dieses Handeln zusammentun kann,
um einen ganz spezifischen Weg – auch gemeinsam und verbindlich – zu gehen,
um den Impuls auch real zu erden,
zu organisieren, aufgreifbar und effektiv zu machen …[104]
aber immer aus und in Freiheit …
Und natürlich gibt es nicht nur innerhalb der anthroposophischen Bewegung
kirchenunabhängig Wirkende und freie Wege! [105]
Und so kann es auch nicht darum gehen, andere auf die
für uns relevanten Fassungen und Sichten Rudolf Steiners
oder auf ganz bestimmte Sakramente festlegen zu wollen,
ebenso wenig darum, "alle Anthroposophen" nun auf einen »freien christlichen« Weg
hinzuweisen bzw. zu verpflichten!
Jede freie christliche Sakramentenspendung ist ohnehin grundsätzlich
ein jeweils individuell und neu zu erringendes Ereignis.
Entsprechend den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Einsichten der Zelebrierenden
wie auch der Empfangenden muss dieser Akt
immer wieder neu geschaffen werden.
Es ist ein Geschehen, dem ein doktrinäres Festhalten
an einzelnen Wörtern eines »einmal gegebenen Wortlautes«,
eines unveränderbaren Textes, [106] einer für alle Individuen und alle Ewigkeit
gegebenen Form ("Rasenmäherprinzip") widersprechen würde.
Wie sollte sich sonst die reale Lebendigkeit der individuellen Beziehung
des Empfangenden zur geistigen Welt
und Freiheit im Sakramentalen wahrhaft äußern?
Christen-Gemeinschaft?!
»Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen,
da bin JCh mitten unter ihnen.« [107]
Gerade die Sakramente entstehen und leben natürlich besonders
in und aus der lebendig gelebten Christus- und Christen-Gemeinschaft,
sodass Hoffnung auf Seinen Beistand bestehen darf.
Denn trotz aller individuellen Verantwortung und Autonomie
ist ja nicht die Frage ausgeschlossen – im Gegenteil –,
ob nicht prinzipiell auch diesem »freien christlichen«, frei gehandhabten Kultus
eine Trage- und Verantwortungs-Gemeinschaft zuträglich wäre
(wie z. B. – siehe oben – die »Initiative, freie christliche Arbeits-Gemeinschaft«):
eine Gemeinschaft, die dem Kultusimpuls und dem Praktizierenden
einen geschützten Raum und IHM eine besonders vorbereitete,
qualifizierte, verlässlich treue Schale bietet,
die zum Konzentrations- und Kraftort auf dem gemeinsamen Weg
Ihm entgegen wird. [108]
Auch hier wird es um zeitgemäße Impulse gehen,
und auch hier können wir Anregungen aus der Anthroposophie,
von Rudolf Steiner, bekommen. [109]
Dabei kann und soll es ohne Weiteres viele verschiedene
solcher autonomer Kultus-Aktiv-Räume geben,
entsprechend den individuellen Bedürfnissen
und Möglichkeiten der Tragenden!
Denn es geht ja gerade nicht um (wieder) eine zentrale
(= kirchliche) Struktur, um eine »neue Kirche«, ein »Kontroll- und Machtzentrum«,
um »neue personelle oder institutionelle Hierarchien«, [110]
sondern um einen jeweils individuell, authentisch und geschwisterlich geprägten
kultischen Freiheits-»IMPULS«,
um entsprechend empathisch wirkende, autonome, dezentrale,
freie Such-, Schul- und Tat-Gemeinschaften,
die ggf. in einem NETZWERK gleichberechtigte
(und sinnvollerweise auch dreigegliederte [111])
Wahrnehmungs- und Verwirklichungsforen bilden:
Anthroposophen-Gemeinschaften, die auf die Not,
die Nachfragen ihrer Mitgeschwister auch kultisch, sakramental antworten.
Damit stehen wir vor den Forderungen
zeitgemäßer Sakramente:
entsprossen aus und nur möglich in Freiheit und Liebe …
aus der Erkenntnis und Tat der Bewusstseinsseele
in einem dramatischen Michael-Zeitalter …
Natürlich kommt es auch hierbei nicht auf die Quantität,
auf eine Massenbewegung, sondern auf die intime, wahrhaftige Qualität,
Authentizität, auf die gelebte Realität
der vom Zeitgeist geforderten und praktizierten individuellen Tat an;
damit ER in Seinem Weiterschreiten Werkzeuge und Oasen
in der Wüste einer immer atheistischeren Zeit vorfindet …
Ob und was und wie etwas geschieht,
ob ER die Sakramente als not-wendende, heilende Arznei einbringen kann,
liegt also – auch – bei Ihnen …
Antworten Sie, wenn Fragen kommen
… es ist ER, der Ihnen entgegenkommt …!
Veröffentlichung
In jeder Hinsicht sind für die kultische Arbeit
die hier zusammengestellten originalen Sakramentstexte Rudolf Steiners
ein not-wendiges Werkzeug und ein hohes, unschätzbar wertvolles
und deshalb zu schützendes Gut.
Weil dieses dem suchenden Menschen nicht vorenthalten werden darf,
hat die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung
auch alle steinerschen Sakramentstexte veröffentlicht. [112]
Dennoch ist ihr Schutz möglich.
Er liegt – zeitgemäß – nicht mehr in der Zurückhaltung der gedruckten Texte,
sondern im nötigen Schwellenübertritt:
im intimen Prozess der Verwirklichungs- und Wandlungskraft
der Handlung selbst als Gemeinschaftstat, im Offenbarwerden Seiner Anwesenheit,
im Erleben der Vereinigung mit Ihm,
ja in meinem sozialen, moralischen, tatsächlichen Liebeshandeln …
in der Nachfolge Christi … und letztlich in Seiner Gnade.
Wem der Durchbruch zu dieser Realitätsebene nicht gelingt,
dem bleiben auch der Text und selbst die Handlung
nur unwirksamer und unverständlicher "Schall und Rauch".
Wer diese Sprache nicht versteht, wird mit ihr nichts anfangen,
damit spirituell nicht kommunizieren und keine wirkungsvolle Handlung
vollziehen können und wollen …
… und wer sie missbräuchlich benutzt, wird sich selbst
in seinem JCh und karmisch schaden.
ER wird sich also weiterhin nur dem demütig Strebenden,
Wahrhaftigen, Würdigen enthüllen!
Weiter?
Gerade die verschiedenen und leider kontrovers
zueinander stehenden Möglichkeiten christlich-sakramentalen Handelns –
schon allein innerhalb der anthroposophischen Bewegung –
harren einer individuell intensiven Erarbeitung,
verlangen größte Freiheit, Toleranz und Sensibilität
und verweigern sich einer dogmatischen Behandlung.
Mit der Herausgabe der Zusammenstellung der »freien christlichen« Sakramente,
der Begründung verschiedener Arbeitskreise
und freier christlicher, sakramentaler Aktivität
und selbst mit der zusammenfassenden »Gesamtausgabe« [113]
und auch dieser Website
sind die Fragen an solch eine Thematik natürlich noch nicht abgeschlossen. [114]
Noch fehlt der Geistigen Welt das Wesentliche:
IHRE Tat,
um auch für die kultische Praxis einen überkonfessionellen, pfingstlichen Weg
allgemein und konkret real zu ermöglichen … überall und jedem, der ihn sucht.
So notwendig »die heilende Arznei, das Sakrament« auch ist –
wenn wir aber heute nicht wach werden und handeln
und nicht auch im christlich-sakramentalen Wirken Freiheit säen,
nicht unsere kultushistorische Verantwortung aufgreifen,
wird morgen keine Ernte möglich sein …
Dann haben nicht nur wir …
dann hat auch Gott vor und für die Menschheit versagt …
(nach Dag Hammarskjöld)
… wie tragisch, wenn Sein Werkzeug
nicht willig zur Verfügung steht …
Die Zukunft beginnt mit unserer Tat heute!
Wir wollen das uns Gegebene und Mögliche dazu beitragen,
dass die Freiheit des Christenmenschen –
mit einem allgemein-priesterlichen, individuellen,
authentischen, sakramentalen Handeln, frei + christlich –
aktuell im Zeitalter der Bewusstseinsseele
endlich auch praktisch aufgreifbar wird …!
Wird es gelingen? … nur mit Ihnen zusammen! …
»Gehet hin … JCh bin bei Euch alle Tage!«
Herzlich Ihr
Volker David Lambertz
im Forum Kultus
Initiative für ein freies,
anthroposophisch + sakramental vertieftes
Christ-Sein
heute
_____________________________________________________________________________________
ENDNOTEN
1 Siehe »Vorab«, S. 762.
2 – Martin Luther, »An den christlichen Adel …«, 1520;
– Wikipedia, Eintrag »Martin Luther« (per 22.04.2026).
3 – Hella Wiesberger, GA 265, S. 19.
4 – Rudolf Steiner, 09.10.1918, GA 182.
5 – Rudolf Steiner, zitiert nach Hella Wiesberger, GA 265, S. 22.
6 – Rudolf Steiner, 09.10.1918, GA 182.
»Der Christus hat einmal gesagt:
‚Ich bin bei euch bis ans Ende der Erdentage‘ […]
Und eine Zeit, in der das der Fall wäre, wäre trotz aller materiellen Kultur
eine Zeit, schlimmer als eine solche der Barbarei.«
- Rudolf Steiner, GA 34, S. 273 ff.
8 – Rudolf Steiner, »Leitsätze«.
9 Siehe Rudolf Steiner, »Die Philosophie der Freiheit«.
10 »Anthroposophie als Wissenschaft vom Übersinnlichen
und die Anthroposophische Gesellschaft als deren Gemeinschaftsträger
sollten nicht an ein bestimmtes Religionsbekenntnis gebunden sein,
da die Anthroposophie ihrem Wesen nach interreligiös ist.
(Es gibt Anthroposophen aus allen Religionen. VDL)
Auch ihre zentralste Erkenntnis, die Erkenntnis von der Bedeutung
des Christus-Geistes für die Menschheits- und Erdenentwicklung,
beruht nicht auf derjenigen der christlichen Konfessionen,
sondern auf der Einweihungswissenschaft, aus der alle Religionen
einmal hervorgegangen sind.
In diesem Sinne charakterisiert er (Rudolf Steiner) es einmal
als einen ‚Grundnerv‘ der geisteswissenschaftlichen Forschungsaufgaben,
den allen Religionen gemeinsamen übersinnlichen Wahrheitsgehalt
herauszuarbeiten und dadurch 'gegenseitiges Verständnis der einzelnen
aus den Initiationen hervorgehenden religiösen Strömungen über die Erde zu bringen.'
(– Rudolf Steiner, 23.04.1912, GA 133, S. 61 ff.)
Daraus ergibt sich als logische Folge, dass von der Anthroposophie
her gesehen praktische Religionsausübung innerhalb einer Konfession
Privatsache des Einzelnen sein muss.
Das findet sich auch in den Statuten der Gesellschaft von Anfang an ausgedrückt.«
– Hella Wiesberger, GA 265, S. 14.
11 Das Prinzip Rudolf Steiners:
»Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, dass durch dich
in keines Menschen freien Willensentschluss eingegriffen wird.«
– Rudolf Steiner, GA 10, S. 22.
12 Die 1922 nach Rudolf Steiners Ratschlägen – mit insbesondere
dem evangelischen Theologen und Anthroposophen Friedrich Rittelmeyer
(als deren erstem »Erzoberlenker«) – begründete Kirche »Die Christengemeinschaft«,
mit dem Untertitel »Bewegung für religiöse Erneuerung«;
in Deutschland als »Körperschaft des öffentlichen Rechts« anerkannt
(im Folgenden: CG), mit - von ihr selbst - »geweihten Priestern«.
– GA 342–345 (siehe auch: www.Christengemeinschaft.org).
Die CG versucht (evangelische) Freiheit und (katholische) Sakramentalität
in einer »erneuerten« Kirche zu vereinen und durch die Anthroposophie
spirituell zu vertiefen.
Sie behielt aber das kirchentypische, hierarchische »Zwei-Stände-Prinzip«
(Kleriker vs. Laien) bei, mit der alleinigen, absoluten Zuständigkeit des Priesters
in allen Angelegenheiten des Kultus, zudem kultisch die alte »indirekte Kommunion«,
und konterkarierte damit eine »erneuerte Kirche«.
Eine »Erneuerung« war das nicht, trotz der Fortschritte in der (theoretischen)
Lehrfreiheit der Priester (in den Grenzen der eigenen CG-Dogmatik),
der (ebenso auch in anderen Kirchen praktizierten) Frauenordination,
wie auch der Verzicht auf ein Zölibat.
Durch die exklusive, letztendliche Zuständigkeit des Priesters
für jedes sakramentale Handeln fällt sie hinter die römisch-katholische Kirche zurück.
"Erneuert" bleiben lediglich: die von Rudolf Steiner gegebenen Kultustexte
(… aber auch diese – abgesehen vom jeweils spezifischen Zentralsakrament
und der Weihe – waren kultushistorisch nicht etwas Neues,
denn diese Texte erhielt bereits zuvor fast alle der »freie christliche« Impuls). …
Zum »Problem« wurde die CG, als sie schon gleich nach der Gründung
zur »Anthroposophen-Kirche« wurde, obwohl sie konstitutiv als
»Vorschule zur Anthroposophie« gedacht war …
13 Die – auch wenn noch im alten System und als Vorschule zur Anthroposophie
konzipiert – dennoch auch segensreich und für viele noch wichtig und richtig war und ist!
»Und sie wird es auch noch lange bleiben, so lange,
wie es erforderlich sein wird, auch denjenigen Menschen
etwas zu geben, die zunächst – man muss da die historisch
gegebene Notwendigkeit ins Auge fassen – nicht in der Lage sind,
unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten.«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
14 Mit Begründung der CG wurde ein überkonfessionelles kultisches Handeln
abgedrängt und vergessen … bis zur Jahrtausendwende das »Forum Kultus«
(damals noch »Initiativ-Kreis Kultus«) dieses wieder aufgriff.
Die Thematik war innerhalb der CG und AG tabuisiert; die CG beanspruchte
ein Monopol auf die Handhabung dieser Texte und sah sie zudem als »ihren Besitz« an.
15 Dass diese Sakramente eindeutig der allgemein-(laien-)priesterlichen Ebene angehören,
zeigt sich schon daran, dass sie – von Rudolf Steiner(!) – Nichtgeweihten (= Lehrern als "Laien") zum vollgültigen Vollzug gegeben und von ihm nie widerrufen
und sogar für die Zukunft angegeben wurden.
Zum geistlichen Stand der Handelnden »Personenregister«
zu Ruhtenberg, Schuster und den Religionslehrern.
16 Weil die alte, weisheitsvolle, organische Harmonie der Siebenheit
der Sakramente (auch wie sie Rudolf Steiner definierte und vermittelte)
eine Einheit bildet, werden hier die zeitlich und institutionell bzw. privat
getrennt gegebenen, allgemein-priesterlichen Sakramente zusammen
und in ihrer wesensgemäßen Reihenfolge behandelt.
Das betrifft einerseits das Zentralsakrament Opferfeier und die Jugendfeier,
andererseits Kindertaufe, Trauung, Bestattung etc. .
Interessanterweise wird hier ein und derselbe Text zur Handhabung
in »verschiedenen Lebenszusammenhängen« (R. St.) diametraler Strömungen
(allgemein-(»laien«-)priesterlich sowie auch amts-priesterlich) genutzt!
Das ist möglich, weil es sich bei diesen Texten um reale Spiegelbilder
des jeweiligen geistigen Geschehens handelt, das kein konfessionelles ist.
17 »Spezifisch anthroposophisch« (R. St.) meint hier das in Steiners
»Philosophie der Freiheit« vorgegebene Handeln aus einer »moralischen Intuition«,
die in einem »ethischen Individualismus« gründet.
Und das ist ein überkonfessioneller (ja letztlich interreligiöser), institutionell unabhängiger,
individueller, religiös mündiger, nur der geistigen Welt gegenüber verantworteter Weg,
der nicht durch irgendeine Zertifizierung oder Genehmigung durch eine Verwaltung
oder Hierarchie einer speziellen Institution oder Konfession reglementiert werden kann,
so wie das auch für die Anthroposophie als solche gilt.
Dass die »… Bewegung für christliche Erneuerung nicht aus der Anthroposophie
herausgewachsen ist. Sie hat ihren Ursprung bei Persönlichkeiten genommen,
die vom Erleben im (kirchlichen VDL) Christentum heraus,
nicht vom Erleben in der Anthroposophie heraus einen neuen religiösen Weg suchten. …
Aber sie suchten nicht den anthroposophischen Weg,
sie suchten einen spezifisch religiösen.«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
– Rudolf Steiner, 05.10.1924, »Nachrichtenblatt …«, GA 260a, S. 397.
18 Der Mittelpunkt der Sakramente – die sogenannte »Messe« als Zentralsakrament – beinhaltet prinzipiell – so wie auch die Menschenweihehandlung der CG
und die freie christliche Opferfeier auch –
vier typische Teile: Evangelium, Opferung, Wandlung, Kommunion.
Die Opferfeier ist eine weitergeführte, aber doch vollgültige »Messe«,
ein eucharistisches Altarsakrament ( wenn auch nun nicht mehr über
den alten »indirekten« Umweg mit den Substanzen [Brot und Wein] als Zwischenstufe,
sondern nun »direkt« [mit den »Substanzen« Leib und Blut des Kommunikanten selbst] ).
»Sie steht – als zentrales Sakrament – an der Spitze der Hierarchie aus zwei Gründen.
Erstens, weil sie die Kraft des ganzen Christus selbst enthält;
zweitens, weil alle übrigen Sakramente auf sie zu- und hingeordnet sind.«
– Alexandre Ganoczy, »Einführung in die katholische Sakramentlehre«.
19 Zum ersten Mal am 25. 03. 1923 in der Stuttgarter Waldorfschule gefeiert.
20 Ganz deutlich ist der allgemein-(laien-)priesterliche Stand
bei den Handlungshaltenden in den Waldorfschulen,
die das – fortgeschrittenere(!) – Zentralsakrament Opferfeier
berechtigt und wirkungsvoll zelebrieren:
Sie sind als Lehrer ausnahmslos alle nicht geweihte »Laien«!
Gehalten und verantwortet werden die Handlungen in den Schulen
»exterritorial« (R. St.) im Auftrag der (interreligiösen) AG und nicht
durch die Waldorfschule selbst.
Ihre Anerkennung als Religionslehrer und Handlungshaltende (für die Waldorfschule)
erhalten sie vom überregionalen »Gremium für religiöse Erziehung«
( [bisher] in der Pädagogischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft
der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach, [Stand 2026; ehemals »Religionslehrer-Gremium«, das sich inzwischen für ALLE Opferfeiern – auch außerhalb der Schulen! –
für zuständig erklärt hat] ).
Den Antrag zur Ausstellung des »Zertifikats« zur Handlungsberechtigung
innerhalb der Schulhandlungen stellen (in der Regel) die Religionslehrer
der betreffenden Schule autonom aus ihrer Runde. Ein Gremiumsbeauftragter (Pate)
beurteilt diesen und gibt ihn dann an das »Gremium« weiter, das dann die Aufnahme
in den Kreis der Handelnden beschließt.
Dies ist keine »Weihe«, sondern eine organisatorische Maßnahme, eine Bestätigung
einer Verantwortungsübertragung innerhalb eines Kollegiums / Arbeitskreises
und eines überregionalen Zusammenschlusses, dem man sich aus verschiedenen Gründen
gewillt ist, anzuschließen und einzuordnen. Außerhalb dessen kann / muss dies anders geregelt werden.
Die spirituelle Wirkensmöglichkeit und »Berechtigung« bezieht der hier Handelnde
aus seinem praktizierten Christ- und Anthroposoph-Sein, der Verantwortung IHM
und seinem Schicksal, seiner Lebensaufgabe gegenüber und SEINEM Ja.
21 »… zusammengeschaut, machen klar,
wo die Opferfeier auf der Linie historischer Entwicklung einzureihen ist:
nicht vor, sondern nach der Messe mit Brot und Wein.«
– Maria Röschl-Lehrs, GA 269, S. 128.
Der Hinweis Rudolf Steiners, dass die Opferfeier »nicht priesterlich« zu halten sei,
bedeutet gerade und selbstverständlich, dass hier das Alte,
nämlich das traditionelle, amtspriesterlich-hierarchische Zwei-Stände-(Kleriker-Laien-)
/»Priester-Prinzip« (wie auch in der CG), keine Rolle mehr spielen soll und darf,
weil die Opferfeier kultushistorisch das davon fortgeschrittene,
eben allgemein-priesterliche, zukunftsgemäße Prinzip ist,
das das kirchlich-"priesterliche" überwindet.
»Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft gefunden haben,
brauchen keine religiöse Erneuerung. Denn was wäre die Anthroposophische Gesellschaft,
wenn sie erst religiöse Erneuerung brauchte! … dass er (der Anthroposoph VDL)
ein Rater und Helfer sein kann dieser religiösen Bewegung, dass er aber nicht
unmittelbar in ihr untertauchen kann.«
– Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1923.
Und auf die Einwendung (der CG), es könne in jeder Kulturepoche
jeweils nur einen gültigen Kultus – und zwar auch nur von einem Eingeweihten gegeben
– berechtigt bestehen, und der sei mit der Menschenweihehandlung der CG für unsere Zeit
vorhanden, sei darauf hingewiesen,
dass Rudolf Steiner die Opferfeier nach der Menschenweihehandlung der CG inaugurierte.
Wäre deshalb die Menschenweihehandlung der CG überholt oder ungültig?
Oder sind solche Hinweise eher Versuche, das eigene Monopol zu rechtfertigen
und zu retten?
Nein, es gibt eben nicht nur EINEN Weg mit der Geistigen Welt kultisch
zu kommunizieren; notwendigerweise muss es viele Wege geben, weil
ja die Menschen in ihrer Entwicklung an verschiedenen Stationen stehen!
Auch im Hinblick auf die Zukunft verwies Steiner auf die Relevanz der Opferfeier
( und dann sogar von Laien fortgebildet [»Fortsetzung in Inhalt und Form«]! ),
die, wenn wir sie auszuarbeiten haben, dann auch nicht mehr von einem Eingeweihten stammt,
sondern als authentische Tat des Einzelnen ergriffen werden muss.
( Ob dann – esoterisch betrachtet – nicht dennoch Rudolf Steiner aus der Geistigen Welt heraus inspirierend Beistand leisten würde!? )
22 Die erste Sonntags-Handlung fand am 01.02.1920 in der Stuttgarter Waldorfschule statt.
23 Erstmalig Palmsonntag 1921 in der Stuttgarter Waldorfschule gehalten.
24 – An Ruhtenberg; siehe auch GA 265, 1987, S. 36.
Anzumerken ist, dass auch der Anthroposoph und Waldorflehrer Johannes Geyer
einen Text für eine Taufe erhielt, der allerdings fragmentarisch
und dezidiert esoterisch ist und deshalb wenig Zuspruch findet.
25 – An Ruhtenberg, GA 345, 1994, S. 73.
27 Hugo Schuster gegeben; erstmals vollzog er die Bestattungshandlung
am 14.01.1919 für Marie Leyh auf dem Arlesheimer Friedhof.
– GA 265, S. 491 (siehe auch »Personenregister«).
28 Schuster war Priester der »Christkatholischen Kirche« in der Schweiz,
in Magden/Aargau, 1919–1922. Siehe Kap. »Personenregister«.
Die allgemein-priesterliche Bestattung erhielt er von Steiner,
weil er als aktiver Anthroposoph (persönlicher Schüler Rudolf Steiners und Zweigmitgründer)
für Anthroposophen (überkonfessionell) danach fragte,
die eine nichtkirchliche, spezifisch anthroposophische Bestattung suchten,
jedoch nicht, weil er berechtigt oder aufgerufen war, als Pfarrer der »christ-katholischen Kirche«
christ-katholische Sakramente an Christ-katholiken zu erteilen.
Diese Vollmacht spielte hier in keiner Weise irgendeine Rolle.
– Rudolf Steiner, 04.10.1921, Nachmittag, GA 343, S. 350.
29 Rudolf Steiner erfasste diese Sakramente universal, überkonfessionell
– als Spiegelbild der für alle Menschen gleichen, real ablaufenden spirituellen Geschehnisse
in der Geistigen Welt.
Mit der Begründung der CG erhielt sie – dann auch (!) – diese überkonfessionellen Texte
(zunächst) unverändert. Dann beanspruchte sie diese aber alleine,
als angeblich »in ihren Besitz übergegangen« (siehe Fußnote 85).
Und damit erklärte sie ein allgemein-priesterliches Handeln mit den nun vorgeblich
»ihren« Sakramenten gar als spirituellen Diebstahl aufgrund der Hybris Nichtgeweihter;
abgesehen vom Argument, dass ein sakramentales Handeln von Nichtgeweihten
nicht nur unberechtigt, sündhaft, sondern prinzipiell und sowieso wirkungslos sei.
Geht es nun darum ein freies christliches Wirken abzuwehren,
dann werden plötzlich aus den allgemein-("laien"-)priesterlich Handelnden
Schuster und Ruhtenberg »geweihte Priester«.
Erstaunt hört man, dass die CG zwar prinzipiell die Weihen anderer Kirchen
für "ihre" Sakramente nicht anerkennt und ggf. – weil "ungültig" – mit ihren Texten wiederholt,
d.h. legalisiert, dann aber dennoch vorbringt, Schuster, mit seiner christ-katholischen Weihe,
und Ruhtenberg, mit seiner ehemaligen evangelischen Ordination (die in keinster Weise
eine »Weihe« ist!), hätten von Steiner diese – also "ihre" – Sakramente nur deshalb erhalten, weil sie damit geweihte Priester gewesen seien. ...absurd.
Denn für die CG ist ein sakramentales Handeln ohne Priester-Weihe undenkbar,
weil die amts-priesterliche Weihe als unumgängliche Voraussetzung und Prinzip
für ihr sakramentales Handeln konstitutiv, dogmatisch und unveränderbar festgeschrieben ist.
Will man nicht kirchlich amts-priesterliches Handeln in Frage stellen,
muss man darauf bestehen, dass allgemein-priesterlich Handelnde als Nicht-Geweihten
eben nicht sakramental handeln dürfen und können; es wäre sündhaft, ungültig
und unwirksam.
("Denn wozu Kirche und Weihe, wenn es auch ohne ginge?")
Da aber Schuster und Ruhtenberg wortgleich die gleichen Texte
(und sogar schon vor der CG) erhielten, könne das ja nur deshalb sein,
weil sie eben doch "Priester", bzw. als solche einzuordnen waren...
– Siehe öffentlich postuliert z. B. von Gundhild Kacer-Bock in der Zeitschrift
»Das Goetheanum«, 10/1997. (Offiziell nimmt die CG dazu keine Stellung,
sie lässt "Privatpersonen" sich äußern, denn dann kann die Institution nicht kritisiert
oder dafür herangezogen werden ...)
Und gibt es keine Ausrede mehr,
dann bleibt noch, dass »frei christliche« Sakramente eben »keine Sakramente« seien.
Dementsprechend werden dann die wortgleichen(!) Schulhandlungen
(mit den eindeutigen Sakramenten Jugendfeier und Opferfeier)
von der CG (bzw. »Privatpersonen«, s.o.) als »nur Rituale« tituliert;
denn "richtige" Sakramente brauchen ja unabdingbar einen Geweihten,
der sei hier nicht vorhanden, also seien es auch keine »Sakramente«...
(Dass einzelne Priester dies nach eigenem Duktus anders betiteln,
ändert daran grundsätzlich nichts.) Diese Bewertung wird dann verallgemeinernd
auf alle frei christlich gehandhabten Sakramente übertragen.
Damit werden sie nicht nur rhetorisch, sondern auch kultisch,
theologisch und spirituell degradiert.
30 Weil Ruhtenberg bald konvertierte, Schuster starb und dann auch Rudolf Steiner,
die Anthroposophen vor allem uninformiert waren über die ganz anderen Aufgaben der CG
und so das Engagement für freie Sakramente ausblieb, wurden damals Beichte und Weihe
nicht mehr nachgefragt, um schon damals auch offiziell in einen freien christlichen
Handlungs-Kreis integriert zu werden.
Doch der wesensgemäß siebenfältige Organismus der Sakramente verlangte prinzipiell
nach seiner harmonischen Wesensganzheit.
Heute wird – nicht nur von uns im Forum Kultus – die Sieben-Einheit
der Sakramente auch für das laien-priesterliche, freie christliche Handeln
als selbstverständlich und prinzipiell inhärent gesehen und auch praktisch gehandhabt.
Eine Bestätigung, ein Orientierungsrahmen, eine Vorgabe dafür ergibt sich auch
aus Rudolf Steiners paradigmatischer Handhabung, indem er die gleichen Texte
an unterschiedliche Strömungen gab (als »Ausdruck verschiedener Lebenszusammenhänge«,
die – berechtigt – den verschiedenen Bedürfnissen und Aufgaben entsprechend
in Form und Inhalt ausgebildet sein müssen [R. St.] ).
Wer was zuerst erhalten hat, spielt dabei keine Rolle!
Da die CG Kultus-Texte erhielt, die zuerst für den laien-priesterlichen Impuls gegeben waren,
ist unter dem Grundsatz der überkonfessionellen Universalität dieser Texte auch umgekehrt
die Ergänzung des allgemein-priesterlichen Stromes durch die zeitlich erst später
im »Christlich-religiösen Kurs« offenbarten Texte berechtigt (GA 343–345).
(Siehe auch die Feststellung der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung,
dass diese Texte »nicht der Christengemeinschaft gehören«.)
Übrigens: An diesem Kurs nahmen auch die freien christlichen Religionslehrer teil (!),
obwohl diese von vornherein nicht in den amts-priesterlichen Steiner schon zuvor
zum allgemein-priesterlichen, sakramentalen Handeln berechtigt und somit schon »Priester« waren,
bevor dies die Freunde in der CG wurden; und zwar hin in Richtung Zukunft,
weil überkonfessionell und allgemein-priesterlich: »Jeder Mensch ..werde.. ein Priester!« (FK),
im Gegensatz zur kirchlichen Anknüpfung an das traditionelle, »alte«, hierarchische
Zwei-Stände-Prinzip, eingebunden in eine Institution (was aber eben für die kirchliche
Aufgabenstellung und die vorgesehene Klientel der CG nötig und unumgänglich war
[»Vorschule zur Anthroposophie«] ).
Egal, wer diese überkonfessionellen Texte nutzt, ihre Universalität umfasst kategorisch
ALLE sieben Sakramente.
Dazu gehört auch die neu zu verstehende Priesterweihe als »Sakrament der Verbindung« –
sofern sie überhaupt öffentlich vollzogen werden soll, da sie ihrem Wesen nach
ein individuelles, intimes JA und Berufungsgeschehen ist.
Die Berechtigung zum priesterlichen Wirken ergibt sich im allgemein-priesterlichen Strom
prinzipiell aus der bewusst vollzogenen (Erwachsenen-) TAUFE als einer JCh-Entscheidung
und nicht mehr aus einer extra »Weihe«.
Dass die CG – für ein sakramental wirksames Handeln – prinzipiell eine Priesterweihe braucht,
liegt in den Einschränkungen des "alten" Systems einer amts-priesterlichen »Kirche«
als einem »Zwei-Stände-System«, das eben früher noch nicht die mündige Bewusstseinsseele aufgreifen konnte.
Nur wenn man meint, dass dieses Prinzip – immer noch – das zeitgemäße sei,
kann man weitergehenden Wegen die Berechtigung zu einem ihnen spezifisch sakramentalen Handeln absprechen.
Der überkonfessionelle, allgemein-priesterliche, »freie christliche« Weg
geht kultushistorisch einen Schritt weiter.
Dennoch ist hier selbst die »fortgeschrittene« »Opferfeier« letztlich auch noch
nur Zwischenstation zur »allgemeinen Sakramentalisierung des ganzen Lebens«.
31 Dass diese Sakramente an verschiedene Menschen bzw. Institutionen
und zu unterschiedlichen Zeiten gegeben wurden, ändert nichts an deren spirituellem Zusammenhang innerhalb des Kreises der »Sieben Sakramente«.
Dass sie damals institutionell nicht zusammengebracht wurden
(einerseits Schulhandlungen, andererseits Taufe, Trauung, Bestattung), lag daran,
dass die Waldorfschule keine Kultus-, sondern eine pädagogische Gemeinschaft,
eine Schulgemeinschaft, war und ist.
Bezüglich des Forum Kultus – als derzeit einzige Initiative, die den freien christlichen Impuls
öffentlich vertritt – besteht seitens der offiziellen AG von Beginn an (anscheinend)
eine bestimmte Strategie: Man will »keine schlafenden Hunde wecken«.
Die Notwendigkeit, auch kultisch selbst tätig zu werden, wird weitgehend ignoriert
und zurückgewiesen.
Wenn unumgänglich, verweist man darauf, dass es ja Anthroposophen gebe –
etwa im Forum Kultus –, an die sich Interessierte wenden könnten.
Dieses Vorgehen entspricht – löblicherweise – dem Selbstverständnis
der AG, nach dem Religion Privatsache des Einzelnen ist und die AG konfessionell
neutral zu bleiben hat.
Gleichwohl zeigt die tatsächliche Situation, dass diese Neutralität in der Realität
nicht spannungsfrei und parteilos gegeben ist (Problem Doppelmitglieder,
die immer wieder und über verschiedenste Wege auf die CG als doch dem Anthroposophen
gemäße Kirche hinweisen und freie Wege zu behindern versuchen).
32 – Matth. 28,19–20.
33 Siehe »Fragen und Hinweise - Zur Verbindung«.
Wir stehen damit vor einer immensen Aufgabe, die Christusbegegnung miteinander und die Qualität der Handlung jeweils so offenherzig zu finden, dass ER sich wirklich damit verbinden kann.
Denn natürlich kann nicht jedermann ohne Weiteres Sakramente wirkungsvoll handhaben!
»Berechtigung« heißt noch lange nicht automatisch »Befähigung«!
Das wird – wie auf jedem Weg vom Gesellen zur meisterlichen Handhabung – in der Regel ein längerer Weg, ein intensives Erarbeiten und Schicksalswollen sein. Selbstverständlich kann ein freies christliches »Laien«-Priester-Sein nicht auf Laienhaftigkeit beruhen.
»Laie« meint theologisch aber nicht den Dilettanten, sondern den Nichtgeweihten,
das urchristliche, »allgemeine Priestertum aller Christen«, d. h. die geistliche Gleichheit aller,
die prinzipielle Berechtigung eines jeden Christen, dem Mitmenschen auch sakramental beizustehen.
»Frei« wird hier im Sinne der »moralischen Intuition« eines »ethischen Individualismus«, entsprechend der »Philosophie der Freiheit« Rudolf Steiners, verstanden: Derjenige ist frei,
der aus freier Einsicht in sein bzw. das Schicksal, in das göttliche Wollen selbstlos Verantwortung übernimmt.
Schwarze Schafe (»Wölfe im Schafsfell«) und Unfähigkeiten Einzelner können dabei nicht
als Vorwand zur Disqualifizierung allgemeiner christlicher Mündigkeit und Berufung dienen
( schwarze Schafe gibt es auch – nicht wenige! – in allen Kirchen [auch die CG reglementiert und suspendiert immer wieder unfähige oder abtrünnige Priester!]. )
34 Ob die Begegnung mit der Geistigen Welt immer auf höchster Ebene mit dem Christus selbst stattfindet (stattfinden muss?), kann nur durch ein hellsichtiges Anschauen beurteilt werden.
Unser Engel wird uns dabei gewiss gerne als Mittler beistehen, wenn wir dadurch Seinen Weg (und damit unseren) finden wollen.
Und vielleicht sollten wir den Christus nicht so oft so kosmisch fern von uns sehen …
Ist ER nicht auch immer um und bei uns, ist ER nicht genauso auch unser Bruder,
direkt neben und mit uns …!? Er, unser Tröster und Förderer, »alle Tage« …
35 So gibt es auch hier eine (sogar wirksamere?, weil direkte) Weihe!
Auch das Urchristentum kannte keine spezielle, institutionalisierte »Priesterweihe«,
es gab lediglich Beauftragungen (Apg 6,6 / Timotheusbrief).
Erst als die Siebenzahl der Sakramente auf dem Konzil von Lyon 1274 festgelegt wurde,
war auch die Priesterweihe dabei. Die endgültige Dogmatisierung erfolgte aber erst
auf dem Konzil von Trient (1545–1563), 1563, im Dekret »De sacramento ordinis«,
auch als Reaktion auf die Reformation und Martin Luther, die die Priesterweihe prinzipiell ablehnten.
So Luthers Postulat: »Was aus der Tauf krochen ist, das mag sich rühmen,
dass es schon Priester, Bischof und Papst geweihet sei.«
– Hans-Martin Barth, »Einander Priester sein – Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive«, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1990.
– Herbert Haag, »Worauf es ankommt«, Herder Verlag.
Es ist ein kultushistorisch bedeutsamer Schritt!
»Was in der Entwicklung der Christenheit als Sehnsucht und Streben
nach Laien-Priestertum immer wieder erstand – allerdings auch immer wieder verfolgt
und schließlich zum Verschwinden gebracht wurde –, das hat hier durch Rudolf Steiner
eine neue Keimlegung erfahren, die je nach der Schicksalsführung des Einzelnen
ihre Früchte zeitigen kann.«
– Maria Röschl-Lehrs, GA 269, S. 131.
»An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!«
36 – Dieter Brüll, »Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus«, S. 138–139.
Dies ist ein Prinzip allgemein-priesterlichen Wirkens.
37 – Rudolf Steiner, GA 269, 1997, S. 37, zu den freien christlichen
(und eben auch sakramentalen) Schulhandlungen.
38 (Der Kultus,) »der für viele Jahrhunderte der richtige war,
(wird) es auch für viele Jahrhunderte noch bleiben (…).
Die Dinge gehen nach und nach ineinander über.
Aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach
in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden.«
– Rudolf Steiner, 13.10.1911, GA 131.
Die Menschheit entwickelt sich weiter – auf allen Ebenen –,
und so auch die kultische Kommunikation mit der Geistigen Welt.
39 Dass auch die Opferfeier weiterzuentwickeln wäre (würde sie außerhalb der Schulen gehalten), machte Rudolf Steiner René Maikowski (GA 269, 1997, S. 133) klar,
als er ihm darlegte, dass »eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung (…)
eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war …« sei.
40 – Rudolf Steiner, 04.10.1921, Vormittag, GA 269, 1997, S. 25,
bezüglich der Sonntags-Kinderhandlung.
Diese Zwischenbemerkung hat grundsätzliche Bedeutung.
41 – Rudolf Steiner, 27.06.1924, GA 236/19.
Sicherlich vermittelte Steiner keinen unwirksamen Kultus, auch wenn er auf eine zukünftige, notwendige Fortsetzung(!) hinwies ... die er selbst höchstens noch aus der Geistigen Welt heraus inspirieren könnte ...
42 Rudolf Steiner forderte immer wieder, dass man seine dargebotenen Erkenntnisse
nicht einfach nur glauben oder wie ein »Rezeptbuch« benutzen, sondern selbst nachvoll-
ziehen, selbst Erkenntnisse anstreben solle. Relevant ist, die eigene moralische Intuition
und vor allem Praxis zu schulen. Und dazu sind wir auch genötigt, wenn wir die Handlungen nun selbstständig fortzusetzen haben.
43 So gab Rudolf Steiner – der jeweiligen Situation angemessen –
z. B. Wilhelm Ruhtenberg einen anderen Tauftext als Johannes Geyer!
44 Rudolf Steiner nennt die Weihe in seiner Ausführung »Involution-Evolution« (GA 343) auch das Sakrament der (Wieder-)»Verbindung«:
ER verbindet sich mit mir, wenn ich zu Seinem Werkzeug werde und Sein Wollen
praktisch und selbstlos umsetze.
45 Der Vollzug der Kindertaufe wirft eine weitreichende Frage auf:
Sind wir eigentlich »wirklich« getauft, wenn wir nur die Kindertaufe erhielten?
Vor allem die Freikirchen vollziehen deshalb (ggf. nochmals) die "richtige" Erwachsenen-/Bekenntnis-Taufe, die allein als gültig angesehen wird, weil auch eine formal / kirchen-
rechtlich richtig vollzogene Kindertaufe (mit dem trinitarischen Taufbefehl Jesu
ein »Empfangskultus« bleibt – der nicht die Berechtigung zum sakramentalen Handeln beinhaltet, weil er eben keine bewusste, mündige Entscheidung des Täuflings bedeutet;
und die können ihm auch nicht die Eltern oder Paten ab- oder übernehmen.
In diesem Zusammenhang wird auch die Frage gestellt,
ob man tatsächlich NUR mit einer Taufe Christ werden / sein kann...
( In einem Infoblatt der CG [Überlingen] heißt es: In der CG werden Erwachsene
nur in Ausnahmefällen getauft – für sie entsteht die Verbindung mit dem Christus
und der Gemeinschaft durch die »Menschenweihehandlung«. [ Es gäbe auch kein Ritual dazu: Der Tauftext der CG ist als solcher nicht auf Erwachsene anwendbar.] )
46 Auch wenn dies kirchlicherseits kaum so ausgesprochen wird, hat die Kindertaufe institutionell den (auch gewünschten) Effekt, Menschen bereits vor ihrer eigenen freien Entscheidung in eine kirchliche Zugehörigkeit einzubinden.
Würde die Taufe konsequent als bewusste Bekenntnis-Taufe des mündigen Menschen verstanden, müsste jeder Einzelne sich selbst entscheiden — und es ist naheliegend,
dass unter heutigen Bedingungen nur noch wenige diesen Schritt vollziehen würden.
Damit berührt die Frage der Kindertaufe nicht nur die Sakramententheologie, sondern ist auch ein wesentliches Argument für die institutionelle Selbsterhaltung der Kirchen.
47 Bisher besteht kaum das Bedürfnis nach einem offiziellen Weihe-Ritual, denn prinzipiell muss ja keine institutionalisierte Weihe vorgenommen werden, um sakramental handeln
zu "dürfen": Jeder Christ ist durch die Taufe dazu berechtigt – auch wenn dies zwar
die urchristliche und dann auch reformatorische, aber nicht die katholische, traditionelle Sicht der Kirchen (auch der CG) ist. Will man aber doch ein Ritual, findet sich hier (in den Texten zur Weihe) – eine manuskriptische Bearbeitung der kirchlichen (CG-) Priester-Weihe,
mit einer Berücksichtigung als Bekenntnis-Taufe.
Es ist der Versuch, den universalen Urgrund der Beauftragung und der Auftragsannahme,
der Berufung und des Bekenntnisses aufzusuchen, hervorzurufen, herausklingen zu lassen,
zu bekräftigen und durch die Gemeinschaft anzunehmen und zu bestätigen, was nun in der Erwachsenentaufe (bzw. einer Handlungsbestätigung) als nun zeitgemäßes »Sakrament der Verbindung« – endlich – auferstehen will und kann.
48 Sie finden den Text des Weihe-Sakramentes mit den Aktualisierungen und dem Versuch den Tauf-Teil einzufügen hier.
49 (Es fand [VDL]) »die Weihnachtstagung zur Begründung
der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft statt.
Man kann verschiedene geistige Ereignisse in ihr finden.
Vom kultischen Gesichtspunkt aus ist sie eine Art ›Weihe‹
der Anthroposophischen Gesellschaft durch die anthroposophische Bewegung,
der Michaelsgemeinschaft auf Erden durch die Michaelsbewegung aus der geistigen Welt, die Grundsteinlegung aus der göttlichen Trinität zu einer neuen Würde der anthroposophisch strebenden Individualität. In ihr sind Hirtentum und Königtum miteinander verbunden.«
– Friedrich Benesch, »Das Religiöse der Anthroposophie …«, S. 89.
50 Das »Zwei-Stände-Prinzip« bzw. »-System« (auch als »Duo Genera Christianorum« bezeichnet) ist das kirchenrechtliche und soziologische Fundament des Klerikalismus.
Es beschreibt die strikte Trennung der Christenheit in zwei ungleiche Gruppen und teilt
die Kirche in den geweihten Klerus (die Geistlichen) und das nicht geweihte Volk (die Laien). Dieses Prinzip wurde im Mittelalter (besonders durch das »Decretum Gratiani« um 1140) kirchenrechtlich festgeschrieben und prägte das insbesondere römisch-katholische Kirchenbild (aber auch das der CG) bis heute.
51 Der Begriff »Character indelebilis« bedeutet übersetzt »unauslöschliches Merkmal« oder »unvertilgbares Siegel«.
In der katholischen Theologie beschreibt er die Lehre, dass bestimmte Sakramente
eine bleibende, geistige Prägung in der Seele des Empfängers hinterlassen.
Dieses »Siegel« sei so dauerhaft, dass es selbst durch einen Kirchenaustritt, einen Abfall
vom Glauben oder schwere Sünden nicht verloren gehe. Man argumentiert, dass der Priester durch die Weihe nicht nur eine neue Aufgabe übernimmt, sondern wesenhaft (ontologisch) verändert werde. Er ist nun real, qualitativ spirituell, mit seinen Wesensgliedern, ja als Ich
ein anderer Mensch als der Laie, was die Kluft zwischen den Ständen (Klerikern und Laien) unüberbrückbar macht. Der historische Ursprung entstammt der Lehre, die maßgeblich
vom heiligen Augustinus im 4./5. Jahrhundert entwickelt wurde.
Dogmatisch wurde die »Priesterweihe« als (katholisches) Sakrament erst auf dem Konzil
von Trient 1563 festgelegt. (Siehe auch Fußnote 35.)
Aber: »Es steht jedenfalls fest, dass bei den älteren (Kirchen-)Vätern
irgendwelche Spuren von einem ›character indelebilis‹ oder einem ›Sakrament‹
der Priesterweihe nicht nachzuweisen sind, und wo man Derartiges zu finden meint,
handelt es sich um Missverständnisse. …
Der Nachweis, wie ein Sakrament, von dem vierhundert Jahre lang
in der Kirche nichts wahrzunehmen ist, von Christus eingesetzt,
ja ein ›Grundamt der Kirche‹ sein kann, muss den Dogmatikern anheimgestellt werden.
Für den Exegeten ist die Sache längst klar.«
– Hans von Campenhausen, »Die Anfänge des Priesterbegriffs in der alten Kirche«.
52 »Es handelt sich hier um Zusammenhänge,
die eine Frage nach der Wirksamkeit ganz neuer Ätherkräfte nahelegen.
Man wird in diesem Zusammenhang daran denken, wie das Blut des Christus,
das am Karfreitag vom Kreuz in die Erde floss, sich vollständig ätherisierte
und der Christus-Impuls ›als eine Substanz‹, als Christus-Äther,
zu den vier alten Ätherarten hinzutritt.
Als ›moralische Äther-Atmosphäre ist er mit der Moralität der Menschen verbunden
und als neuer Lebenskeim der Erde und der Leiblichkeit der Menschen eingestiftet. …
Von diesem lebendigen Band umfasst zu werden, ist die recht verstandene Sukzession.
Das kann man erst durch die Anthroposophie so verstehen und gewinnt dadurch
einen neuen (modernen) Sukzessionsbegriff, für den manches früher entscheidend Wichtige
unwesentlich wird.
Um den Anschluss an die geistige Ahnenreihe zu den Aposteln herzustellen,
kann das Anknüpfen an das äußerlich historische Band der Handauflegung nicht wesentlich und ausschlaggebend sein.«
– Michael Debus (em. Leiter des Priesterseminars der CG), »Anthroposophie und die Erneuerung der christlichen Kirche«.
53 Übrigens, eine interessante Anregung: Man kann auch z. B. eine Taufe, Trauung, Bestattung mit mehreren zelebrieren. Für die Messe nennt man das »Konzelebration«.
Das Wesen der Opferfeier zeichnet aus, dass sie grundsätzlich von DREI Handlungs-
haltenden gefeiert wird. Es handelt hier nicht mehr der einzelne amts-priesterlich bevollmächtigte "Hirte" für alle anderen, sondern alle – im Wirken der Drei – geschwisterlich,
auf Augenhöhe, auf gleichem – allgemein-priesterlichem – Niveau.
54 »Anthroposophie erfordert als Sache wirklich menschliche Brüderlichkeit
bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein.
Sonst kann man sagen: Ein Gebot ist die Brüderlichkeit.
Bei Anthroposophie muss man sagen: Sie wächst nur auf dem Boden der Brüderlichkeit.«
– Rudolf Steiner, 11.06.1922.
55 Hochstapler, Unwürdige etc. werden erkannt und dann nicht mehr nachgefragt werden; die Spreu wird sich so vom Weizen trennen!
Denn – wie auch z. B. den Arzt, den Lebens-/Biografieberater etc. –
kann und wird sich ein jeder Suchende auch für die kultischen Hochzeiten
den Handelnden seines Vertrauens selbst suchen.
Und ist es nicht letztlich auch eine schicksalhafte, karmische Lenkung,
wer mir mit solch einer Frage entgegenkommt?!
Ein Netzwerk frei christlich Handelnder – zumindest im Internet,
mit Vorabinformationen für den Suchenden – wäre sicherlich sinnvoll
und erstrebenswert. Das Forum Kultus würde das begrüßen.
In der Regel ergibt sich eine Nachfrage meist aufgrund persönlicher Beziehungen
und Mundpropaganda und musste bisher nicht "organisiert" oder beworben werden.
56 Der Vorteil für den kirchlichen Amts-Pfarrer ist ganz praktisch,
weil er – in Vollzeitanstellung (mit Bezahlung auf Beamtenniveau [kath. Einstiegsgehalt
bei A13 bis dann A16: 5.000–7.000 € & Extras, abgesichert auf Lebenszeit] ) –
schon quantitativ mehr zu bieten hat gegenüber dem eher spontan, gelegentlich und meist
ehrenamtlich wirkenden freien Christen.
Wenn sich Gott nicht an eine Priesterweihe gebunden sieht,
warum dann eine Amts-Priesterweihe, warum ein Berufs-Priestertum
– warum reicht nicht das Gott hingegebene Herz?
Aber das ist eine Glaubens- und Systemfrage … »Jedem seinen Weg!«:
WIR sind es, die uns gemäße Räume brauchen, wir, nicht Gott …
57 »Fragt ein Chassid den Rebbe: Wo wohnt Gott?
Fragt der Rebbe: Wo wohnt ER nicht?« – Martin Buber.
58 Das ist natürlich eine Aufgabe, eine Frage an die gesamte anthroposophische Bewegung und nicht nur an ein bestimmtes Arbeitsfeld.
An dieser Stelle kann nur darauf hingewiesen werden, dass sich dazu
in der anthroposophischen Bewegung bereits ein eigenes Tätigkeitsfeld,
das des »Biografieberaters«, herausgebildet hat, abgesehen vom weiten Feld anthroposophisch-sozialer Berufe bis hin zum (spezifisch anthroposophisch ausgebildeten) Psychotherapeuten.
59 Rudolf Steiner gab die – zuallererst frei christlich gefasste –
Taufe, Trauung, Bestattung, die Sonntagshandlung für die Kinder
und die Jugendfeier (Konfirmation) dann (fast) textgleich auch der CG.
60 Oft wird angeführt, dass Rudolf Steiner die Schulhandlungen
»nicht priesterlich« gehalten haben wollte, und deshalb die Handlungshaltenden
auch keine "Priester" seien, bzw. auch nicht diesen Eindruck vermitteln sollten.
Diesen Begriff greift auch die CG auf und leitet davon ab,
dass auch die Schulhandlungen keine »Sakramente«, sondern nur »Rituale« seien,
weil es dort keine »geweihten Priester« gäbe. (S. Fußnote 30.)
Doch diese Weiterentwicklung des christlich-kultischen Handelns zum Allgemein-Menschheitlichen – indem er Anthroposophen einen »freien«, allgemein-priesterlich christlichen Kultusweg gab – hat Rudolf Steiner bewusst aufgegriffen, weil er als
ein »spezifisch anthroposophischer« kultushistorisch aktuell weiterzuschreiten hatte …
Denjenigen, die »ihren Weg noch nicht in die Anthroposophie finden« würden,
gab er eine »Kirche« als »Vorschule« zur Anthroposophie …
So kann der »freie christliche« Weg nur »nicht priesterlich« sein,
denn er geht weiter in Richtung Zukunft und kann und will nicht mehr das »alte« "priesterliche" »Hirten-/Schafe«-Prinzip vertreten und musste deshalb »nicht-AMTS-priesterlich« ausgebildet werden.
Eindeutig sind selbstverständlich auch alle allgemein-priesterlichen Sakramente
»Sakramente« und damit »priesterlich«, denn jedes sakramentale Handeln
ist ein priesterliches.
61 Zum freien christlichen Prinzip (in dem auch die »Jugendfeier« steht)
sagt Rudolf Steiner, »dass (hier) der Mensch ganz allgemein in die Menschheit
hineingestellt wird, nicht in eine bestimmte Religionsgemeinschaft;
die Christengemeinschaft (wie jede Kirche - VDL) aber stellt ihn
in eine bestimmte Religionsgemeinschaft hinein.«
– Rudolf Steiner, GA 265, S. 38.
Dieser freie christliche Weg wurde vor allem auf Fragen von Kirchen-»Dissidenten« –
nicht nur Anthroposophen! – gegeben, die im konfessionellen Rahmen der bestehenden Kirchen keine Heimat, nicht genügend spirituelle Tiefe fanden und einen überkonfessionellen Weg suchten; meist waren sie Schülereltern der ersten Waldorfschule in Stuttgart
bzw. Anthroposophen in Stuttgart und um Dornach.
(Siehe »Der ›freie christliche‹ Religionsunterricht und seine Handlungen in den Freien Waldorfschulen«.)
»Diese Handlung kann überall gehalten werden, wo Menschen sind,
die sie wünschen!« – Maria Röschl-Lehrs.
– Siehe auch Rudolf Steiner, lt. Hella Wiesberger, GA 269, S. 125.
62 – Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
63 »Es kommt also darauf an, denjenigen Menschen etwas zu geben,
die zunächst – man muss da die historisch gegebene Notwendigkeit ins Auge fassen –
nicht in der Lage sind, unmittelbar den Gang zur anthroposophischen Bewegung anzutreten.
Für sie muss durch Gemeindebilden in herzlichem, seelischem und geistigem Zusammen-
wirken der Geistesweg gesucht werden, welcher heute der der menschlichen Entwicklung
angemessene ist.«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219 / GA 112, 07.07.1909.
Rudolf Steiner sieht die CG als Vorschule zur Anthroposophie.
Denn als eine institutionalisierte »Kirche« mit dem Prinzip der »indirekten« Wandlung
in der Menschenweihehandlung vertritt sie immer noch das »alte Prinzip«.
Selbstverständlich: Religionsfreiheit!, und deshalb auch offen – unter bestimmten Anforderungen – für den Anthroposophen …!
64 »Darauf rechnend also, dass die anthroposophische Bewegung
das bleibe, was sie war und was sie sein soll, gab ich,
unabhängig von aller anthroposophischen Bewegung, einer Anzahl von Persönlichkeiten,
die von sich heraus, nicht von mir aus, für die Bewegung für religiöse Erneuerung wirken wollten, dasjenige, was ich in der Lage war zu geben in Bezug auf den Inhalt desjenigen,
was eine künftige Theologie braucht: den Inhalt auch des Kultusmäßigen, das eine solche neue Gemeinschaftsbildung braucht. …
Das, was ich diesen Persönlichkeiten gegeben habe, hat nichts zu tun
mit der anthroposophischen Bewegung.
Ich habe es ihnen als Privatmann gegeben
und habe es so gegeben, dass ich mit notwendiger Dezidiertheit betont habe,
dass die anthroposophische Bewegung mit dieser Bewegung für religiöse Erneuerung
nichts zu tun haben darf;
dass aber vor allen Dingen nicht ich der Gründer bin dieser Bewegung für religiöse Erneuerung. …
Sie ist eine Bewegung, die aus sich selbst heraus entstanden ist
und die die Ratschläge von mir bekommen hat aus dem Grunde,
weil, wenn jemand berechtigten Rat auf irgendeinem Gebiete fordert, es Menschenpflicht ist,
wenn man den Rat erteilen kann, ihn auch wirklich zu erteilen. …
Aber nach jeder Richtung hin muss diese Bewegung für religiöse Erneuerung
von Menschen getragen werden, die noch nicht den Weg
in die Anthroposophische Gesellschaft hinein finden können. …
dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung
nach allen Richtungen in Kreisen wirkt,
die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
65 – Rudolf Steiner, GA 265, 1987, S. 38.
Hier ging es um die – allgemein-(laien-)priesterlich durchgeführte – Jugendfeier
gegenüber der kirchlichen Konfirmation der CG mit gleichem Text.
Diese Feststellung betrifft aber eine grundsätzliche Ansicht Steiners
und alle durch ihn erneuerten Sakramente.
Auf Erden dienen die verschiedenen Kultusströmungen den unterschiedlichen Bedürfnissen
bestimmter Zielgruppen; auf höherer, kosmischer Ebene, vor Michael und Christus,
sind sie aber wieder eins.
So konnte z. B. Jesus Christus das Vaterunser – mit gleichem Text (!) –
für alle Christen, für unterschiedlichste Bewusstseinsebenen, Seelenstimmungen
und Konfessionen geben: Ein Text für alle, aber verschiedene Perspektiven, Verständnisse
und Wirkweisen!
66 – Gerhard von Beckerath, »Gespräch als Kultus«, S. 29 :
( Zusammenfassung Beckerath )
Vergleich von Messekultus und neuem Kultus :
MESSEKULTUS:
1. Der Gottesgeist senkt sich von oben nach unten.
2. Die Vollziehenden wenden sich nach oben.
3. Hierarchische Gliederung, Zwei-Stände-System Kleriker/Laien.
( Die »Christengemeinschaft ist eine Priestergründung«, die Urgemeinde
waren die Priester. – Siehe R. Steiner, GA 344.)
4. Frontaler Kultus (hintereinander angeordnete, gerade Reihen
mit Blick zum Altar).
5. Der Priester wendet der Gemeinde den Rücken zu.
Der Einzelne befindet sich im individuellen Nachvollzug.
6. Diese Art einer Kultusgemeinschaft nennt man Gemeinde.
7. Genau vorgeschriebener Kultustext und genaue Kultusform.
»Indirekter Kultus«
(1. Wandlung von Brot & Wein / 2. diese werden eingenommen
und wandeln dann 3. den Ätherleib des Kommunikanten / und 4. sein Ich).
NEUER KULTUS
(bei Beckerath im Buch als »Fußwaschungs-Kultus« bezeichnet) :
1. Christus als die neue Sonne auf Erden strahlt von hier
in uns und den Kosmos: von unten nach oben.
2. Die Handelnden und die Teilnehmer wenden sich dem anderen
Menschen zu; sie wirken im Horizontalen.
3. Es gibt keine Hierarchie beim Vollzug des Kultus,
keine weisungsbefugte Organisation.
Jeder ist geschwisterlich Diener und damit Priester des anderen.
Der Vollzug ist individuell und unabhängig von jeder Institution;
jede ihn vollziehende Persönlichkeit oder Gruppe ist autonom.
4. Man befindet sich in einer Situation des Gegenübers oder des Kreises.
5. Jeder ist – sich der geistigen Welt zuwendend – Priester
für den anderen und für sich.
Man strebt zur Geschwisterlichkeit als Kultusschale.
6. Dogmatische Vorgaben kann es nicht geben.
8. »Direkter Kultus« :
keine zusätzlichen »Substanzen« von außen: Wandlung ergreift direkt
die Substanzen Leib und Blut, Seele und Geist des Kommunikanten.
67 Ein wesentlicher Unterschied zum überkonfessionellen, freien christlichen Impuls ist
die Institutionalisierung der CG: der rechtliche Status der CG als staatlich anerkannte »Körperschaft des öffentlichen Rechts«, in der zudem nur die Priester – nicht die Laien(!) – rechtlich »Mitglied« sind.
Zudem steht die CG in einer Reihe mit den "alten" Kirchen, weil auch in ihr das Zwei-Stände-
System (Kleriker vs. Laien) besteht.
Typisch ist hier ein exklusives, hierarchisches Priesterprinzip, die herausgehobene Hirtenaufgabe des Priesters, die auch Rudolf Steiner so vorgab:
»Sie werden so wirken können, dass sie nun wirklich ihre Gemeindekinder innerlich, gemüthaft an sich ketten können.
Wenn ich sage 'ketten', so bedeutet das nicht, Sklavenketten anzulegen.
Dazu gehört allerdings, dass die Gemeindemitglieder durch sie das Bewusstsein bekommen,
in einer gewissen Brüderlichkeit zu leben.
Die Gemeinden müssen konkrete brüderliche Gefühle in sich haben
und sie müssen ihren Prediger-Leiter (Priester – VDL) als eine selbstverständliche Autorität anerkennen, an die sie sich auch wenden
in konkreten Fragen. …
Es muss möglich werden, dass man das Gefühl hat, man bekommt
eine Art Direktive aus der geistigen Welt heraus, wenn man den Prediger (Priester – VDL) fragt.«
– Rudolf Steiner, 13.06.1921, GA 342, S. 51.
Dieses »Zwei-Stände-System« wird von Rudolf Steiner als Prinzip
sogar innerhalb der Priester-Weihe der CG festgeschrieben.
Auszug aus dem Akt der Barett-Übergabe innerhalb der Priesterweihe :
»Das Sinnbild (das Barett – VDL), das du jetzt empfängst,
drückt dein anderes Verhältnis von dir aus zu den Menschen,
für die du dein Amt verwaltest.
Das heißt, du hast durch die vorhergehenden Ritualien
deine Gemeinschaft mit der göttlichen Wesenheit erhalten.
Durch dieses Zeichen erhältst du deine Macht über diejenigen,
die sich dir anvertrauen als Gemeindeglieder.
Du führest sie kraft des Amtes, das symbolisiert ist in dieser Behütung
deines eigenen Hauptes.
Du trägst dieses immer, um auszudrücken dieses dein Verhältnis
zu der Laiengemeinschaft …«
– Rudolf Steiner, 22.09.1922, Vormittag, GA 344, S. 251–252.
Neben dem kirchlichen Amt ist hier außerdem die »indirekte« Kommunion
in der Menschenweihehandlung der CG typisch.
Wie auch in der katholischen Messe wird
1. zunächst Brot und Wein gewandelt,
werden diese dem Kommunikanten gereicht und sind nach Einnahme der Substanzen
in ihm wirksam und können so in der Folge auch ihn selbst wandeln.
( Beim »direkten« Typ [wie in der Opferfeier] vollzieht sich die Wandlung
direkt an Leib und Blut des Kommunikanten – hier konzentriert im Moment
der Handauflegung, s. o.)
»Es wäre unrichtig zu meinen, in der Opferfeier gäbe es keine Substanzen.
Sie sind da [jedoch] in der Gestalt des Leibes und des Blutes
des Menschen [selbst] …«
– Maria Röschl-Lehrs, »Ritualtexte …«, Kap. »Zur Opferfeier«, GA 269. )
Die Konstituierung eines »direkten Kultus« – mit einer »direkten Kommunion« – ist für die Liturgie des Gottesdienstes ein zukunftsgemäßer Umbruch kultushistorischen Ausmaßes …
auch wenn dieser weitergehende Schritt nur eine Zwischenstation
hin zur »Sakramentalisierung des ganzen Lebens« ist;
er ist aber eben doch ein Schritt weiter gegenüber dem alten Messeprinzip.
68 Hugo Schuster (Bestattung) verstarb, Wilhelm Ruhtenberg (Taufe und Trauung)
konvertierte zur CG, andere griffen die Thematik nicht mehr auf – nicht, weil sie doch falsch gewesen wäre und man sich geirrt hätte, sondern weil eine unglaubliche Uninformiertheit herrschte und dann die CG mit einer derartigen Gründungs-Gewalt (Marie Steiner) in die anthroposophische Bewegung einbrach (die vorgesehene Klientel aus den traditionellen Kirchen kam ja nicht), dass sich die Meinung breitmachen konnte, dass die CG wohl doch
die Anthroposophen-Kirche sein solle, bzw. ist.
Bis zur Jahrtausendwende war die Thematik zudem tabuisiert; die CG als Anthroposophen-Kirche infrage zu stellen, glich einem Sakrileg.
69 »Aber das eigentliche Ärgernis ( für den Anthroposophen – VDL ) dahinter ist,
dass der Anthroposoph hören muss:
Wenn er Religion pflegen will, gibt es im Grunde keine Alternative zur Christengemeinschaft.«
– Wolfgang Gädeke, em. »Lenker« (!) der CG, in »Flensburger Hefte«, Sonderheft 9, S. 67.
70 »So muss im strengsten Sinne des Wortes verstanden werden,
dass sich neben der anthroposophischen Bewegung eine andere Bewegung
aus sich selbst heraus, nicht aus der anthroposophischen Bewegung heraus begründet hat;
begründet aus dem Grund, weil außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft
zahlreiche Menschen sind, die den Weg in die anthroposophische Bewegung hinein
selber nicht finden, die später mit ihr zusammenkommen können. …
Nebenher … könne eine solche Bewegung für religiöse Erneuerung gehen,
die ganz selbstverständlich für diejenigen, die in die Anthroposophie hinein den Weg finden,
keine Bedeutung hat, sondern für diejenigen, die ihn zunächst nicht finden können. …
Aber nach jeder Richtung hin muss diese Bewegung für religiöse Erneuerung von Menschen getragen werden,
die noch nicht den Weg in die Anthroposophische Gesellschaft hinein finden können. …
dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung
nach allen Richtungen in Kreisen wirkt, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
Siehe hier auch den vollständigen Vortrag.
71 – Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
72 Siehe Fußnote u.a. 10 / 31.
73 »… weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden,
nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthropo sophen macht. …
Denn die Anthroposophische Gesellschaft wird von demjenigen nicht verstanden,
der sich nicht so auffasst, dass er ein Rater und Helfer sein kann dieser religiösen Bewegung,
dass er aber nicht unmittelbar in ihr untertauchen kann.
Wenn er dieses tut, so arbeitet er an zweierlei:
Erstens arbeitet er an der Zertrümmerung und Zerschmetterung
der Anthroposophischen Gesellschaft,
zweitens arbeitet er an der Fruchtlosigkeit der Bewegung für religiöse Erneuerung.«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
74 »Rittelmeyer hatte erwartet, dass die ‚Christengemeinschaft‘
nach zehn Jahren die anderen Kirchen abgelöst haben würde.«
– Frank Hörtreiter, in »Anthroposophie«, Ostern 2025, S. 81.
Tatsächlich waren das unrealistische Illusionen; und ohne die fremdgehenden Anthroposophen wäre sie bald wieder eingegangen und würde selbst heute quantitativ
nicht existieren können.
75 Der aufklärende Vortrag Steiners vom 30.12.1922 wurde innerhalb der Gesamtausgabe (GA 219) – also für alle verfügbar – erst 1927 (!) veröffentlicht.
76 Trotz: »Dasjenige, was ich jetzt als Konsequenz sage,
war zu gleicher Zeit die Voraussetzung für das Handbieten zur Gründung
der Bewegung für religiöse Erneuerung, denn nur unter diesen Bedingungen
konnte man die Hand dazu bieten.
Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge
die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden.
Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist,
dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse:
dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse,
dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb
der Kreise der anthroposophischen Bewegung zu suchen …«
– Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219.
77 Ganze Landesgesellschaften und sogar von Rudolf Steiner eingesetzte Vorstands-
mitglieder der AG wurden ausgeschlossen.
Man hatte die Mitte, den liebenden Christus, IHN im DU, nicht wirksam werden lassen können
… man hatte die Religion abgegeben und anscheinend verloren …
Erfüllt sich hier nicht das, was Rudolf Steiner vorhersagte, wenn AG und CG nicht sauber getrennt werden!?
Siehe Fußnote 36: Zertrümmerung!
78 Die Thematik war bis Ende des letzten Jahrtausends derartig tabuisiert
und die Stimmung einseitig subjektiviert und manipuliert,
dass, wer das Monopol der CG hinterfragte und freie Wege forderte,
öffentlich in den Publikationen der CG (»Die Christengemeinschaft« sowie in verschiedenen CG-Gemeindeblättern und CG-Infos [teils noch bis heute]) und der AG (»Die Drei«, »Das Goetheanum«, siehe Fußnote 166) mit suggestiven Behauptungen und auch Halb- und
sogar Unwahrheiten diskreditiert und dogmatisch ausgegrenzt wurde – und zwar ohne
das Angebot, die Möglichkeit oder ein Recht auf Richtigstellung;
und erst recht wurde die Arbeit über eine freie christliche Perspektive
bzw. die Arbeit des Forum Kultus (damals »Initiativkreis Kultus-Fragen«)
seitens offizieller Blätter bewusst und dauerhaft ignoriert.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?
Und so blieben und bleiben selbst – und gerade – prominente Befürworter des freien
christlichen Impulses in Deckung, um die lobbyierenden Freunde der CG »nicht zu irritieren«,
den »Frieden zwischen den beiden Bewegungen« nicht zu gefährden, nicht »Unfrieden«
zu stiften und – auch geschehen – selbst ausgegrenzt zu werden.
Doch mittlerweile hat man sich in der AG scheinbar damit abgefunden,
dass diese Thematik zwischenzeitlich doch unverhinderbar und individuell
insbesondere von uns autonom und wenig beeinflussbar praktiziert wird.
Seit einigen Jahren legt sich die Offensivität, und man versucht – immer noch –,
das Thema und unsere Bemühungen totzuschweigen – vor allem seitens der CG
bzw. deren Mitglieder (die ja zum großen Teil auch Mitglied der AG sind
[»Doppelmitglieder«] …).
Mittlerweile wird eher im Hintergrund gekungelt und versucht, Einfluss zu nehmen
und uns bzw. unsere Projekte herauszuhalten.
Informationen zu verhindern, scheint (zumindest früher) Methode gehabt zu haben:
So versuchte die CG z. B. – letztlich dann doch erfolglos –, die Herausgabe der »Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken« Rudolf Steiners (GA 342–346) (als »Priester-Kurse« tituliert) durch die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung zu verhindern, in denen Steiner – zunächst intern – die Hintergründe, Bedingungen und Grundlagen für die Begründung der CG darlegte, weil das Texte seien, die NUR für die Priester gedacht gewesen wären.
(Selbst im Priesterseminar der CG waren / sind diese Texte tabu und real weggeschlossen, die Studenten bekamen [immer noch?] diese erst ganz am Schluss im »Weihekurs« zu lesen.)
Die Realität war aber, dass auch die »freien christlichen« Religionslehrer, verschiedene Vorstände und Gäste – die alle von vornherein nicht Priester der CG werden wollten –
an diesen Kursen teilnahmen …
80 Die aufgrund des Widerstandes der CG bis Anfang der 1990er Jahre zurückgehaltenen "Priester"-»Kurse über christlich-religiöses Wirken« (Rudolf Steiner, GA 342–346, die Kurse
zur Begründung der CG) und die lange Zeit relativ unbekannte Klarstellung Steiners vom 30.12.1922 wie auch andere Hinweise verhinderten eine Urteilsbildung und machten
im Verein mit einem massiven Auftreten der CG eine Monopolisierung der »erneuerten Sakramente« möglich, die auch heute noch postuliert wird
(siehe oben Wolfgang Gädeke [em. »Lenker« der CG], Fußnote 69).
( »Es ist ein furchtbar starkes Werben da, das autoritativ wirkt …«
– Marie Steiner, Dreißiger-Kreis, 13.02.1923. /
»… sie wollen jeden haben. Die haben keinen Grund, Klarheit zu schaffen.«
– Rudolf Steiner, 09.12.1922, »Zur religiösen Erziehung …« /
»die grasen ab, ihrerseits …« – Rudolf Steiner, GA 300b, S. 227. )
81 Die durch Rudolf Steiner vermittelten Sakramente sind also nicht »alleiniges Gut«, »spirituelles Eigentum« etc. der CG; so wie Rudolf Steiner aufgrund der Begründung der CG auch nicht ein "laien"-priesterliches Handeln als nun aufgehoben oder überflüssig ansah
oder erklärte.
Dass Rudolf Steiner aufgrund fehlenden Fragemutes, mangelnder Erkenntnis und Einsicht
in die kultushistorische Dimension und im Schatten der in die AG fatal hineinwirkenden Gründungswucht der CG-Priester, dann aber auch durch seinen frühzeitigen Tod
selbst einen vollen Kreis freier christlicher Sakramente nicht mehr geben konnte,
ist kein Argument für deren Annullierung oder den angeblichen Übergang an die CG.
»Michael wartet ab. Sobald man aber Mut fasst und etwas anfängt,
dann hilft er.« – Bernard Lievegoed
Müssen wir nicht endlich heute unsere Bedürfnisse und Befugnisse
als freie christliche Anthroposophen mutig aufgreifen und leben!?
Und wären denn für eine Entwicklung eines allgemein-christlichen Weges
noch weitere Antworten bzw. extra Aufforderungen Steiners zwingend nötig (gewesen),
wo er doch bereits konkrete Handlungen und Texte gegeben hatte und darauf hinwies,
dass ein und dasselbe Ritual für verschiedene Lebenszusammenhänge / Strömungen
(AG und CG) verwendet werden könne und Mut zu sogar einer »Fortsetzung in Form
und Inhalt« gab?
82 Beispiele für Missverständnisse siehe »Kritik«.
83 »Die Autoren (Wolfgang Gädeke in seinem Buch »Die Fortbildung der Religion«) vertreten hier die Meinung, die sich im Gesamtduktus deutlich zeigt, dass die Religion innerhalb der anthroposophischen Gesamtbewegung von der Christengemeinschaft repräsentiert wird. …
Dass von der Dreiheit Wissenschaft – Kunst – Religion mit der Begründung
der Christengemeinschaft die Religion an diese gewissermaßen übergeben worden sei, bezeichnet Rudolf Frieling (damals »Erzoberlenker« der CG – VDL) 1984 ausdrücklich
als ein ‚Missverständnis‘ …«
– Michael Debus, em. Leiter des Priesterseminars der CG in Stuttgart,
in »Anthroposophie und Religion. Eine notwendige Ergänzung zur Gädeke-Studie«,
in: »Mitteilungen …« der AG, Nr. 178, IV/1991, S. 274–276.
Leider findet sich dieses »Missverständnis« ansonsten bis heute in keiner öffentlich zugänglichen Publikation kundgetan (?); verständlich, denn schließlich wird mit dieser Einsicht einem Monopolanspruch widersprochen.
84 Siehe Fußnote 69.
85 Ein kultushistorischer Rückschritt wieder in die Enge einer Kirche...
Immer wieder wird – vor allem von Persönlichkeiten aus und seitens der CG – behauptet, aber nicht belegt, dass Rudolf Steiner die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen freien christlichen Sakramente und Ritualien (insbesondere hier Taufe, Trauung, Bestattung)
mit Begründung der CG dieser »übergeben«, »vermacht« etc. habe.
Mir (VDL) ist keine solche Stelle irgendwo im Werk Steiners bekannt
und wurde bisher auch von der CG nicht benannt.
Am 09.11.1997 schrieb ich (VDL) daher die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung an,
um u. a. konkret folgende Frage zu klären:
»Können Sie uns eine schriftlich belegte Aussage oder Stelle
im Werk Rudolf Steiners benennen, wo er explizit:
a) die an Ruhtenberg und Schuster gegebenen Ritualien
als nun alleinigen Besitz, spirituelles Eigentum (etc.)
der ‘Christengemeinschaft’,
und b) laien-priesterliches Wirken in unserer Zeit als nun unzeitgemäß
und beendet (etc.) erklärt hat?«
Mit Datum vom 24.11.1997 antwortete Frau Ulla Trapp für die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung in Dornach u. a. wie folgt:
»Aussagen Rudolf Steiners, wie Sie sie angeben, sind uns nicht bekannt, weder zu a)
noch zu b) …
Einmal ganz äußerlich betrachtet: Rudolf Steiner gab die ersten Texte
für die Menschenweihehandlung im Herbst 1921 zum Abschreiben an Bock, Spörri und Klein – die ‘Christengemeinschaft’ existierte ja damals noch nicht – und ließ sich seine handschriftlichen Originale zurückgeben.
Diese befinden sich seit damals und bis heute im Archiv der Rudolf-Steiner-
Nachlassverwaltung.«
Rudolf Steiner dazu: »Es ist niemals für die Rituale, die für die Schule da sind,
etwas ausgesprochen worden, dass sie der Priesterschaft gehören.«
– Rudolf Steiner, 09.12.1922, in »Zur religiösen Erziehung …«, 1997, S. 174.
Dies betrifft grundsätzlich freies christliches, sakramentales Handeln.
Juristisch gehören die Texte der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung,
und auch spirituell hat sie Steiner nie der CG übergeben,
weil sie als Spiegelbilder realer Göttertaten für alle Christen zutreffend sind.
86 »Weder eine erneute Herausgabe der nunmehr ›Studienmaterial zur Kultusfrage‹ getauften Veröffentlichung (das Kultus-Handbuch – VDL)
noch das Arbeiten daran, auf die Ebene eines Eingeweihten zu gelangen,
der in der Lage wäre, eigene Kultusformulierungen zu geben,
kann einer Priesterschaft zugemutet werden.«
– Taco Bay, als Erzoberlenker der Kirche Die Christengemeinschaft, am 10.06.1999,
auf eine schriftliche Anfrage von VDL, Antwort schriftlich an VDL.
87 Die CG hatte diese Texte dann "auch" bekommen, weil es überkonfessionelle
und universale Spiegelungen geistiger Handlungen sind.
88 Siehe hier »Monopolanspruch«, s. auch Fußnote 29.
89 Und so werden die ('Schul'-)»Sakramente« (!) bezeichnenderweise seitens der CG
immer wieder nicht als »Kultus« bzw. »Sakramente«, sondern als »Rituale« tituliert.
(Siehe hier u.a. Fußnote 29.)
90 Siehe Stellungnahme der R. St.-Nachlassverwaltung, Fußnote 85.
91 Da ich (VDL) in meinem Streben nach einer »neuen Kirche« — damals noch
in Unkenntnis von Alternativen — auch am Priesterseminar der CG studierte,
konnte ich selbst erleben, was mir später immer wieder von anderen, auch ehemaligen Seminaristen / Priestern, bestätigt wurde: Bestimmte Fragen waren tabu.
Wurden sie dennoch unumgänglich zu beantworten, so wurden sie oftmals nur ausweichend behandelt oder relativierend dargestellt. Das soll nicht verallgemeinert werden, aber schon die Realität (bei ehemaligen Studenten vielfach nachzufragen), dass kritischen Fragestellern nahegelegt wurde / wird, ihr Studium zu beenden, bis hin zur unfreiwilligen Exmatrikulation, oft ohne offene, wahre Begründung, ist kein Zufall. – "Kritisches Nachfragen: unerwünscht!" ?
Denn das Problem ist ja: Die Weihe ist nicht mehr zurücknehmbar, also ist es zweckdienlich, kritische Geister vorher herauszunehmen …
92 Die große Mehrheit der Mitglieder der CG sind sogenannte »Doppelmitglieder« = solche, die gleichzeitig Mitglied der CG und der AG sind.
Auch von den Priestern sind fast alle Mitglied der AG :
»Die Synode am Goetheanum abzuhalten, sei ein weiterer Schritt,
im Verhältnis von AG und CG zu einer reichen Zusammenarbeit zu kommen.
Dabei erinnerte Hörtreiter daran, dass die Verantwortlichen – Priesterinnen, Lenker usw. –
zu über 90 Prozent auch Mitglieder der AG seien;
das dürfte mehr als in allen anderen Tochterbewegungen das Engagement für Anthropo-
sophie kennzeichnen.«
– Aus dem Bericht vom 21.10.2022 von Wolfgang Held zur Synode der CG 2022
im »Goetheanum«: https://dasgoetheanum.com/die-synode-der-christengemeinschaft/
93 – Rudolf Steiner, 30.12.1922, GA 219, S. 173.
94 Aus internen Quellen der CG, die vorliegen, aber selbstverständlich – Informantenschutz – nicht genannt werden.
95 Das Problem wird zusätzlich verschärft durch die Überalterung der Mitgliedschaft
und der Priesterschaft und der Pensionierungswelle der Priester (deren Pensionen die CG –
als KdöR – selbst finanzieren muss) sowie die damit einhergehenden finanziellen Überforderungen … abgesehen von den Belastungen durch die vielen instandzuhaltenden Immobilien (Kirchen, die unverkäuflich sind) bei immer kleineren Gemeinden. Umso wichtiger sind die bleibenden Anthroposophen …
– Siehe auch Rudolf Steiner, GA 219, 30.12.1922, S. 173.
97 Siehe in »Arbeitsmaterial zur Kultus-Frage«, TEIL 10, »Dokumentation« (vergriffen),
die Argumente von z. B. Michael Debus (em. Leiter des Priesterseminars der CG),
der Freunden des Forum Kultus psychopathologische Beweggründe unterstellte;
und der zusammen mit u. a. Hans-Werner Schroeder (Oberlenker, em. Leiter des Priester-
seminars der CG in Stuttgart) nach der 1. Auflage des »Kultus-Handbuches« (1999),
insbesondere in den Zeitschriften »Das Goetheanum« und »Die Christengemeinschaft«,
mit zweifelhaften Argumenten versuchte von den Problemen abzulenken.
Mit Hilfe der Redaktion des »Goetheanum« (der Hauszeitung der AG!) durften sie sich ausführlichst auf unüblich fünf (!) ganzen Seiten einseitig und ablehnend gegen ein freies christliches Handeln aussprechen. Die Kritisierten aber wurden nicht nur über die geplante Veröffentlichung nicht informiert oder gar zur Thematik befragt, auch eine richtigstellende Antwort danach wurde verweigert (so dass die manipulative Einseitigkeit nicht deutlich werden würde?) ...
Seit einigen Jahren entspannt sich die Atmosphäre; auch weil man bemerkt,
dass ein freies christliches Wirken – wenn auch im Hintergrund und wenig öffentlich bemerkbar – immer mehr Zuspruch findet.
Und man muss einsehen: Wenn man für das Geistesleben (und damit auch für das Religiöse
und Kultische) Freiheit proklamiert, dann kann diese nicht nur für die eigene Seite beansprucht werden; sie muss auch den Anderen zugestanden werden.
Dennoch versuchen Lobbyisten (leider immer wieder aus dem Kreis der sogenannten »Doppelmitglieder«) weiterhin — im Hintergrund —, ein freies kultisches Handeln
zu behindern.
So wurde (z. B. 2024) die seit Jahren regelmäßige Anzeige des Forum Kultus
im »Goetheanum« gekündigt, weil wir uns angeblich »markant gegen das Goetheanum äußern würden«, ohne weitere Erklärung oder Begründung ...
( Wenn.. kritisieren wir Zustände um die CG, aber nicht »das Goetheanum«!
[ ... wer ist eigentlich »das Goethenum«?: die Zeitschrift, der Vorstand, ...??] )
Interne Quellen berichten uns, dass »maßgebliche Freunde« (aus der CG)
zuvor Druck ausgeübt hätten …
So wurden und werden einerseits offizielle Gremien / Personen zu Ablehnungen gedrängt, bzw. Doppelmitglieder sitzen selbst in diesen Gremien und verteidigen dort ihre Kirche …
98 Siehe dazu auch den Beitrag in »Berechtigung Weihe?«.
99 Dennoch sei noch einmal betont, dass die spirituelle, religiöse und auch soziale Daseinsberechtigung der CG – mit den Aufgaben, die ihr gegeben wurden! –
hier in keiner Weise geschmälert werden soll und volle Anerkennung findet!
Viele Menschen und vor allem Mitglieder der AG fühlen sich ihr innig zugehörig,
dort wohl und geistig genährt …: Jedem seinen Weg!
100 Wir wollen den Impuls geben, individuell, authentisch und autonom sakramental
zu handeln. Dies geschieht aus den Quellen der Anthroposophie, nun aber aus der Gesamtheit der Siebenheit der Sakramente,
die zur Zeit Rudolf Steiners noch fragmentarisch blieb.
Dabei sind "wir" auch nur ein Kreis, eine Initiative von so manchen,
die frei und christlich sakramental handeln. Wir sind nicht und wollen nicht die Einzigen sein
und auch nicht Vorgaben machen, wie freies christliches Handeln zu geschehen habe!
Selbstverständlich kommt es hier nicht auf die Quantität der Strebenden an.
Wir hoffen, dass wir das Not-wendige etablieren und auch »dem Sakramentalismus
die Freiheit einverleiben« (Wiesberger) können und werden.
Damit wollen wir den kultushistorisch nächsten Schritt gehen: zur individuellen, überkonfessionellen Geist-Verbindung und Verantwortungsübernahme aus einem »ethischen Individualismus«, aus meiner ganz genuinen »moralischen Intuition« (Rudolf Steiner, »Philosophie der Freiheit«).
So wollen wir die Freiheit auch im Sakramentalismus als einen praktisch aufgreifbaren Impuls aufzeigen und in diese Jahrtausendwende hineinstellen.
Dieser Impuls wird und muss immer mehr ergriffen werden, weil die zu entwickelnde Bewusstseinsseele und der spirituelle Fortschritt der Menschheit das evolutiv erfordern …
Das Neue kann nicht mit dem Alten fortgeführt werden. Und dennoch: Freiheit bedeutet eben frei lassen! … und damit auch weiterhin "alte Wege" … und beinhaltet sogar die Freiheit, aus- und abzusteigen …
101 Damals »Initiativ-Kreis Kultus« genannt, von Dorothea Kroschel †, Unterlengenhardt, und Volker David Lambertz, damals Ottersberg, organisiert.
102 Insbesondere wirken hier Persönlichkeiten zusammen,
die als Kultushandelnde in den Freien Waldorfschulen bzw. heilpädagogischen Heimen tätig sind, aber insbesondere auch Menschen in sozialen Tätigkeiten und natürlich auch anderen Engagements bzw. Berufen.
Dabei arbeiten wir auf der Ebene und in der Regel als Mitglieder der »Freien Hochschule für Geisteswissenschaft« und zumeist als Mitglieder des »Esoterischen Jugend-Kreises«.
Dennoch muss betont werden, dass der hier geschilderte Weg einer von vielen ist!
Und es ist unser Weg; andere können ganz anders aussehen!
103 Weil die »absolute Religionsfreiheit« jedes einzelnen Mitgliedes der »interreligiösen« AG
gewahrt bleiben muss, kann solch ein Engagement nicht im Namen und von der AG selbst
und offiziell vollzogen werden, sondern muss individuell von entsprechend qualifizierten
Anthroposophen (als deren »Privatangelegenheit«) verantwortet werden.
Andererseits sind Anthroposophen gezwungen, diese Fragen individuell und unabhängig
zu stellen, weil der Macht- und Meinungseinfluss der CG auf die offizielle AG-Arbeit –
als Mehrheit der Mitgliedschaft (»Doppelmitglieder«, aber auch als Funktionäre der AG
mit direktem Einfluss – eine tolerante und emotionslose Erarbeitung der Thematik innerhalb der AG bisher nicht möglich war. (Was nicht heißt, dass man sich nicht outen kann und dürfte und sollte, mit der CG persönlich nichts anfangen zu können oder zu wollen! ...
vielleicht sind wir noch viel zu leise!?)
104 Es gibt mittlerweile – nach Jahrzehnten der Tabuisierung – generell in der Mitglied-
schaft der AG eine anfängliche Toleranz für – auch! – ein allgemeines, freies sakramentales Engagement; allerdings vor allem von denen, die nicht »Doppelmitglieder« (der AG und CG) sind.
105 Siehe z. B. www.freie-theologen.de / www.rent-a-pastor.com /
www.alternativhochzeit.de / www.diplomtheologe.de / etc. (2025, siehe auch Google),
oder – z. B. aus unseren Reihen – die überkonfessionelle Arbeit als »Freier Theologe«
(auch außerhalb der anthr. Bewegung) von V. D. Lambertz in der www.ÖAGFC.org
und auch in der ökumenischen »Communauté de Taizé«, www.taize.fr …
Selbstverständlich verstehen wir alle Christen als suchende Geschwister,
denn Freiheit erfordert Verständnis und nicht Sektierertum!
Deshalb sind auch wir in der Ökumene engagiert und freuen uns über jeden
sakramental Aktiven, ob individuell autonom oder in einer Gemeinschaft,
auch wenn ein jeder seine ganz spezifische Perspektive – auch wenn oftmals
als allein berechtigt – ERlebt.
106 Wie dies in der CG konstitutionell der Fall ist.
107 – Matth. 18,20.
108 »Dadurch, dass die Menschen freiwillig ihre Gefühle zusammenstrahlen lassen,
wird wiederum etwas über den bloß emanzipierten Menschen hinaus gebildet.
Der emanzipierte Mensch hat seine individuelle Seele. …
Aber dadurch, dass die Menschen sich in freiwilligen Zusammenhängen zusammenfinden, gruppieren sie sich um Mittelpunkte herum.
Die Gefühle, die so zu einem Mittelpunkt zusammenströmen,
geben nun wiederum Wesenheiten Veranlassung, wie eine Art von Gruppenseele
zu wirken. …
Alle früheren Gruppenseelen waren Wesenheiten, die den Menschen unfrei machten.
Diese neuen Wesenheiten aber sind vereinbar mit der völligen Freiheit und Individualität
der Menschen.«
– Rudolf Steiner, 01.06.1908, GA 102.
109 Siehe – in monastischer Weise – konkret den Camphill-Impuls Karl Königs
(»ora et labora et lege«), Kap. »Gemeinschaft bauen« bzw. ausführlich im Buch »Gemeinschaft bauen«, siehe Literaturhinweise.
110 Wie irrigerweise uns vorgeworfen wurde: "Es gäbe ja nun Kreise, die die Sakramente
widerrechtlich 'frei' aufgriffen, denn diese 'gehörten' ja der CG und seien nur durch von ihr
geweihte Priester berechtigt handhabbar, was aber – genauso wie im kirchlichen System –
doch nur wieder Kontroll- und Machtstrukturen und Unterordnungen – diesmal gegenüber
Dornach – ergäbe und zeige …"
So wurde von Prof. Dieter Brüll † in seinem Buch »Bausteine für einen sozialen Sakramenta-
lismus« (S. 114) öffentlich behauptet; relevant und wirksam, weil er einer der renommier-
testen Dreigliederer war.
Das Verwirrende ist, dass damit aber gar nicht wir gemeint waren (uns gab es damals
noch gar nicht!), sondern ein anderer – leider nicht benannter, aber mir bekannter – Kreis!,
der inzwischen seine Arbeit einstellte.
Wer jedoch diese Passage heute liest, kennt nur uns …
Und so bieten diese Vorwürfe willkommene Munition gegen uns.
111 Eine grundsätzliche Einführung dazu findet sich von Dieter Brüll in:
»Der anthroposophische Sozialimpuls«, Verlag für Anthroposophie, Dornach.
112 Alle von uns hier veröffentlichten Kultus-Texte sind zuvor bereits
von der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung herausgegeben worden.
Man bedenke, dass nicht nur das gesamte esoterische Werk Rudolf Steiners,
sondern auch die liturgischen Texte fast aller Kirchen veröffentlicht sind.
»Wie retten wir nun das uns anvertraute Gut?
Nicht, indem wir es vergraben und nur den Feinden die Gelegenheit geben,
das damit zu tun, was sie tun wollen,
sondern indem wir, vertrauend auf die guten geistigen Mächte,
der neuen Generation die Möglichkeit geben, Anregungen in ihrer Seele zu empfangen,
die das darin schlummernde geistige Licht aufleuchten lassen,
die weckend in ihren Seelen das aufrufen, was Schicksalsmächte in sie hineingelegt haben.«
– Marie Steiner, Brief vom 04.01.1948, GA 270/1, 1992, S. 11.
»Dieser Geist der Zeit verträgt nicht das äußere Geheimnis,
während er ganz gut verträgt das innere Geheimnis.«
– Rudolf Steiner, 28.12.1923, GA 260 (zur öffentlichen Freigabe
der nur für Mitglieder gedruckten Vorträge).
113 Wenn Sie hier Fragen haben, wenn Sie Fehler aller Art finden,
melden Sie sich! (..."ehrenamtliche Nachtarbeit"! )
114 Sie lässt sich auch nicht abschließen, denn:
»… man kann nichts für die Ewigkeit begründen.
Wir werden schon in einiger Zeit vor die Notwendigkeit gestellt werden,
wiederum das, was anthroposophischer Organismus ist, mit neuen Kleidern zu versehen.
Aber dieses Schicksal hat man ja als Mensch auch: Man kann nicht immer dieselben Kleider anhaben. Und jede Organisation ist ja schließlich doch für das, was man lebt, ein Kleid. Warum sollte man just in einem sozial organischen Gebilde für die Ewigkeit arbeiten wollen! Was leben will, muss sich wandeln, und eigentlich ist nur, was sich wandelt, lebensvoll.«
– Rudolf Steiner, 02.03.1923, GA 257/8, S. 162.
»Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben,
sondern es kann nur das sich im Leben Wandelnde geben.«
– Rudolf Steiner, s. o.
Wenn Sie sich also mit dieser Thematik beschäftigen
und vor allem aus dieser Zusammenstellung zitieren und die hier versuchten Hypothesen und Texte weitergeben wollen, berücksichtigen Sie bitte diese – weil aus meiner/unserer Perspektive auch ggf. verschiedentlich subjektive – Vorläufigkeit in Ihrer Kritik, Beurteilung, Positionierung und letztlich Ihrer individuellen Praxis.