FREI + CHRISTLICH

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FORUM  KULTUS
Initiative für ein freies, anthroposophisch + sakramental vertieftes Christ-Sein heute

FORUM KULTUS

Initiative, freie christliche 
Arbeits-Gemeinschaft






Was in der Entwicklung
der Christenheit
als Sehnsucht und Streben nach
Laienpriestertum
immer wieder erstand
- allerdings auch immer wieder verfolgt
und schließlich zum Verschwinden
gebracht wurde -,
das hat hier
durch Rudolf Steiner
eine neue Keimlegung erfahren.

Maria Lehrs-Röschl, GA 265, S.42





Zur Freiheit 
des Christenmenschen 


Hinblick auf den «freien christlichen» 1)  Impuls heute 




Allgemeine Kirche,
gleich der Sonne,
Sammelplatz auserwählter Geister,
freigesprochen von Sinnestäuschung,
nur Wahrheit schauend ewig!
Ihre Zugänge geöffnet allen Völkern,
die ganze Menschheit segnend
und kein Wesen ausgenommen.
Bettina von Arnim 




Kirche unnötig ? 


Unübersehbar «ergibt sich als not-wendig,
dass das christliche Freiheitselement
auch dem Wesen des Kultus, dem Sakramentalismus
einverleibt werden muss.
Das heißt, dass zunehmend nach der Zukunft hin nicht mehr
der eine (Priester) für die anderen alle
das Opfer zu vollbringen haben wird,
sondern dass der eine mit dem anderen gemeinschaftlich
das Gleichwerden der Menschen gegenüber dem Christus,
der als Sonnenwesen auf die Erde heruntergestiegen ist,
erleben soll.»
(Hella Wiesberger, GA 265, S.19)
«Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, nur die eine Absicht haben,
sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane,
indem das ganze Leben zum Ausdruck des Übersinnlichen gemacht wird.»
(Rudolf Steiner, 9.10.1918)
«Voraussetzung zu all dem ist die Spiritualisierung des Denkens.
Erst davon ausgehend wird man dazu kommen können,
nach und nach alle Lebensbetätigungen zu sakramentalisieren.
Dann werden sich aus der Erkenntnis der geistigen Wirklichkeiten heraus
auch die alten Zeremonien ändern,
weil es da, wo man Wirklichkeiten hat, keiner Symbole mehr bedarf.»
(Hella Wiesberger, GA 265, S.22)
«Alle freie Religiosität,
die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit entwickeln wird,
wird darauf beruhen, dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit
wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis,
nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde.
Dann wird es keinen Religionszwang geben können,
dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen,
denn dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen
von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein,
und niemand wird eine besondere Kirche,
die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat,
nötig haben, das religiöse Leben aufrecht zu erhalten.»
(Rudolf Steiner, 9.10. 1918)   2)



Anthroposophie als freilassender Weg


Weg dahin und Quelle dazu kann die Anthroposophie
- als eine «Philosophie der Freiheit» - sein.
«Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg,
der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen
im Weltenall führen möchte.» (Steiner, «Leitsätze»)
Als ein freilassender, interreligiöser Schulungs- und Erkenntnisweg
führt sie zum Erwachen am (Christus im) anderen Menschen.
Hier wird ein unmittelbares Anknüpfen der Bewusstseins-Seele
an das Mysterium von Golgatha, an die Gegenwart der Geistigen Welt ermöglicht,
aus der «moralischen Intuition» eines «ethischen Individualismus»
(Rudolf Steiner, «Die Philosophie der Freiheit»).
So wird Anthroposophie «selbst Gottesdienst» (Rudolf Steiner)
und kann den würdig und ernsthaft Strebenden direkt zur Verbindung mit IHM,
zur «geistigen Kommunion» führen.
Letztendlich mündet sie in die Verchristlichung und Sakramentalisierung
des ganzen Lebens.
Anthroposophie ermöglicht Mitgliedern aller Religionen und Konfessionen
einen freien, individuellen, unabhängigen, interreligiösen, unmittelbaren Weg
zur Geistigen Welt und dem Christus.   3)
Sie ist auf die Freiheit und individuelle Erkenntnis des Strebenden aufgebaut  4)
und lässt jedem seine Religion, seine Konfession. 
Somit anerkennt sie neben den kirchlichen Wegen 
genauso eine freie, konfessionell unabhängige, individuell-religiöse 
und entsprechend kultische Gestaltung des eigenen Lebens.



Mit welchen Handlungen, 


mit welchen Texten könnten aber die Konzentrationspunkte des religiösen, kultischen Lebens er- und gefasst werden, wenn eine spezielle Kirche nicht infrage kommt?
Meist wird versucht eigene Formen und Worte zu finden.
Woran aber orientieren wir uns, wenn wir uns - aus welchen Gründen auch immer -
noch nicht in der Lage sehen eigene Sakramentstexte und -formen zu fassen, zu formulieren?
Dann sind wir auf gegenwärtig verfügbare Texte angewiesen.
Auf der Suche nach spirituell zeitgemäßen und vor allem überkonfessionellen,
sakramentalen Handlungen sind diese Fragen auch Rudolf Steiner gestellt worden.
Und er antwortete auch hier.
So besteht auf dem Weg zur spirituellen Emanzipation des Christen-Menschen
die kultushistorisch bedeutsame Tat Rudolf Steiners
nicht nur in der Geburtshilfe für eine «erneuerte» Kirche  5) 
- die segensreich und für viele wichtig und richtig war und ist  6)  -,
sondern vor allem in der Zukunftssaat
eines «freien christlichen», überkonfessionellen, sakramentalen Impulses. 



Steiner'sche Antworten


Aufgrund der vorgetragenen Anliegen und Fragen,
aber natürlich auch besonders mit dem Blick auf die Notwendigkeiten der Zukunft,
vermittelte Rudolf Steiner einen - allerdings bis heute nur teilweise
aufgegriffenen  7)  - Kreis von kirchenunabhängigen
und allgemein-("laien"-) priesterlichen Sakramenten  8 / 9) ,
einen «spezifisch anthroposophischen» Weg  10)  :
das in seiner kultischen Entwicklung weitergeführte
- Zentralsakrament  11/12) / die «OPFERFEIER» (1923 )  13)
den Religionslehrern  14)  der Freien Waldorfschule
und den anthroposophisch-heilpädagogischen Heimen,
letztlich aber für jeden, der diese wünscht  15)  ,
und hierzu
- die Sonntags-Handlungen für die Schul-Kinder (1920  16)  )
- und das Sakrament «JUGENDFEIER» (Konfirmation) (1921  17)  ) .
- Die TAUFE (1921  18)  ),
- die TRAUUNG (1922  19)  ),
- und die BESTATTUNG (1919  20)  )
erhielten Wilhelm Ruhtenberg  21)  bzw. Hugo Schuster  22) 
als damit einzeln und unabhängig wirkende Anthroposophen.
Letztlich ist der GANZE ORGANISMUS des siebenfältigen Sakramenten-Kreises
möglich und gegeben.  23)



Ein allgemein-priesterlicher Weg


Damit konnte Rudolf Steiner einen kultushistorisch weiterschreitenden,
freien, kirchenunabhängigen, allgemein-christlichen = allgemein-("laien"-) priesterlichen Weg aufzeigen.  24)
Diese Handlungen ermöglichen uns als Christen und Anthroposophen SEINEN Auftrag
«Gehet hin, und taufet...»  25)  zeitgemäß und mündig aufzugreifen,
in dem wir unseren danach bittenden Mitmenschen eben a u c h sakramental beistehen,
ohne einer spezifischen Konfession anzugehören - als freie Christen -,
allein in Seinem Namen, in Seiner Nachfolge, jedem Bruder.  26)
SEIN und unser Ja dazu,
kann dann zu einem intimen Sakrament, einer "Priester"-Weihe für den jeweiligen Actus werden, die der Christus selbst  27)  im Innersten des demütig Strebenden,
unabhängig aller Institution, vollzieht.  28)
Die Frage der Befähigung und Berechtigung zum sakramentalen Handeln
ist hier nun keine mehr, die andere Menschen oder gar Institutionen beantworten
können und sollen.  29)
Charakteristisch für diesen Impuls ist seine freie christliche, urchristlich-universale
und so auch grundsätzlich überkonfessionelle Position und Wirksamkeit,
seine Unabhängigkeit von irgendeiner Konfession.
Er bindet an IHN allein und gehört damit nicht der irdischen Besitz- und Rechtssphäre irgendeiner Institution an, weil er Sein Wirkenwollen in jedem Menschen-Schicksal 
individuell fassen will, aus Seiner Höhe, 
einer Ebene, auf der die Menschen nicht mehr in Konfessionen eingeordnet werden. 



Zwei Wege


Und somit können die Steiner'schen Fassungen unterschiedlichsten Perspektiven, unterschiedlichsten Bewusstseinsstufen und Menschengruppen,
d.h. «verschiedenen Lebenszusammenhängen» dienen.
So sah das auch Rudolf Steiner
und deshalb konnte er, als und weil er gefragt wurde,
neue Sakraments-Texte problemlos - sogar teils wortgleich (!)  30)  -
zwei ganz wesens- und aufgabenverschiedenen Strömungen reichen :

allgemein-priesterlich :
1.  kultisch engagierten Anthroposophen
und  2.  - in Verantwortung für die Schulen und Heime -
der spirituell universalen Anthroposophischen Gesellschaft/ bzw. -Bewegung,
als «allgemein in die Menschheit hineingestellt»  31)

und dann, da es «Bevölkerungskreise gibt,
die nicht innerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen»  32 / 33) ,
auch kirchlich-priesterlich :
der - von Theologen und Anthroposophen mit Steiners Hilfe begründeten - Religionsgemeinschaft/Kirche «Die Christengemeinschaft».

Rudolf Steiner forderte dazu auf, es als «lehrreich» zu betrachten,
dass das gleiche Ritual  34 / 35)
als «Ausdruck verschiedener Lebenszusammenhänge»
verwendet werden könne ! :
Denn allein der Text ist zwar mehrfach  36)  gleich,
alles andere aber anders!  37 / 38) 
Während die «Schulhandlungen» in den Freien Waldorfschulen 
und heilpädagogischen Heimen 
seitdem bis heute treu gehalten wurden 
(allerdings seit einiger Zeit immer weniger Zuspruch finden), 
war es schon sehr bald fast unmöglich, 
die außerschulischen "freien" Sakramente - Taufe, Trauung, Bestattung - 
zu wählen, zu empfangen, bzw. zu spenden. 



Probleme mit der «Christengemeinschaft»


Denn mit der Begründung der Kirche «Die Christengemeinschaft»
entstanden unerwartete Probleme:
Innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vermissten viele Mitglieder
die Ausbildung der sozialen Mitte, des praktisch religiösen Elementes,
bis zum kultischen Handeln, das ja lediglich von Schuster und Ruhtenberg
kurze Zeit gehandhabt und nie als eine eigene und erst recht nicht als eine gemeinschaftsbildende Aufgabe der anthroposophischen Bewegung
erkannt und ergriffen wurde.
Dann kam die Begründung einer aus der Anthroposophie heraus «erneuerten Kirche».
Und nun vermeinten viele Anthroposophen endlich eine zeitgemäße, religiöse Heimat
- eine/ihre "Anthroposophen-Kirche" - bekommen zu haben.
Dem widersprach Rudolf Steiner in eindringlicher Weise in einem Vortrag am 30.12.1922 :
«Die Christengemeinschaft» war als eine ganz eigenständige Kirche
gerade für diejenigen gedacht, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung
standen  39)
als eine «Bewegung für religiöse Erneuerung», 
die zwar einen aus der spirituellen Tiefe der Anthroposophie geschöpften Kultus 
zu pflegen hatte, 
aber in jeder Hinsicht eine autonome Kirche sein sollte, 
für die Menschen, die gerade nicht direkt Anthroposophie suchten. 


Denn «Diejenigen, die den Weg einmal in die Anthroposophische Gesellschaft
gefunden haben, brauchen keine 'religiöse Erneuerung'.»  40) 
Die Anthroposophische Gesellschaft ist eine «interreligiöse», geisteswissenschaftliche
Forschungsstätte, eine Gemeinschaft Strebender, völlig unabhängig deren
bzw. einer Religion oder christlichen Konfession.
Eine spezielle Religion bzw. Kirche der Anthroposophen gibt es nicht,
das ist die «Privatsache» jedes Einzelnen  41)  ! "Jedem das Seine."
Die Frage wäre gewesen:
Wie müsste ein «spezifisch anthroposophischer Weg» aussehen?
Die Tragik war: Es gab den Weg, aber man nahm ihn in seiner Bedeutung nicht wahr...
Statt als "dritte Kraft" zwischen den Staatskirchen spirituell offenen,
suchenden Menschen eine freiheitliche und esoterisch und kultisch
vertiefte Alternative und Erneuerung zu bieten,
rekrutierte nun die «Christengemeinschaft» ihre Mitglieder - bis heute - maßgeblich
aus der Anthroposophen- und Waldorfscene,
weil sie außerhalb dieser relativ erfolglos blieb...  42) 
Die «Christengemeinschaft» wurde dadurch faktisch
zur "Anthroposophen-Kirche"  43 / 44)
und für - viel zu viele - potenziell Interessierte befremdlich, exklusiv
und für Außenstehende und für die Öffentlichkeit zur «Sondergemeinschaft», zur "Sekte".
Die Klarstellungen Steiners erreichten die Anthroposophen nur ungenügend
(teils gar nicht)  45)  und verpufften.
Die Folgen der nicht ausgebildeten Mitte traten schon gleich nach Steiners Tod zutage:
Die Anthroposophische Gesellschaft wurde in dramatischer Weise
verdunkelt und gespaltet.  46)
Seither wurde ein freier christlicher, spezifisch anthroposophischer Weg
außerhalb der «Schulhandlungen» seitens eines Großteils der Anthroposophenschaft,
die nun zusätzlich Mitglieder der «Christengemeinschaft» geworden waren,
und natürlich seitens der Institution «Die Christengemeinschaft», tabuisiert
und bis heute relativiert und abgelehnt und vor allem wurde über ihn nicht informiert,
im Gegenteil...  47 / 48 / 49 / 50 / 51)
So war eine Uninformiertheit gegeben, in der man als normal informierter Anthroposoph
von einem freien christlichen, anthroposophisch sakramentalen Weg,
von Ruhtenberg, Schuster und Geyer, von Taufe, Trauung, Bestattung an diese
nichts mehr hörte und wusste.
So konnte «Die Christengemeinschaft» nun auch unangefochten den Anspruch erheben ,
allein für ein anthroposophisch sakramentales Handeln mit den von Rudolf Steiner
erfassten Sakramentstexten zuständig zu sein; ja sogar behaupten, dass die Texte,
die zuvor der freie christliche Impuls erhalten hatte, an sie, in ihren "Besitz"
übergegangen seien.  53) 
Ein freies christliches Handeln (außerhalb der «Schulhandlungen») wurde damit
als eingestellt  54) , überflüssig, und dann gar als unberechtigt, destruktiv
und schließlich als Sakrileg dargestellt.
Und so gibt es nun seitens der «Christengemeinschaft» (von höchster Ebene)
auch kein Zugeständnis gegenüber den «freien christlichen» Anthroposophen:
«Weder eine erneute Herausgabe der nunmehr 'Studienmaterial zur Kultusfrage'
getauften Veröffentlichung (das Kultus-Handbuch - VDL), noch das Arbeiten daran,
auf die Ebene eines Eingeweihten zu gelangen, der in der Lage wäre,
eigene Kultusformulierungen zu geben, kann einer Priesterschaft zugemutet werden.»
(Taco Bay, als Erzoberlenker der CG)  55)



Warum Monopolanspruch ? 


Problematisch wird es also, wenn man das Handeln anderer Christenbrüder,
anderer Strömungen/ Gemeinschaften nicht nur für unberechtigt erklärt,
sondern sich auch für deren Sakramentstexte nicht nur zuständig,
sondern auch als deren "Besitzer" betrachtet.
So verfährt die «Christengemeinschaft» gegenüber dem Impuls für ein «freies christliches», sakramentales Handeln (von und für Anthroposophen, wie er hier von uns, insbesondere mit Taufe, Trauung, Bestattung, wieder und neu aufgegriffen wurde).  56)
Was dahinter steht, ist ein Monopolanspruch  57) , den man neuerdings auch öffentlich vertritt  58)  und der besagt, dass allein die «Christengemeinschaft» berechtigt sei,
überhaupt alle (bis auf die Schulhandlungen  59)  ) von Rudolf Steiner vermittelten Sakramente auszuüben, weil ihr diese von Rudolf Steiner «übergeben», «eingestiftet»
etc. worden wären
und somit Besitztum der «Christengemeinschaft» seien.
Das Tragische daran: Obwohl dem von verschiedenen und gewiss auch kompetenten Seiten widersprochen wird  60) , scheint diese Widersprüchlichkeit nicht nur Taktik,
sondern auch (unreflektierte  61) ) Überzeugung, Ausdruck eines anscheinend
exklusiven Sendungsbewusstseins  62)  dieses «erneuerten» Priestertums zu sein? ... 
Fazit: Wie man es auch dreht, 
«Die Christengemeinschaft» möchte keine Konkurrenz aus anthroposophischen Reihen. 



Warum?


Nicht nur weil frei christlich handelnde Anthroposophen "Nicht-Geweihte" sind,
die Antwort ist dramatischer (und traumatisch) :
Ohne die "Anthroposophen- und Waldorf-Scene" (aus der fast die gesamte Mitgliedschaft stammt) würde die «Christengemeinschaft»  - nach 80 Jahren immer noch eine quantitativ unbedeutende «Sondergemeinschaft» -  (vor allem finanziell) nicht existieren können
bzw. gar nicht mehr existieren,
und deshalb «weil es ihr nicht gleich gelingt, unter Nichtanthroposophen Bekenner zu finden,
nun ihre Proselyten innerhalb der Reihe der Anthroposophen macht.
Dadurch wird ein Unmögliches getan.» (Rudolf Steiner  63) )
Die traditionellen Kirchen sind für die anthroposophische Scene in der Regel keine Alternative
und so auch für die «Christengemeinschaft» keine Konkurrenz,
aber ein kultisch und sozial sogar noch fortgeschrittener und freier,
spezifisch anthroposophischer Kultus und dazu noch mit den gleichen Texten,
das könnte Mitglieder abziehen und die bisherige Politik und das unter diesen Umständen entstandene Dasein existenziell infrage stellen.
Das anthroposophisch gesinnte Klientel muss sie sich also erhalten,
denn außerhalb davon finden sich auch heute noch viel zu wenige Anhänger,
denn dort ist man als «anthroposophische Sekte» oder «Anthroposophen-Kirche» etikettiert.
Und damit sitzt man in der Zwickmühle;
denn der Nichtanthroposoph, der freiheitlich strebende, ökumenisch gesinnte und esoterisch tiefer suchende Christ (den Rittelmeyer und Steiner mit der Begründung im Auge hatten)
will ja nicht in eine "Sekte" = "Anthroposophen-Kirche" ...
Gerade die wollte auch Rudolf Steiner nicht:
«Wenn diese Voraussetzung nicht gewesen wäre, so wäre durch meine Ratschläge
die Bewegung für religiöse Erneuerung niemals entstanden.
Daher bitte ich Sie, eben zu verstehen, dass es notwendig ist,
dass die Bewegung für religiöse Erneuerung wisse:
dass sie bei ihrem Ausgangspunkte stehen bleiben müsse,
dass sie versprochen hat, ihre Anhängerschaft außerhalb der Kreise
der anthroposophischen Bewegung zu suchen ...
dass streng darauf gesehen wird, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung
nach allen Richtungen in Kreisen wirkt,
die außerhalb der anthroposophischen Bewegung liegen.» (Rudolf Steiner  64) )
Beide Seiten haben ihre Aufgaben nicht erfüllt ...

So versucht man ein Monopol aufrecht zu erhalten,
das durch eine Jahrzehnte herrschende Uninformiertheit der Mitglieder
- der Christengemeinschaft wie der Anthroposophischen Gesellschaft - entstanden ist.
Und so darf man sic