Jeder Mensch ein Priester !?
Liturgische Praxis


Werde priesterliches Werkzeug !


 

Du -  
der du uns frei geschaffen hast,
der du alles siehst,
was geschieht -
und dennoch 
des Sieges gewiss bist,

 

Du -  
der du jetzt unter uns 
der bist,
der die äußerste Einsamkeit leidet,

 

Du -  
der du auch Ich bist,

 

dürfte ich
deine Bürde 
tragen, 

 

wenn 
meine Stunde 
kommt,


dürfte ich -

 

Dein - 

denn dein Wille 
ist mein Geschick,

geweiht - 

 

denn mein Geschick ist, 

gebraucht und verbraucht 
zu werden,

 

nach deinem Willen.

 

Dag Hammarskjöld   



Begegne ich Ihm ...   

 

Der theologische Begriff des Priestertums aller Getauften
hebt die Differenz zwischen Klerus und Laien, 
geistlichem und weltlichem Stand auf. 
Insofern gelten hier alle Getauften als gleichrangige Glieder: 

'Was ausz der Tauff krochen ist, das mag sich rumen,
dass es schon Priester, Bischoff und Bapst geweyhet sey.'
Martin Luther

 

Es steht jedenfalls fest, dass bei den älteren (Kirchen-) Vätern 
irgendwelche Spuren von einem "character indelebilis" 
oder einem "Sakrament" der Priesterweihe nicht nachzuweisen sind, 
und wo man Derartiges zu finden meint, handelt es sich um Missverständnisse. ...  
Der Nachweis, wie ein Sakrament, 
von dem in den ersten vierhundert Jahren in der Kirche 
nichts wahrzunehmen ist, 
von Christus eingesetzt,  
ja ein "Grundamt der Kirche" sein kann, 
muss den Dogmatikern anheim gegeben werden. 
Für den Exegeten ist die Sache längst klar.

Hans von Campenhausen  [1]

 

Begegne ich ihm (dem Du VDL) so, dass ich bereit bin, 
mein Bewusstsein (zeitweilig) für ihn zu opfern, 
dass seine Entfaltung mir also wichtiger ist als die meine, 
vollziehe ich - indem ich für ihn ersterbe - in gewissem Sinne 
eine Nachfolge Christi. 
Dann nah ich ihm in Seinem Namen.  

Dann werde ich im gleichen Augenblick 

von Christus selber zum Priester geweiht: 

Seine Gegenwart ist Weihe 
- in diesem Augenblick und für diesen Augenblick. 

Im Gegensatz zum Amtspriester, der für sein ganzes Leben geweiht wird, 
gilt die Weihe des sozialen Priesters nur für jene Zeitspanne, 
in der er "agapisch"  einem Mitmenschen begegnet. 

Es ist ein inneres, ein mystisches Erlebnis dieses Menschen. 

Und nur das, was sich bei der Begegnung mit dem andern ereignet, 
gibt Antwort auf die Frage, ob hier ein "Priester" zelebriert hat.  

 

Die soziale Priesterweihe ist ein Sakrament, 
das, im übertragenem Sinne, 
der Christus unter vier Augen vollzieht. 

Dieter Brüll,  "Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus", S.138-139.

( Es fand VDL ) die Weihnachtstagung zur Begründung 
der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft statt.  
Man kann verschiedene geistige Ereignisse in ihr finden.  

Vom kultischen Gesichtspunkt aus  ist sie eine Art 'Weihe' 

der Anthroposophischen Gesellschaft
durch die anthroposophische Bewegung,
der Michaelsgemeinschaft auf Erden
durch die Michaelsbewegung aus der geistigen Welt,
die Grundsteinlegung aus der göttlichen Trinität
zu einer neuen Würde der anthroposophisch strebenden Individualität. 
In ihr ist Hirtentum und Königtum miteinander verbunden.  

Friedrich Benesch, "Das Religiöse der Anthroposophie...", S. 89.

 

Es handelt sich hier um Zusammenhänge, die eine Frage
nach der Wirksamkeit ganz neuer Ätherkräfte nahe legen.
Man wird in diesem Zusammenhang daran denken, wie das Blut
des Christus, das am Karfreitag vom Kreuz in die Erde floss,
sich vollständig "ätherisierte"
und der Christus-Impuls "als eine Substanz" [2],
als  Christus-Äther, zu den vier 'alten' Ätherarten [3] hinzutritt.
Als "moralische Äther-Atmosphäre" [4]
ist er mit der Moralität  der Menschen verbunden
und als neuer Lebenskeim der Erde
und der Leiblichkeit der Menschen eingestiftet....
Von diesem lebendigen Band umfasst zu werden,
ist die recht verstandene Sukzession.
Das kann man erst durch die Anthroposophie so verstehen
und gewinnt dadurch einen neuen (modernen) Sukzessionsbegriff, 
für den manches früher entscheidend Wichtige unwesentlich wird.

Michael Debus  [5]

 

Was in der Entwicklung der Christenheit 

als Sehnsucht und Streben nach Laienpriestertum

immer wieder erstand  - allerdings auch immer wieder verfolgt 

und schließlich zum Verschwinden gebracht wurde -, 

das hat hier (im "freien christlichen" Kultus  VDL) durch Rudolf Steiner 

eine neue Keimlegung erfahren.                       
Maria Röschl-Lehrs  [6]   

 

An ihren Taten  werdet ihr sie erkennen ...  

nach Matthäus

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Anmerkungen :

1)     Hans von Campenhausen,  "Die Anfänge des Priesterbegriffs in der alten Kirche".
2)     Rudolf Steiner, "Aus der Akasha-Forschung. Das fünfte Evangelium", 10.2.1914, GA 148.
3)     Ernst Marti,  "Die vier Äther", Verlag Freies Geistesleben, 1981.
4)     Rudolf Steiner,  "Das esoterische Christentum ...", 1.10.1911,  GA 130.
5)     Michael Debus,  "Anthroposophie und die Erneuerung der christlichen Kirche".
6)     Maria Röschl-Lehrs,  GA 265, S. 42.


Berufen

 
Ihn zu tragen,
ausgesondert
Ihn zu prüfen,
erwählt
Ihn zu leiden,
frei
Ihn zu verneinen,
sah ich,
einen Augenblick,
das Segel
im Sonnensturm,
allein
auf dem Wellenkamm,
ferne,
seewärts fort vom Land.
Sah ich,
einen Augenblick -
 
Der Einsatz sucht uns,
nicht wir den Einsatz.
Darum bist du ihm treu,
wenn du wartest, bereit.
Und handelst,
wenn du vor der Forderung stehst.
 
Wie furchtbar,
unsere Verantwortung.
Wenn DU versagst,
dann ist es Gott,
der durch deinen Betrug an Ihm
vor der Menschheit versagt.
 
JA zu Gott : 
ja zum Schicksal
und ja zu dir selbst.
 
Bereit - wenn ich treffe das Meine !
 

Dag Hammarskjöld




Dürfte ich ? 

Eine neue Zeit bricht an, 

 

auch religiös, sakramental, kultisch !

Das 3. Jahrtausend braucht neue Wege, mutige, freie Menschen ... 

 

Die SAKRAMENTE sind eine Arznei für unser vielseitig krankes Menschsein.

Stehen wir uns doch als Christen-Geschwister heilend bei ... 

in Demut, und in/aus der Gnade und dem Beistand der Geistigen Welt !

 

Wenn Sie sich aufgerufen fühlen  - wer will / darf Sie hindern? -

in Ihr Leben auch ein kultisches Engagement einzufügen,

und auch selbst Sakramente geschwisterlich, würdig weiterzugeben ...

Sie sollten dem/Seinem Ruf mutig und authentisch nachgehen !

"Aus dem Ernst der Zeit, muss geboren werden der Mut zur Tat!" 
Rudolf Steiner

 

Es ist - immer - ein Werden in und aus LIEBE, in Seiner "Nachfolge", 

in Geschwisterlichkeit, Demut, Selbstlosigkeit, Empathie .. hin zu IHM, 
in Ihrer individuellen Gottverbundenheit .. als doch Sein Werkzeug !

 

Bestimmen dementsprechend - im Einklang mit IHM - SIE selbst 

wie Sie die Hoch- und Notzeiten des Lebens sakramental gestalten, 

( selbstverständlich gehört dazu eine innige Schulung, 
ein liturgisches Wirken-Können, 
die Verbundenheit mit IHM ), 
 bzw. gestaltet bekommen möchten!

 

 

Wenn Sie es nicht tun ... wer tut es denn dann ?

 

Es wird fehlen,

den Menschen, denen vielleicht gerade Sie helfen sollten,

ja, der ganzen Menschheitsentwicklung .. fehlt ein Impuls ...

Denn ein michaelisches Weiterschreiten braucht weitergehende Wege.

Ein überkonfessionelles, individuell ausgerichtetes, autonomes,

aus der Anthroposophie schöpfendes, freies christliches Wirken 

ist ein allseits geforderte Weg in und ist die Zukunft.

 


Sie können dabei 

-- alleine  (dazu ist keine Institution, kein "Forum Kultus" nötig ! ),

   oder gemeinsam arbeiten, handeln;

-- nur für einen konkreten Einzelfall 

   oder jederzeit für jeden Fragenden;

-- ggf. sofort oder sich erst einer tieferen Qualifizierung hingeben ...

 

Letztlich ist es doch Ihr Schicksal und Seine Gnade,

die Sie dann - warum auch immer - konkret fragen, ja brauchen ..

als Sein Werkzeug tatkräftig zu wirken ...

Und DU handelst: authentisch aus Deiner "moralischen Intuition",

autonom aus einem "ethischen Individualismus" (Steiner) 
... aus Liebe !

 

Oder blockiert weiterhin Verzagtheit, Stehenbleiben, Angst unsere Zeit ? :

Widersacher, gegen SEIN lebendiges Weiterschreiten !   

 

Lausche auf den Kommenden... !

Bist Du bereit, wenn DU gerufen wirst ?  
.. dürftest Du Dich verweigern ?  




Wo ist Gott ?
.. freie christliche Praxis


 

"Frei", aber gebunden an spezielle Kirchen, Räume, Dogmen, 

gebunden an hier oder dort und genau so ... ?

.. denn sonst nimmt Gott mein Beten / Handeln nicht an ! ? 

 

Wenn ich als Freier Christ, oder als frei christlich Handelnder liturgisch 

einen Gott-gemäßen Ort suche … ist denn Gott überall ?

 

   "Gott ist die Liebe! Und wer in der Liebe ist, ist in Gott und Gott in ihm!"

   "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, 
     da bin JCh mitten unter ihnen!"

 

Bei / mit / in dem ALLES ist alles möglich ..

wenn es aus einem demütigen, liebenden Herzen kommt.

 

Und so stehen wir wieder vor der "Freiheit"..

und den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Handelnden.

"Vorschriften" gibt es ja nicht, nur individuelle Erkenntnis und Reife.

 

Unsere Chance besteht darin, dass wir alles ergreifen können!

Uns binden keine Kirchen, Dogmen, Anweisungen,

nur unser Gewissen, unsere Ver-antwort-ung IHM gegenüber. 

 

Deshalb:  Bauen Sie sich Ihren eigenen Gottes-Kommunikations-/Kommunions-Raum !  
Sie selbst werden abzuspüren haben:  
Bin ich mit IHM ?

 

Ob Sie privat, oder als kultisch Handelnde beten, meditieren, mit IHM kommunizieren, 
oder als Sein Werkzeug kultisch zu wirken haben :

Gehen Sie mutig: an den See, auf den Berg, in den Wald, an den Strand, 
oder ins Wohn- oder Krankenzimmer, 
oder eben auch in eine Kirche (und zwar egal welcher Konfession),  
einfach dorthin, wo SIE IHN finden, 
wo und wie Sie das authentisch und wirksam können 
und als würdig und stimmig empfinden … 
und das Herz sich IHM öffnet … !

 

Warum eine "Kirche" (als Raum, oder eine Institution, oder eine Lehre) wählen,
zu der Sie / die Betroffenen keine Beziehung haben?

 

Suchen Sie also ihre ganz individuellen, authentischen Räume, 
die Geist und Seele emportragen und Sie mit IHM vereinen!

Lauschen Sie hin, wo und wie ER durch Sie wirken möchte!

Seien Sie demütig-mutig für Neues, denn: "nicht mein Wille geschehe"... 

 

Durch IHRE eigene "moralische Intuition" 
weist ER Ihnen die Wege.

Stellen Sie sich IHM zur Verfügung, dass ER durch Sie wirken mag!

Denn .. ER braucht Menschen-Werkzeuge für Sein Handeln!

Wagen Sie sich auf Seinen Weg!

ER ruft Sie !
Sein Ruf ist Berufung, ist Weihe, ist Berechtigung, ist Auftrag ... und Pflicht ...
Wenn SIE gefragt werden,
dann ist das nicht Zufall,
dann fragt das Schicksal,
dann fragt ER ... 


Habt Mut! 

Und sehet: 
JCh bin alle Zeit mit Euch!      Matt. 28/20



 



Sieh nicht, was andre tun,

der andern sind so viel,

du kommst nur in ein Spiel,

das nimmermehr wird ruhn.

 

Geh einfach Gottes Pfad,

laß nichts sonst Führer sein,

so gehst du recht und grad,

und gingst du ganz allein.

 

Verlange nichts von irgendwem,

laß jedermann sein Wesen,

du bist von irgendwelcher Fehm

zum Richter nicht erlesen.

 

Tu still dein Werk und gib der Welt

allein von deinem Frieden,

und hab dein Sach auf nichts gestellt

und niemanden hienieden.

Christian Morgenstern

Jeder Mensch ..werde.. ein Priester!

Wie furchtbar,
unsere Verantwortung.
Wenn DU versagst,
dann ist es Gott,
der durch deinen Betrug an Ihm
vor der Menschheit versagt.
JA zu Gott :  
ja zum Schicksal
und ja zu dir selbst.
Bereit - wenn das Meine mich trifft !
Dag Hammarskjöld

frei + christlich